Der Tagesspiegel :   UNTERM  ADLER  

Thorsten metzner über neue Freundschaften und Kunstchristbäume

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Foto: Andreas Klaer

Oberhavel-Landrat Karl Heinz Schröter (SPD) pflegt neuerdings eine transatlantische Beziehung – mit echtem Potenzial, ja künftig sogar einem Draht ins Weiße Haus. Im Zuge des Projektes „Villa Sanssouci“, einem Camp für schwerkranke Kinder in Liebenwalde lernte Schröter einen ungewöhnlichen Menschen kennen: Ralf Hennig, Fitnesstrainer der New Yorker „Red Bulls“. Man lief für den guten Zweck „Seit an Seit“ den Berlin-Marathon und versackte danach in der Kneipe „Hohle Birne“ im Holländischen Viertel in Potsdam. Die beiden verstanden sich von Beginn an prächtig. „Seitdem telefonieren wir regelmäßig und schicken uns E-Mails“, verriet Schröter dieser Tage. Nun ist Ralf Hennig aber auch noch Personal Trainer von etlichen US-Prominenten – etwa von Ex-Präsident Bill Clinton und seiner Frau Hillary, die bald Außenministerin der Vereinigten Staaten wird. Und der Kreis Oberhavel hat ja auch noch eine rege Partnerschaft mit Hudson County. In dieser Region vis-à-vis von New York sollen nächstes Jahr, ein Geschenk des Landkreises, einige Segmente der vor zwanzig Jahren gefallenen Berliner Mauer aufgestellt werden. Und Landrat Schröter hofft nun, dass die neue US-Außenministerin zur Einweihung da sein wird. Schröter stolz: „Ja, wir machen hier richtig Politik in Oberhavel.“

Neulich besuchten Potsdamer Grundschüler den Landtag. Die zahlreichen Knirpse staunten nicht schlecht, als sie im Gebäude auf dem Brauhausberg einen wunderschönen Tannenbaum sahen, einen echten duftenden Baum aus Holz, mit echten Nadeln, und wunderschön geschmückt: An Potsdamer Schulen, so eine Anweisung des Rathauses, durften nämlich in diesem Jahr überhaupt keine echten Weihnachtsbäume aufgestellt werden – was wortreich mit Brandschutz-Argumenten begründet wurde. In der ausführlichen Anweisung heißt es: „Es dürfen nur künstliche Bäume (und zwar bevorzugt mit einem Nachweis der Schwerentflammbarkeit) verwendet werden.“ Florian Engels, Sprecher der SPD-Fraktion und Elternsprecher der Potsdamer Rosa-Luxemburg-Grundschule, schickte deshalb eine sarkastische Beschwerde ans Amt: Es sei zu befürchten, dass die vorgeschriebenen Kunst-Tannen aus fernöstlichen Ländern importiert sein könnten, schrieb er, „vollgepumpt mit Chemie und mit ökologisch negativer Herstellungs- und Transportbilanz.“ Dabei könnten die Potsdamer Kinder doch durch einen „richtigen schönen Baum“, der gut riecht, der aus märkischen Wäldern kommt, etwas lernen – und zum Beispiel viel über die reiche Natur des Landes erfahren.

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