Der Tagesspiegel :   UNTERM  ADLER  

Thorsten Metzner pflegt die brandenburgisch-estnischen Beziehungen

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Dellmann

Der Alltag von Politikern steckt bisweilen voller Merkwürdigkeiten: So kommen sie zum Beispiel vor lauter Abendterminen nur selten dazu, die regionalen RBB-Fernsehnachrichten zu schauen, für die sie sich aber andererseits brennend interessieren. Über Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) heißt es, dass er sich regelmäßig „Brandenburg Aktuell“ aufnehmen lasse – um zu mitternächtlicher Stunde zu erfahren, was im „Ländchen“ so passiert ist. Andere, wie Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD), nutzen das Internet, wo man die Sendungen ebenfalls abrufen kann. Man will schließlich informiert sein. Bei einer seiner Nachrichten-Surftouren machte Dellmann auf der RBB- Homepage allerdings eine seltsame Entdeckung: Der Regionalsender hat den langjährigen Sozialdemokraten im Archiv mehrfach der CDU zugeordnet. Dellmann amüsierte sich darüber köstlich – und lästerte mit Blick auf den jüngsten Postenschacher um künftige Landtagsmandate beim Koalitionspartner Union. „Wer weiß, welchen Listenplatz die mir gegeben hätten?“ Tja, wahrscheinlich hätte man dort wirklich eher einen Sozi auf einen guten Platz gesetzt als den demontierten Noch-Fraktionschef Thomas Lunacek.

Es war eine Premiere – und ausgerechnet da gab es eine Panne. Als der Botschafter Estlands, Mart Laanemäe, zum Antrittsbesuch in die Potsdamer Staatskanzlei kam, fehlte das gewisse Etwas: In der Einfahrt war keine Fahne zu Ehren des Gastes gehisst, wie es Gepflogenheit ist. „Der Besuch musste mit einer Entschuldigung des Landes beginnen“, erzählt Gerd Harms, Staatssekretär für Europaangelegenheiten. Der Grund: Der Fahnenmast war angesichts der arktischen Temperaturen eingefroren, so dass trotz aller Versuche die estnische Nationalfahne nicht nach oben bugsiert werden konnte. Man behalf sich notgedrungen drinnen mit Wimpeln in Blau-Schwarz-Weiß, den Nationalfarben Estlands, auf den Tischen. Der Botschafter hatte Verständnis, dass die Gastgeber Kälte wie in seiner Heimat nicht gewohnt sind – die Jahresdurchschnittstemperatur in der Hauptstadt Tallin liegt bei 4,5 Grad Celsius. Ansonsten gibt es manche Ähnlichkeit zwischen beiden Ländern: Hirsche, Füchse, Biber und Marder fühlen sich hier wie dort wohl. Wölfe und Luchse, in Estland heimisch, zieht es bekanntlich wieder nach Brandenburg. Und was den Märkern die Kiefer, ist den Esten die Birke. Also droht keine Eiszeit zwischen Estland und Brandenburg.

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