Der Tagesspiegel :   UNTERM  ADLER  

Thorsten Metzner überkommen angesichts desaströser Deutschkenntnisse bei Wirtschaftförderern und Politikern gespenstische Visionen

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Foto: dpa

Bei Brandenburgs SPD-Landtagspräsident Gunter Fritsch geht immer viel Post ein. Die Einladung des „Bundesverbandes für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft“, der in Potsdams Berliner Vorstadt demnächst einen „Internationalen Wirtschaftsklub“ eröffnet, fiel zur Verwunderung des Parlamentspräsidenten aber schon sehr aus dem Rahmen. Vor allem wegen der, gelinde gesagt, sehr eigenwilligen Anwendung der deutschen Sprache und der Häufung von orthografisch-grammatikalischen Fehlern.

Hier eine kleine Kostprobe des Einladungstextes – Achtung, nicht zur Nachahmung geeignet: „Daher möchten wir, das sie an dieser einzigartigen Veranstaltung in einem lebendigen Weltkulturerbe bei wohnen sollt, um uns mit ihrer Anwesenheit erfreuen.“

Ort der öffentlichen Präsentation des neuen Internationalen Wirtschaftsklubs soll übrigens das Belvedere auf dem Potsdamer Pfingstberg sein, das laut Einladung „von dem preußischen König Friedrich Wilhelm dem IV 1848 in Auftrag gegeben“ wurde. Weiter heißt es in der Einladung: „In diesem wunderbaren lebendigen Geist, dürfen wir unsere Veranstaltung eröffnen.“

So so, im Geist, ganz spirituell. Man sieht sie fast schon vor sich, die Wirtschaftsförderer. Wie sie in kleinen Gruppen um Glaskugeln sitzen.

Was wurden Brandenburgs Lehrer und Schüler gescholten, weil das Land bei Pisa und anderen Vergleichstests in Deutsch so schlecht abschnitt. Besonders die märkischen Christdemokraten drängen seit langem hartnäckig auf Verbesserungen und auf einen höheren Leistungsdruck.

Allerdings sind auch führende Unionisten nicht frei von Rechtschreibschwächen: So schrieb dieser Tage der Landtagsabgeordnete und CDU-Vizeparteichef Sven Petke einen zornigen Brief an Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD). Darin beklagte er, dass in der Ludwig-Achim-von-Arnim-Grundschule in Werbig bei Jüterbog, seinem neuen Wahlkreis, der Unterrichtsausfall wegen kranker Lehrer einen nicht hinnehmbaren Umfang erreicht habe. „Trotz alles Versuche der Schulleitung mit den noch vorhandenen Lehrern den Unterrichtsausfall so gut wie möglich aufzufangen, fallen an der Grundschule Stunden aus. Heir mangelt es offenkundig an der Fähigkeit der aufsichtsführenden Stelle, Abhilfe zu schafen. Anders ist das wochenlange Ausbleiben von Ersatzlehrern nicht erklären.“

So steht alles wirklich im Original. Man sieht den Mann geradezu vor sich, wie er den Brandbrief im wütenden Stakkato in die Tasten hämmert, damit märkische Schüler endlich wieder Deutschunterricht haben.

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