Der Tagesspiegel :   UNTERM  ADLER  

Thorsten Metzner über nostalgische Sozis und vergessene Parlamentarier

Brandenburgs Sozialdemokraten sind auf dem Retro-Trip: Auf Parteitagen präsentieren sie schon mal (schlecht) stilisierte Konterfeis von Matthias Platzeck und Frank-Walter Steinmeier, was im Osten an altbekannte Marx-Engels-Symbolik erinnert. Jetzt lädt die SPD-Fraktion gesondert zum „Tag der offenen Tür“ am 4. Juli in den Landtag ein – mit einem Poster im Stil der Waschmittelwerbung aus den 50er Jahren. So empfängt der Genosse Volksvertreter also den Bürger: Mit Schlips und Anzug wie ein Beamter hinter einem Schreibtisch, darauf ein rotes Telefon und eine Tasse Kaffee. Sein Kopf ist hochrot, als sei er gerade beim Einschlafen ertappt worden. Origineller ist das gebotene Programm: Man kann zum Beispiel sein eigenes Wahlplakat drucken oder sich den Frust über die SPD an einer „Speakers Corner“ von der Seele reden.

Ach, wie langweilig wäre alles ohne die kleinen und großen Pannen, die oft unerklärlich sind: Jetzt erwischte es den altgedienten SPD-Parlamentarier Wolfgang Klein, der im neuen SPD-Schülerkalender vergessen wurde, was ihn in der Fraktionssitzung zu einer wütenden Philippika über Sorgfalt und Korrektheit im Allgemeinen und Speziellen veranlasste: Wenn der Fehlerteufel in SPD-Publikationen steckt, dann nämlich immer bei ihm. Was die Linkspartei in Potsdam auf ihrer Homepage tut, ist dagegen Absicht: Man kann dort auf ein Bild von Dagobert Duck klicken, dem gierigen Enterich, der auf einem Dukatenberg sitzt. Ja, das ist der „Spendenaufruf“ der Linken. So etwas traut sich nämlich nicht einmal die FDP, die Partei der Besserverdiener.

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