Der Tagesspiegel :   UNTERM  ADLER  

Thorsten Metzner über Indiskretionen, Spätzünder und Dichter

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Schönbohm

Als Innenminister Jörg Schönbohm jetzt eine Bilanz nach zehn Jahren Amtszeit zog, stellte er Brandenburgs Journalisten kein gutes Zeugnis aus: Anders als in Bonn und in Berlin sei es in der Mark regelmäßig passiert, dass nach vertraulichen Hintergrundrunden seine Äußerungen brühwarm zum politischen Gegner getragen wurden. „Anrufe, was ich da schon wieder gesagt habe, kamen manchmal schon eine Stunde danach.“ Er habe danach seine Taktik geändert, sogar Botschaften an die Konkurrenz bewusst in diskreten Medien-Hintergrundrunden platziert. „Wenn ich etwas geheim halten wollte“, so Schönbohm sarkastisch „habe ich es offen gesagt.“ Überhaupt, so befand der 71-Jährige, musste er sich an den neuen „Sprachraum“ in Brandenburg gewöhnen. „Hier muss man blumiger sprechen, um verstanden zu werden. Ich habe mich da etwas anpassen müssen.“

Allgemein bekommt Rainer Speer, der SPD-Finanzminister, gute Noten. Als Schwachstelle seines Ressorts galt trotzdem die Zentrale Bezügestelle des Landes, die für Gehaltsabrechnungen und Erstattungen von Arztrechnungen zehntausender Beamter zuständig ist – aber wegen monatelanger Bearbeitungszeiten immer wieder in die Kritik geriet. In den Amtsstuben löste deshalb eine Nachricht Begeisterung aus: Die Behörde ist jetzt erstmals per E-Mail erreichbar. Die Einschränkung folgt prompt: Eine E-Mail ersetze keine offizielle Antragstellung.

Frank Hammer, Linken-Abgeordneter aus Frankfurt/Oder, kandidiert nicht wieder. Ein Verlust, denn er ist ein unorthodoxer Politiker, vor allem aber Künstler: Gerade hat er ein Buch veröffentlicht, „Geschichten aus der Eisenzeit“ mit 49 Kurzgeschichten. Er will in den nächsten Jahren als Schriftsteller arbeiten. „In meinem Kopf haben sich fünf Bücher angestaut.“

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