Der Tagesspiegel :   UNTERM  ADLER  

Thorsten Metzner über Württemberg, die Mark und Nachwuchssorgen im Knast

Es war durchaus ein Signal für parteiübergreifenden Konsens von Demokraten: Ministerpräsident Matthias Platzeck enthüllte jetzt in Finowfurt eine Stele, die an den schwäbischen Reichstagsabgeordneten der katholischen Zentrumspartei Matthias Erzberger erinnert, der 1921 von rechtsextremen Gegnern der Weimarer Republik ermordet worden war. Bereits seit 2004 gibt es dort einen nach Erzberger benannten Platz. Gestiftet hat die Stele der bekennende Protestant und Sozialdemokrat Platzeck gemeinsam mit dem baden-württembergischen CDU-Kollegen Günther Oettinger. Extra angereist war auch Mike Münzing, SPD-Bürgermeister von Münsingen, wo sich heute im Geburtshaus Erzbergers ein Museum befindet. Für Münzing gab es zudem eine weitere Verbindung aus dem heimatlichen Württemberg in die Mark: Seit Juni ist die Schwäbische Alb wie die Schorfheide, wo Finowfurt liegt, ein Unesco-Biosphärenreservat. Mal sehen, ob auch die beiden 741 Kilometer entfernten Gemeinden wie die Regierungschefs einen Brückenschlag schaffen.

Der Justizvollzug des Landes Brandenburg schaltete jetzt eine Annonce, die es in sich hat. Die märkischen Gefängnisse brauchen Nachwuchs, nicht Insassen, sondern Personal natürlich. Also sucht man, Achtung Wortgebirge, „Justizvollzugsobersekretäranwärterinnen“ und „Justizvollzugsobersekretäranwärter“. Klar, es geht einfach um Bedienstete zur „Betreuung, Versorgung und Bewachung der Inhaftierten“. Mal abgesehen davon, dass die amtliche Berufsbezeichnung in keinen Fragebogen passt, sind auch die Einstellungsbedingungen bemerkenswert: Wer die Ausbildung machen will, muss nicht nur „soziales Verständnis für die Belange inhaftierter Menschen“ mitbringen, sondern darf als Frau nicht kleiner als 1,60 Meter und als Mann nicht kleiner als 1,65 Meter sein. Eher kurios ist, dass das Land Wärter-Azubis sucht, aber nicht einmal die Übernahme garantiert, obwohl die Gefängnisprofis zumindest im Land nach der Ausbildung schlecht woanders arbeiten können. Die Übernahme werde „angestrebt“, so die Anzeige, „richtet sich aber nach der Verfügbarkeit von besetzbaren Planstellen“.

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