Der Tagesspiegel :   UNTERM  ADLER  

Thorsten Metzner über Neulinge in Parlament und Regierung

Ein gläserner Abgeordneter ist Ludwig Burkhardt, Neuling in der CDU-Fraktion und früher Chef des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen: Auf seiner Homepage kann man viel über den Unionsmann erfahren, auch privat. Man sieht ihn als Jugendlichen in der Dorfstaffel Burghaun, als Biker in Lederkluft an seiner „BMW R 850 R“ oder bei seiner Stute Abha Harim x Zafarina und deren Tochter Zaraguel. Unter „Neues aus dem Landtag“ schildert der Ex-Vorständler seine Eindrücke vom Parlament: „Schmutzige Tapeten, bröckelnder Putz, Mobiliar aus den Wendezeiten, ein Plenarsaal mit billigster, teilweise verschmutzter Auslegware und dem äußeren Anschein nach aus billigstem Furnier selbst gezimmertem Sitzungsmobiliar.“ Am Eingang roch Burkhardt den „unsäglichen Gestank eines Reinigungsmittels“ aus DDR-Zeiten, nämlich „Wofasept“. Sein Fazit: Das Parlament arbeite im „versifftesten und ramponiertesten Plenargebäude zwischen Atlantik und Ural“.

Ein Neuling ist er auch, zumindest als Innenminister: Rainer Speer, der zuletzt SPD-Finanzminister war und als engster Vertrauter von Ministerpräsident Matthias Platzeck gilt. Seine erste Amtshandlung war eine in eigener Sache: Anders als jeder Polizeiminister in Deutschland verzichtet Speer auf Personenschützer, jedenfalls fast. Weil das eigentlich nicht zulässig ist, sollen die Bodyguards ihn nur bei sicherheitsrelevanten Terminen begleiten – so wie jetzt zu einer Tagung des Verfassungsschutzes über Gefahren durch Islamismus und Fundamentalismus. Seine Rede in der noch fremden Materie kam dort noch etwas holprig daher. Doch überraschte Speer selbst das Fachpublikum mit dem Faktum, dass die erste Moschee Deutschlands in Brandenburg gestanden habe, nämlich in Wünsdorf. Heute erinnere nur die dortige „Moscheestraße“ noch daran. Speer: „Es ist die einzige Moscheestraße Deutschlands – ich habe das überprüft.“

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