Der Tagesspiegel :   UNTERM  ADLER  

Thorsten Metzner beobachtet Wasserspenden und Meinungsfreiheit

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Foto: dpa-ZBdpa-Zentralbild

Brandenburgs First Lady Jeanette Platzeck tritt selten mit dem Regierungschef auf. Als jetzt die Faschingsgala „Hier steppt der Adler“ in der Cottbuser Stadthalle aufgezeichnet wurde, erschienen aber beide. Pures Vergnügen war es nicht, denn Platzeck musste sich in den Büttenreden deftige Attacken auf Rot-Rot anhören. „Nun seid Ihr aber mal dran!“, befand er irgendwann – gemeint war seine Sitznachbarin: Katherina Reiche, CDU, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. Ja, am Promi-Tisch, an dem nur Sozialdemokraten und Christdemokraten saßen, ging es harmonisch zu: Als die Kellner die Platzecks lange warten ließen, teilte Reiche fürsorglich ihr Wasser.

Die Nachwelt kann es nachlesen: Selbst Protokolle aus dem Landtagspräsidium können kurzweilig sein. Ein Interview, in dem SPD-Landtagspräsident Gunter Fritsch ein raueres, ja aggressiveres Klima im Parlament beklagt hatte, hatte die Christdemokraten erregt. Sie verlangten genaue Belege – die er stoisch ablehnte. So ging es, Vorhang auf, mehrfach hin und her: „Die Abgeordnete Prof. Dr. Wanka (CDU) bekräftigt den Wunsch, die Textstellen belegt zu bekommen; denn es handele sich nicht um eine allgemeine Feststellung, sondern die Äußerung sei gegen die CDU-Fraktion gerichtet gewesen.“ Präsident Fritsch „antwortet, wenn die Abgeordnete den Eindruck habe, dass von ihrer Fraktion besonders aggressive Redebeiträge gehalten würden, nehme er dies zu Kenntnis.“ Wanka erwidert, ein Präsident dürfe nicht eine einzelne Fraktion herausstellen. „Präsident Fritsch erklärt, das tut er nicht. Dem widerspricht die Abgeordnete Wanka (CDU). Darauf erwidert der Präsident, in einer Demokratie könne jeder seine Meinung haben.“ Echt stark.

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