Der Tagesspiegel :   UNTERM  ADLER  

Thorsten Metzner über Ärger mit dem Schloss und radelnde Grüne

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Foto: Klaer

Brandenburgs Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) muss zur Zeit in einer diffizilen Angelegenheit vermitteln. Auf seinem Tisch liegt eine Beschwerde aus der Führung des Rundfunks Berlin Brandenburg (RBB) zum neuen Potsdamer Stadtschloss-Landtag, für den in Kürze der Grundstein gelegt wird. Zum Ärger der Fernsehleute lehnt es Landtags-Stararchitekt Peter Kulka bislang ab, dass im künftigen Plenarsaal eine Vis-à-vis-Kamera direkt gegenüber dem Rednerpult stehen darf, wie es eigentlich in allen Parlamenten üblich ist. Dieser Platz auf der Empore, so die Begründung, werde für exklusive Besucherplätze benötigt. Bliebe es dabei, könnten Brandenburger Abgeordnete bei ihren Parlamentsauftritten nur im Seitenprofil gefilmt werden. Der Fernsehzuschauer bekäme sie nicht mehr von Angesicht zu Angesicht auf den Schirm. Konsequent wäre, so lästern Journalisten bereits, dann im Potsdamer Stadtschloss auch nur Schwarz-Weiß-Aufnahmen zu erlauben und Tonmitschnitte zu verbieten.

Die Grünen im Landtag sehen sich gern als Vorreiter, und zwar in jeder Hinsicht. Als erste Fraktion schafften sie jetzt ein Dienstfahrrad an, das der Abgeordnete Michael Jungclaus demonstrativ in Betrieb nahm: Großes Zutrauen in die Ausdauer seiner Kollegen scheint er aber nicht zu haben. Das Fahrrad soll, so schränkte er ein, „auf kurzen Strecken“ in Potsdam genutzt werden. Als erste Fraktion setzten die Öko-Parlamentarier im Landtag jetzt aber auch eine eigene Farbgebung für ihre Räume durch: Alle Wände der Büros und Flure zieren jetzt, na klar, breite grüne Streifen. Das Beispiel sollte Schule machen und im neuen Landtag von vornherein Standard sein. Dann gibt es grüne, rote, dunkelrote und gelbe Flure. Und die CDU? Da es in der Union sowieso kaum noch echte Konservative gibt, darf sie auf schwarze Wände verzichten. Dem Zeitgeist entsprechend wäre das knallige Unions-Orange passend. Auf jeden Fall bekäme Brandenburg mit dem neuen Landtagsschloss gleich noch ein buntes parlamentarisches „Hundertwasserhaus“. Orientierung garantiert.

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