1. Mai : Demonstranten stoppen Neonazi-Aufmarsch in Nordbrandenburg

Im nordbrandenburgischen Wittstock hat ein Bündnis gegen Rechts einen Aufmarsch von Neonazis zum 1. Mai gestoppt. Mehr als 200 Rechtsextreme wollten durch Wittstock marschieren - sie kamen nur 100 Meter weit.

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Nach 100 Metern war Schluss - mit Sitzblockaden wie an diesem Bahnübergang stoppten mehrere hundert Menschen einen Aufmarsch von Rechtsextremen in Wittstock.
Nach 100 Metern war Schluss - mit Sitzblockaden wie an diesem Bahnübergang stoppten mehrere hundert Menschen einen Aufmarsch von...Foto: dpa

Mehrere hundert Menschen haben am 1. Mai im nordbrandenburgischen Wittstock (Kreis Ostprignitz-Ruppin) einen Neonazi-Aufmarsch gestoppt. Mit spontan angemeldeten Demonstrationen und Sitzblockaden verhinderte ein Bündnis gegen Rechts aus örtlichen Initiativen, Parteien und Gewerkschaften den Aufzug der mehr als 200 Rechtsextremisten. Diese kamen vom Wittstocker Bahnhof aus nur hundert Meter weit. Nach rund einer Stunde lösten die Neonazis ihre Versammlung auf. Ein Teil von ihnen musste von der Polizei durch die Stadt zu seinen Fahrzeugen eskortiert werden. Dabei kam es zu einzelnen Festnahmen, kleineren Rangeleien mit der Polizei und erneuten Sitzblockaden von Linken. Parallel musste die Polizei in Neuruppin Stellung beziehen, wohin ein Teil der Rechten von Wittstock aus kurz nach dem Stopp ihrer Demonstration per Zug gefahren war. Dort sollen sie einen linken Jugendclub mit Steinwürfen attackiert haben.
Wittstock selbst hielt den Neonazis ein buntes Stadtfest entgegen. Bei einer Gedenkveranstaltung wurde eines 2002 von Neonazis ermordeten Russlanddeutschen erinnert. Brandenburg sei tolerant und friedlich, sagte Finanzminister Helmuth Markov (Linke), der auch an der Gegendemonstration teilnahm.


Die Polizei zeigte sich überrascht vom großen Zulauf des rechten Aufmarsches, zumal Neonazis und die NPD auch in Berlin, Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) und Bautzen (Sachsen) Aktionen angemeldet hatten.
Die Lage bei den Sicherheitskräften in Brandenburg ist derzeit angespannt. In mehreren Städten wie Frankfurt (Oder) und Neuruppin hatte es in diesem Frühjahr bereits Proteste gegen Neonazi-Demos gegeben. Brandenburgs Polizeipräsident Arne Feuring sprach von einer „hohen Belastung“. Denn parallel musste die Polizei am 1. Mai das Baumblütenfest in Werder/Havel absichern. Bereits am 12. Mai steht der nächste Neonazi-Aufmarsch in Cottbus an, zeitgleich läuft in Potsdam der Tag der offenen Baustelle für das neue Landtagsschloss mit mehreren tausend Besuchern. Schon jetzt rüstet sich die Polizei auch für die Durchreise tausender Fans zur Fußball-EM ab 8. Juni in Polen und der Ukraine.

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