Der Tagesspiegel : 10. Ein Designer, der Blumen liebte

Als Kind lebte er keineswegs in Luxus, sondern wuchs in einem kleinen Dorf in der Champagne auf. Sein Vater war einfacher Handelsvertreter, zog mit der Familie allerdings 1862 nach Paris. Da war der Sohn zwei. Als Zwölfjähriger begann er eine Ausbildung zum Zeichner, und was er in der Metropole sah, schlug sich bald in seinen Blättern nieder: die üppigen, floralen Motive des Jugendstils an Häuserfassaden und Metrostationen. Ein Studium an der Ecole des Arts Décoratifs schloss sich an, und obgleich der Vater 1876 starb, bleibt dem jungen Mann Zeit für eine weitere Ausbildung in einem exklusiven Gewerbe. Ein längerer Aufenthalt in London bereinigt den Stil des aufstrebenden Designers und Künstlers dann in jene strengere Richtung, für die er später berühmt geworden ist. Zurück in Paris, hat er für seine Entwürfe bald mehrere Abnehmer, die sich für die eigenwilligen Kreationen begeistern. Doch dann übernimmt der erfolgreiche Unternehmer selbst eine Werkstatt. Er fertigt selbst und zettelt noch einmal eine kleine Revolution an, weil ihm die Vielgestaltigkeit der Objekte und Oberflächen wichtiger als ihre Kostbarkeit ist. Obwohl er sogar einfache Materialien verwendet, werden ihm seine kunstvollen Produkte aus den Händen gerissen. Er stirbt 1945. Begraben wurde er in Paris.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben