Der Tagesspiegel : "100 Jahre Kurfürstenquelle": Der älteste Brandenburger Kurort Bad Freienwalde feiert am Sonntag

Claus-Dieter Steyer

Kurfürst Friedrich Wilhelm nannte den Ort einen Gesundbrunnen, Theodor Fontane sprach von einer Bergstadt, während Autofahrer von heute mit dem Namen vor allem einen Stauschwerpunkt auf dem kürzesten Weg von Berlin nach Polen verbinden: Bad Freienwalde, rund 40 Kilometer nordöstlich Berlins gelegen. Die etwas unbekannte Kleinstadt am Rande des Oderbruchs feiert am morgigen Sonntag im historischen Kurviertel das dritte Brunnenfest, das in diesem Jahr einem besonderen Jubiläum gewidmet ist. Ein buntes Programm aus Information, Spaß und Unterhaltung soll an das 100-jährige Bestehen der Kurfürstenquelle erinnern. Die in jüngster Vergangenheit restaurierte steinerne Einfassung der Quelle symbolisiert wohl am ehesten die lange Tradition des Bade- und Kurwesens in dieser Gegend.

Vom ehemaligen Glanz des Kurviertels zeugt neben teilweise prachtvollen Villen vor allem das 1788 von Carl Gotthard Langhans, dem Erbauer des Brandenburger Tores, errichtete Logier- und Badehaus. Der königliche Hof aus Berlin stattete dem Gesundbrunnen regelmäßige Besuche ab. Seit einigen Jahren wird der Langhansbau renoviert und zum Kurmittelhaus und Veranstaltungszentrum umgestaltet. Aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammt das im neoklassizistischen Stil erbaute alte Kurhaus, das Schauplatz vieler Feste und Konzerte war. Der klassische Landschaftspark trägt die Züge des Garteningenieurs Peter Joseph Lenne, obwohl Neuanpflanzungen der vergangenen Jahre die ursprünglich beabsichtigte Weite des Parkes etwas stören. Das Kurviertel wird von erstaunlich hohen Hügeln umschlossen. Bis in die siebziger Jahre hinein fanden hier sogar noch Kreismeisterschaften im Skispringen statt. Aber das Ausbleiben schneereicher und langer Winter hat diese Tradition schon fast aus den Erinnerungen der Einwohner verdrängt.

Dabei ist der Straßenverkehr die größte Hürde bei der endgültigen Anerkennung von Bad Freienwalde als Kurort. Der vorläufige Status endet 2003. Bislang erhielt in Brandenburg nur Bad Saarow den dauerhaften Titel eines Kurortes. Doch die Geschäftsführerin der Freienwalder Kur- und Fremdenverkehrsgesellschaft, Margret Kaiser, ist optimistisch: "Wir finden zusammen mit dem Verkehrsministerium eine Lösung, auch wenn die große Umgehungsstraße bis dahin noch nicht zur Verfügung steht. Der Verkehr wird auf jedem Fall beruhigt."

Zum Brunnenfest erleben die Zuschauer unter anderem ein Duell zwischen dem Großen Kurfürsten und dem Kraftkünstler Rick von Elison, eine szenische Darstellung des "Froschkönigs", Kutschfahrten und Führungen durch die Klinik. Der Weg zum Kurviertel ist ausgeschildert, der Bahnhof (Regionalbahn aus Berlin über Eberswalde) liegt rund zwei Kilometer entfernt. Weitere Informationen unter Telefon 03344/3402.

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