11. Spieltag : Ein Herz für Hertha

Die Berliner gewinnen 2:0 gegen Bochum und profitieren von einem Eigentor des VfL. Nach vier Spielen ohne Sieg kam Hertha gegen einen harmlosen Gegner wieder zu einem Erfolgserlebnis.

Claus Vetter
Hertha
Botschaft an Ingrid. Herthas Stürmer Pantelic gratuliert nach seinem Treffer zum 2:0 seiner Tochter zum Geburtstag. -Foto: dpa

Berlin - Diesig, nasskalt und wenig freundlich war der Nachmittag im Berliner Olympiastadion. Zumindest eine halbe Stunde lang wurde auf dem Rasen auch der zum Wetter passende triste Fußball geboten – bis der Gegner von Hertha BSC ein Einsehen mit den 34 580 frierenden Zuschauern auf den halbleeren Rängen zu haben schien. Mit einem Eigentor löste Bochums Mannschaftskapitän Marcel Maltritz die Verkrampfung bei den Berlinern, die nach der geschenkten Führung schließlich nach vier Bundesligaspielen ohne Sieg wieder zu einem Erfolgserlebnis kamen: Als der Schlusspfiff vor der Saisonminuskulisse im Olympiastadion erklang, hatte Hertha 2:0 (2:0) gegen einen harmlosen Gegner gewonnen.

Es war keineswegs so, dass sie sich bei Hertha vor dem Spiel nicht des Ernstes der Lage bewusst gewesen wären. Mannschaftskapitän Arne Friedrich hatte gesagt: „Für uns zählt gegen Bochum nur ein Sieg, es sind nur noch ein paar Punkte nach unten.“ Genau gesagt waren es gestern vor dem Anpfiff vier Punkte, die Hertha in der Tabelle Vorsprung auf den Sechzehnten Bochum hatte. Und es sah dann fast eine halbe Stunde lang auch nicht so aus, als solle sich an diesem Vorsprung etwas zu Herthas Gunsten ändern, im Gegenteil: Die Bochumer waren zu Beginn die agilere Mannschaft.

Ernstzunehmende Torchancen gegen eine verunsicherte Berliner Mannschaft konnte sich der VfL allerdings auch nicht herausspielen. Hertha hatte dagegen mit einer sehr konservativen Variante des „Kick and rush“ ebenfalls keinen Erfolg: Ein halbes Dutzend Rückpässe landete bei Torwart Jaroslav Drobny, der die Bälle dann irgendwie nach vorne prügelte, wo sie zuverlässig bei einem Gegenspieler landeten. Im Berliner Spiel schlugen sich die von Trainer Lucien Favre vorgenommenen Umstellungen nicht positiv nieder. Friedrich hatte auf seiner geliebten Innenverteidigerposition neben Steve von Bergen beim Abspiel häufig Probleme, vor der Verteidigung war Mineiro – anstelle von Pal Dardai im Team – überfordert. Und hinter Angreifer Marko Pantelic unternahm der für den zuletzt blassen Brasilianer André Lima spielende Tobias Grahn einen sinnlosen Sololauf nach dem anderen. Wenn sich der Berliner Schwede endlich einmal vom Ball trennte, landete der stets beim Gegner.

Es erwies sich schließlich als probateres Mittel, den Gegner anzuschießen. Eine von Gilberto in den Strafraum geschlagene Flanke stolperte Maltritz an seinem verdutzten Torwart Jan Lastuvka vorbei ins eigene Tor. Die Vorlage des Berliner Brasilianers war wohl für den im Strafraum lauernden Pantelic gedacht. Egal, Hertha führte 1:0, das gab Selbstbewusstsein und da die Berliner gestern auch das Glück auf ihrer Seite hatten, stand es bald 2:0. Ein von Friedrich tief aus der eigenen Hälfte nach vorne getretener Ball fand in Pantelic einen Abnehmer. Im Bochumer Strafraum hämmerte der Serbe den Ball gekonnt ins Tor des Gegners.

Der etwas unvermittelt entstandene Vorsprung der Berliner frustrierte die Bochumer zusehends. In der zweiten Halbzeit konnten sie – trotz 5:1 Ecken – den Gegner nie ernsthaft in Bedrängnis bringen. Bei Hertha dagegen musste Gilberto nach einer guten Stunde angeschlagen den Platz verlassen, für den Brasilianer kam Lukasz Piszczek. Das Spiel wurde durch den harmlosen Polen auch nicht interessanter, allein das Endergebnis war schließlich aus Herthas Sicht erfreulich: Das 2:0 gegen Abstiegskandidat Bochum war für die Berliner der fünfte Sieg im elften Punktspiel – mehr Positives lässt sich über den gestrigen Auftritt der Berliner allerdings auch nicht sagen.