Der Tagesspiegel : 1100 Polizisten setzten Aufmarsch-Verbot in Halbe durch

Sicherheitskräfte riegelten den großen Soldatenfriedhof ab / 100 Rechtsextremisten und 500 linke Demonstranten versetzten das Dorf in Unruhe

Claus-Dieter Steyer

Halbe. Polizeisperren, Hubschrauberflüge, Kontrollen von Anhängern der rechten und der linken Szene, Festnahmen – das 600-Einwohner-Örtchen Halbe war am Volkstrauertag im Ausnahmezustand.

Obwohl der Aufmarsch der Neonazis verboten war, sprengte die Stärke der Polizeipräsenz um den größten deutschen Soldatenfriedhof alle bisherigen Maßstäbe: 1100 Beamte aus Brandenburg, Berlin und Thüringen patrouillierten auf den Zufahrtsstraßen, auf den Wegen zum Friedhof und sogar zwischen den unzähligen Gräbern. „Wir richteten uns nach der Anzahl der angekündigten Demonstranten“, sagte die zuständige Polizeipräsidentin Winfriede Schreiber. „Die Neonazis wollten hier mit 1000 Teilnehmern aufmarschieren, was aber bekanntlich das Bundesverfassungsgericht untersagte. Nun setzen wir das Verbot durch.“

Schon in den frühen Morgenstunden erwies sich das starke Aufgebot als richtig. Etwa 100 Angehörige der rechten Szene versuchten, auf das weitläufige Friedhofsgelände zu gelangen. Sie hätten nichts von dem erlassenen Verbot der Demonstration erfahren, erklärten die vorwiegend jungen Männer. Das erschien den Beamten allerdings wenig glaubhaft. Schließlich verbreiteten nicht nur Zeitungen und Rundfunksender die entsprechende Meldung aus Karlsruhe, sondern auch ein so genanntes Info-Telefon der rechten Szene – garniert mit Marschmusik und einer Hitler-Ansprache. Auf dem Friedhof, wo 22 000 Opfer der Halber Kesselschlacht vom April 1945 sowie 6000 Tote des sowjetischen Internierungslagers Ketschendorf bestatten worden sind, wollten die Neonazis unter der Losung „Ruhm und Ehre unseren Frontsoldaten“ aufmarschieren. Nicht verboten waren die Gegendemonstration verschiedener linker Gruppen. Etwa 500 Anhänger waren dem Aufruf gefolgt, zwei von ihnen wurden wegen „Mitnahme gefährlicher Gegenstände“ in Gewahrsam genommen. Zum Friedhof durften auch die linken Demonstranten nicht. Die Polizei gestattete nur eine Kundgebung an der Kirche.

„Ich bin froh, dass so viele junge Leute den Rechten die Stirn bieten wollten“, sagte die PDS-Kreisvorsitzende Karin Weber. Anwohner beschwerten sich allerdings über den Krach aus den Lautsprechern. Halbe mit seinem großen Leid sei gerade am Volkstrauertag nicht der richtige Ort für harte Klänge. Die DVU-Landesverbände aus Berlin und Brandenburg legten am großen steinernen Denkmal auf dem Friedhof Kränze wieder. Daneben lagen Schleifen mit „recht sonderbaren Inschriften“, wie es Landrat Martin Wille (SPD) formulierte. Unterzeichnet mit „Deutschlands Jugend“, hieß es beispielsweise: „Kein Wort und keine Tat geht verloren, alles bleibt und trägt Früchte.“ Auch verschiedene „Totenkopfkommandos“ und „Traditionsgemeinschaften von Kampfverbänden“ konnten ihre Kränze ablegen – unbehelligt von der Polizei.

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