2:2 gegen Weißrussland : EM-Test des DFB-Teams nicht bestanden

EM-Titelmitbewerber Deutschland hat zwölf Tage vor dem ersten Europameisterschafts-Spiel das erwartete Erfolgserlebnis verpasst. Beim 2:2 (2:0) gegen Weißrussland wurden Bundestrainer Joachim Löw vor allem die Defizite noch einmal deutlich aufgezeigt.

Marin
Marin gab in Kaiserslautern Gas. -Foto: dpa

KaiserslauternDas DFB-Team ging beim ersten Remis im Jahr 2008 durch ein Abseitstor von Miroslav Klose (10.) und ein Eigentor von Wladimir Korytko (20.) in Führung. Vitali Bulyga (61.) traf für die harmlosen Weißrussen und überwand Torwart Jens Lehmann nach 681 Länderspiel- Minuten erstmals wieder. In der 88. Minute erzielte Bulyga sogar noch den Ausgleich.

Vor 47.258 Zuschauern im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion zeigten sich einen Tag vor Löws endgültiger EM-Auslese alle Wackelkandidaten noch einmal engagiert. Die Entscheidung, wer an diesem Mittwoch das Ticket für die Endrunde in der Schweiz und Österreich bucht, wird der Bundestrainer erst am Mittwochmittag auf Mallorca bekannt geben.

Lehmann mit Superparaden

Wie erwartet lief noch nicht alles rund im deutschen Team. Die Abwehr stand gegen die vom ehemaligen DDR-Auswahltrainer Bernd Stange betreuten Weißrussen nicht immer sattelfest. Und auch die Nummer eins Jens Lehmann flatterte einige Male besorgniserregend, hielt aber später mit Superparaden den Sieg fest. Die mannschaftliche Geschlossenheit fehlte nach der bisherigen Vorbereitungszeit auf Mallorca noch. Spielzüge waren nur selten zu sehen. Die Akteure kämpften mehr mit ihrer eigenen Form.

Der Bundestrainer nutzte das vorletzte Testspiel zum Experimentieren. Seine Anfangsformation bestand aus neun Spielern, die bei der WM 2006 zum Stamm zählten. Ergänzt wurde die Elf von Thomas Hitzelsperger und David Odonkor. Hitzelsperger musste auf die für ihn ungewohnt linke Abwehrseite, weil der Schalker Heiko Westermann kurzfristig zu seiner schwangeren Frau abgereist war.

Helmes mit entscheidenden Vorteilen

Spanien-Legionär Odonkor stand ebenso unter Beboachtung wie die zur zweiten Halbzeit eingewechselten Jermaine Jones und Marko Marin, der als 17. Debütant in der Löw-Ära auflief. Später wurden Oliver Neuville, Patrick Helmes und Piotr Trochowski noch auf den Prüfstand gestellt. Dabei konnte lediglich Helmes keiner der Streichkandidaten sich entscheidende Vorteile verschaffen.

Der pfeilschnelle Odonkor zeigte auf der rechten Mittelfeldseite, was man seit der WM von ihm kennt: schnelle Vorstöße und scharfe Flanken. Eine führte zum Eigentor durch Korytko. Zum anderen offenbarte er auch seine Schwäche im Spiel nach hinten. Die beiden Zweitliga-Profis Helmes und Marin demonstrierten bei ihrem Eignungstests großen Mut und Risikobereitschaft.

Klose im Schatten von Podolski

Die deutsche Mannschaft setzte das taktische Konzept gegen den Gast von Beginn an um. Sie versuchte, schnell von Abwehr auf Angriff umzuschalten, und wurde früh belohnt. Nach starker Vorarbeit von Lukas Podolski ließ Klose dem Jenaer Torhüter Wassili Chomutowski keine Chance und erzielte das 39. Länderspieltor in seinem 75. Länderspiel. Damit rückte er als Siebter der ewigen DFB-Bestenliste bis auf vier Treffer an Legende Uwe Seeler heran.

Trotz des Tores stand der Ex-Lauterer Klose in seiner alten Heimat ein wenig im Schatten seines Bayern-Kollegen Podolski. Er war das belebende Element im deutschen Spiel. Dagegen benötigte Michael Ballack einige Zeit, ehe er das mit dem FC Chelsea verlorene Champions-League-Finale sechs Tage zuvor aus dem Kopf bekommen hatte und seinen Rhythmus fand. Eine Schrecksekunde erlebte Bundestrainer Löw in der 15. Minute, als der HSV-Profi Anton Putsilo den Münchener Bastian Schweinsteiger brutal legte. Nach kurzer Behandlung konnte Schweinsteiger weiterspielen, hielt sich aber zurück.

Defizite in der Abwehr

Trotz der schnellen sicheren Führung wurden auch Defizite beim EM- Favoriten vor allem in der Abwehr deutlich. Abwehrchef Christoph Metzelder wirkte nach langer Verletzungspause noch nicht frisch und war noch weit von der EM-Form entfernt. So fiel der Anschlusstreffer genau in der Schnittstelle in der zentralen Deckung. Auch beim zweiten Treffer sah Metzelder nicht glücklich aus. Hitzelsperger fühlte sich auf der linken Abwehrseite, wo er schon beim Confed-Cup 2005 gespielt hatte, sichtlich unwohl.

Für erschrockene Gesichter auf der Trainerbank sorgte allerdings Lehmann, der schon in der ersten Halbzeit in drei Situationen alles andere als souverän wirkte. Zunächst brachte ihn Philipp Lahn durch einen Rückpass in Bedrängnis, dann flog er unter Behinderung nach einer Flanke am Ball vorbei (24.). Drei Minuten später ließ er einen Schuss von Putsilo (27.) abklatschen und sorgte für ein Raunen im Publikum. Zu denen, die EM-Form bereits nachwiesen, zählten indes der souveräne Innenverteidiger Per Mertesacker und der kämpferische Torsten Frings sowie Podolski.

Die zweite Halbzeit machte Löw dann noch mehr zum persönlichen Ausscheidungsrennen. Jones und Länderspiel-Neuling Marin durften sich noch einmal zeigen. Im Angriff spielten die unmittelbaren Kontrahenten Neuville und Helmes um den fünf Platz im EM-Sturm sogar gemeinsam vor. Und auch Trochowski setzte noch einige Akzente.(sba/dpa)