Der Tagesspiegel : 2. Ein Komponist, der an die Tantiemen dachte

Selbstverständlich hatte er Verständnis für jene, die sich den Luxus nicht leisten konnten, seine Partituren in der monumentalen Originalbesetzung aufzuführen. Also fertigte er autorisierte Sparversionen für kleine Stadttheater an - wäre ja auch verrückt gewesen, sich aus kleinlichem Komponistenstolz die Tantiemen durch die Lappen gehen zu lassen. Mit den Einnahmen, die ihm seine erste Erfolgsoper - ein Erotikschocker - einbrachten, baute er sich eine Villa auf dem Lande, zeitweilig residierte er herrschaftlich im feinen Berliner Westend. So raffiniert, so verschwenderisch üppig, so luxuriös-schillernd wie er vermochte keiner den modernen Orchesterapparat zu handhaben. Er selber wusste das am besten, und tendierte nach seinen revolutionären frühen Werken auch bald zur eitlen Selbstbespiegelung, richtete sich in der wohlhabenden bürgerlichen Welt ein, lieferte Behagliches, war aus Bequemlichkeit schließlich sogar dem NS-Staat zu Diensten. Ein Problem reicher Leute kannte der geschäftige Komponist übrigens nicht: Für ihn war es nie ein Problem, gutes Personal zu erfinden. In seiner besten Oper spielen gleich fünf Mägde mit.

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