200 Meter : Wieder Weltrekord: Usain Bolt überholt sogar Michael Johnson

Usain Bolt gewinnt souverän auch den 200-Meter-Lauf. Der Jamaikaner siegt in 19,30 Sekunden wie über 100 Meter in Weltrekordzeit und verbessert die Marke des Amerikaners Michael Johnson von 1996 um zwei Hundertstelsekunden.

Friedhard Teuffel[Peking]
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Jubel-Weltrekord. Usain Bolt feiert.Foto: AFP

Auf diesen Rekord hatte es Usain Bolt abgesehen. Deshalb rannte er diesmal bis zur Ziellinie durch und bremste nicht ab wie noch am Samstag, als er das Finale über 100 Meter in Weltbestzeit von 9,69 Sekunden gewonnen hatte. Deshalb wirkte er auch durchaus angestrengt mit kräftiger Atmung, als er über die Bahn des Pekinger Nationalstadions jagte. Der Jamaikaner hat sich den Weltrekord über 200 Meter geholt, oder vielmehr sich ihn gekrallt, ihn weggerissen, einen Rekord, der eigentlich für eine halbe Ewigkeit aufgestellt zu sein schien, von Michael Johnson 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta.

Usain Bolt ist mit der um zwei Hundertstelsekunden verbesserten Zeit von 19,30 Sekunden allerdings auch direkt neuen Verdächtigungen in die Arme gelaufen. Nach einem unglaublichen Sieg über 100 nun ein unglaublicher Sieg über 200 Meter. Am Donnerstag feiert Bolt seinen 22. Geburtstag, dann findet auch die Siegehrung statt, und gut möglich, dass man nie erfahren wird, ob Bolt diese Ehre tatsächlich verdient hat.

Schon Johnsons Weltrekord stand unter Doping-Verdacht

Während der Weltrekord über 100 Meter in den vergangenen Jahren immer wieder einmal um Hundertstel nach unten sackte, stand Johnsons Rekord sicher und fest und ohne zu wackeln. Das hatte schon Johnson verdächtig gemacht. Indizien? Nachdem er 2000 in Sydney mit der 4x400-Meter-Staffel der USA gewonnen hatte, wurden später alle Läufer dieser Staffel des Dopings überführt. Nur er nicht, ausgerechnet der Schnellste nicht. Auch sein Weltrekord über 400 Meter hat nach wie vor Bestand. Johnson hat auch in Peking wieder beteuert, nie gedopt zu haben, unter anderem auch bei Johannes B. Kerner im ZDF.

Johnson war noch ein außergewöhnliches Talent zugeschrieben worden, wegen seines außergewöhnlichen Laufstils. Er rannte mit kurzen Schritten, was auch als „Nähmaschinenstil" bezeichnet wurde. Ist es nun auch wieder der Stil, der alles ausmacht? Schon seit Jahren wird über die Begabung gesprochen, die Bolt zum Laufen hat. Er wirkt lockerer als seine Konkurrenten, er macht vor dem Start Faxen, kämmt sich mit den Händen durch seine Haare, obwohl die raspelkurz sind und sprintet dann los, als ginge es um ein Wettrennen von Jungs zum nächsten Kaugummiautomaten.

Die anderen um sechs Meter abgehängt

Usain Bolt überragt seine Konkurrenten deutlich, 1,96 Meter ist er groß. „Wenn er einen Schritt macht, brauche ich eineinhalb", sagte Kim Collins, der 2003 Weltmeister über 100 Meter geworden war und im gestrigen Rennen Platz sieben belegte. Er wollte sich noch einen kleinen Teil an diesem neuen Weltrekord gutschreiben: „Wir haben ihn ganz schön gepusht."

Davon war am Ende allerdings nichts mehr zu sehen. Churandy Martina von den Niederländischen Antillen und der US-Amerikaner Walter Spearman kamen zwar als Zweiter und Dritter ins Ziel, wurden jedoch beide nach dem Rennen wegen Verlassens der Bahn disqualifiziert. Bolt hatte sie um etwa sechs Meter abgehängt. So durften sich letztlich Shawn Crawford und Walter Dix (beide aus den USA) über die weiteren Medaillen freuen - mit fast sieben Zehnteln Rückstand auf den Sieger.

Ist es denn tatsächlich möglich, so schnell zu rennen? „Wir haben es doch alle gesehen", sagte Collins. Und was ist mit dem Dopingverdacht. „Ist doch ganz natürlich, jemand zu verdächtigen", sagte Collins und schaute die fragenden Reporter an, „wenn Sie schneller laufen als ich, verdächtige ich Sie auch." Offenbar haben sich die Sprinter daran gewöhnt, mit dem Misstrauen zu leben. Langsamer werden sie dadurch nicht.