2007.07.06 Neuss : Ganz Großbritannien schaut auf Hamilton

Lewis Hamilton, Führender der Formel-1-WM, steht bei seinem "Heim"-Grand-Prix im englischen Silverstone unter einem ganz besonderen Druck. Die wieder erstarkten Ferrari wollen ihm einen Strich durch die Rechnung machen.

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Lewis Hamilton steht beim Heimrennen unter Druck

Großbritannien ist im Formel-1-Fieber. Nach dem sensationellen Saisonstart von Newcomer Lewis Hamilton träumt man auf der Insel von einem Heimsieg des WM-Führenden vor heimischer Kulisse in Silverstone am Sonntag (14.00 Uhr). Allerdings will Ferrari dem Wunderkind im McLaren-Mercedes das Heimspiel gründlich vermiesen. Nach dem Doppelsieg der Roten in Magny-Cours sollen die Silberpfeile nun auch beim Großen Preis von Großbritannien das Nachsehen haben. "Wenn wir alle neuesten Entwicklungen an die Strecke bringen, müsste Ferrari noch konkurrenzfähiger sein als in Magny-Cours", sagt Frankreich-Sieger Kimi Räikkönen.

Bei McLaren-Mercedes lässt man sich vom Selbstbewusstsein des Finnen in italienischen Diensten nicht schrecken. "Wir haben Ferrari in Magny-Cours geschmeichelt", sagt McLaren-Chef Ron Dennis. Zwar erkennt der Brite an, dass "sie gute Arbeit geleistet und das Auto womöglich ein wenig verbessert haben". Dennoch steht für ihn fest: "Wir haben sie besser aussehen lassen als sie wirklich waren." Das wolle man nun in Silverstone unter Beweis stellen.

Euphorie kennt keine Grenzen

Die britischen Fans sind ohnehin sicher, dass an Hamilton kein Weg vorbeiführt. Seit Wochen sind die mehr als 100.000 Tickets vergriffen. Die Euphorie um den besten Rookie in der Geschichte der Formel 1 kennt keine Grenzen.

Daran änderte auch Hamiltons dritter Platz in Magny-Cours nichts, zumal der 22-Jährige die Führung in der WM-Wertung auf den Teamkollegen und Doppelweltmeister Fernando Alonso aus Spanien auf 14 Punkte aufstocken konnte. "Ich freue mich wahnsinnig auf Silverstone", sagt Hamilton, obwohl ihm die Hysterie um seine Person langsam unheimlich wird.

Wenn es nach seinen Landsleuten geht, steht der Senkrechtstarter bereits als kommender Champion fest - nicht nur in dieser Saison. Selbst Red-Bull-Konkurrent David Coulthard verneigt sich vor dem neuen Liebling der Nation. "Lewis hat Sennas Aggressivität und Prosts Konstanz. Er wird nächstes Jahr ein noch kompletterer Fahrer sein, ganz sicher. Und in fünf, zehn Jahren wird er als Persönlichkeit abseits der Strecke gewachsen sein und dadurch noch besser werden."

Immerhin hat Coulthard im Gegensatz zu Teamchef Frank Williams erkannt, dass Hamilton auch nur aus Fleisch und Blut ist: "So gut er auch sein mag, er hat keine Superkräfte, sondern ist genauso nur ein Mensch wie der Rest von uns." Williams dagegen hatte verraten, er komme im Hinblick auf Hamilton ins Grübeln, ob es nicht doch einen Gott gebe.

Ferrari kann die Hysterie um den britischen Jungstar nur recht sein, der mittlerweile auch die Schattenseite des Ruhms zu spüren bekommt. Die lungernden Reporter vor seinem Haus lassen ihn darüber nachdenken, seinen Wohnsitz ins Ausland zu verlegen. Die beiden Ferrari-Piloten Räikkönen und Felipe Massa jedenfalls können sich in der "Hamilton-Mania" umso besser auf ihre Aufholjagd konzentrieren.

Der Doppelsieg in Magny-Cours macht dem Team das Leben leichter, "weil wir wissen, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen", sagt Räikkönen, der mit 42 Punkten gemeinsam mit seinem brasilianischen Teamkollegen Massa (47) in der WM-Wertung näher an Silverstone-Vorjahressieger Alonso (50) herangerückt ist. Zuversichtlich stimmt Räikkönen auch, dass er seit 2003 beim Großen Preis von Großbritannien immer auf dem Podium stand.