2007.07.08 Neuss : Stepney weist Spionage-Vorwürfe zurück

Der ehemalige Ferrari-Chefmechaniker Nigel Stepney hat sämtliche Vorwürfe im Zuge der Formel-1-Spionageaffäre abgestritten. "Ich weiß, wo die Leichen im Keller liegen", sagte der 48-Jährige.

tr
Nigel Stepney wehrt sich

Der frühere Ferrari-Chefmechaniker Nigel Stepney hat sich gegen die Vorwürfe im Zuge der Formel-1-Spionageaffäre gewehrt. "Ich weiß, wo die Leichen im Keller liegen", sagte der 48-Jährige der Sunday Times und verwies auf seine 14-jährige Tätigkeit beim italienischen Rennstall, in der es zu zahlreichen Kontroversen gekommen sei. Zugleich kündigte er an, sein Ex-Team wegen der seiner Meinung nach unbegründeten fristlosen Kündigung verklagen zu wollen.

Stepney ergänzte, er sei zum 'Prügelknaben' gemacht worden: "Ich habe nichts getan. Ich bin reingelegt worden." Weiter berichtete er von Beschattungen und wilden Verfolgungsjagden, die ihn zur Flucht aus Italien veranlasst hätten. Journalisten seien die Verfolger seiner Meinung nach nicht gewesen. An seinem Auto sei sogar ein Ortungs-Instrument montiert worden, sagte er dem Guardian. Von Ferrari war bisher keine Stellungnahme zu bekommen.

Dem Briten wird von seinem ehemaligen Rennstall vorgeworfen, die beiden Ferrari vor dem Großen Preis von Monaco in Monte Carlo Ende Mai mit einem mysteriösen weißen Pulver manipuliert und zudem ein umfangreiches Dossier über den aktuellen F2007 seinem langjährigen Vertrauten, dem ehemaligen McLaren-Chefdesigner Mike Coughlan, zugespielt zu haben. "Ich habe keine Ahnung, wie er an die Dokumente gekommen ist. Das muss aus einer anderen Quelle kommen", sagte Stepney dem Observer.

Zudem sei er von Ferraris Technischem Direktor Mario Almondo beschuldigt worden, "einige Zeichnungen genommen zu haben". Diese habe er jedoch legal besessen, da er sie für Arbeiten am Simulator benötigt habe: "Ich nahm die Papiere und habe sie auf Almondos Schreibtisch geworfen. Am nächsten Tag lagen sie wieder auf meinem."

Stepney räumt Treffen ein

Stepney räumte ein, dass er sich Ende April mit Coughlan in Spanien getroffen habe, bezeichnete die Zusammenkunft aber als 'Treffen alter Freunde'. Mike Gascoigne, Technischer Direktor bei Spyker, könne dies bezeugen. Zudem habe es am 1. Juni im Londoner Heathrow-Hotel ein Treffen mit dem Honda-Teamchef Nick Fry gegeben, um die Möglichkeit einer Mitarbeit auzuloten. Bei Ferrari sei es unerträglich für ihn geworden, nachdem er Teamchef Jean Todt gebeten habe, ihn von Reisen freizustellen. Ferrari sei in Italien "eine Religion, und wenn man etwas gegen sie sagt, ist es, als sage man etwas gegen den Vatikan".

Stepneys Anwältin Sonia Bartolini kündigte unterdessen an, gegen Ferrari vorzugehen. "Das kann so nicht stehenbleiben", sagte sie. Stepneys Haus war zuletzt zweimal durchsucht worden, dabei wurden Dokumente und Computerdaten sichergestellt. Ferrari hatte Stepney kürzlich fristlos gekündigt.

Weltverbands-Chef Max Mosley hofft derweil, die Affäre, die er 'sehr ernst' nehme, möglichst binnen 'drei Wochen' aufklären zu können. Zugleich bestätigte er, Sanktionen seien auch in der Fahrerwertung möglich. "Nur in sehr außergewöhnlichen Umständen unterscheidet sich die Bestrafung eines Teams von der eines Fahrers", sagte der Brite.

Sowohl in der Konstrukteurs- als auch in der Fahrer-WM seien demnach Punktabzüge denkbar, sollte sich herausstellen, dass McLaren-Mercedes von der Weitergabe vertraulicher Informationen profitiert hat. Der Rennstall streitet ab, diese verwendet zu haben, und forderte die FIA auf, seine Autos eingehend zu untersuchen.

Dass Honda ebenfalls Teil der Ermittlungen wird, schloss Mosley derweil aus. "Es besteht kein Verdacht, dass Honda in irgendeiner Weise in die Machenschaften verwickelt ist", sagte er.