2007.07.21 Neuss : Hamilton verunglückt, Räikkönen auf der Pole

Beim Qualifying zum Großen Preis von Europa ist der WM-Führende Lewis Hamilton mit hoher Geschwindigkeit in einen Reifenstapel gekracht, blieb aber unverletzt. Die Pole holte sich Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen.

janat1
Schwerer Crash von Lewis Hamilton

Ein schwerer Unfall hat Formel-1-Überflieger Lewis Hamilton auf dem Nürburgring um ein Haar aus allen WM-Träumen gerissen. Der WM-Spitzenreiter verlor im Qualifying zum Großen Preis von Europa (Sonntag 14.00 Uhr/live bei Premiere und RTL) mit mehr als 200 km/h wegen eines Reifenschadens im künftigen Schumacher-S die Kontrolle über seinen McLaren-Mercedes. Danach flog der "Silberpfeil" regelrecht über ein Kiesbett und krachte in spitzem Winkel nahezu ungebremst in die Reifenstapel.

Entscheidung über Rennstart erst am Sonntagmorgen

Dabei blieb der Brite allerdings völlig unverletzt, wie eine Untersuchung im Bundeswehr-Krankenhaus in Koblenz am Nachmittag ergab. Die Entscheidung, ob Hamilton im Rennen starten darf, fällt aber erst am Sonntagmorgen. Um 9.30 Uhr muss er bei Gary Hartstein, dem Arzt des Automobil-Weltverbandes FIA, zu einer abschließenden Untersuchung erscheinen, bevor er grünes Licht für den Start bekommt. Hamilton selbst, der auf Startplatz zehn stünde, fühlt sich aber fit genug: "Ich habe absolut keine Schmerzen und bin soweit okay."

Damit bestätigten sich die ersten Eindrücke seines Teams nach dem Unfall. "Ich habe mit Lewis gesprochen, er hat mir gesagt, dass er okay ist, nur das ist heute wichtig", sagte der erleichterte Mercedes-Sportchef Norbert Haug nach quälenden Minuten der Ungewissheit.

Hamilton war nach einer ersten Untersuchung im Medical Center an der Rennstrecke sicherheitshalber noch für eine Computer-Tomographie ins Krankenhaus gebracht worden. Bei ihm waren sein Vater Anthony und ein Physiotherapeut.

Auch Rekord-Weltmeister Michael Schumacher, der bei einem ähnlichen Unfall 1999 in Silverstone einen doppelten Beinbruch erlitten hatte und sechs Rennen pausieren musste, war direkt nach dem Unfall vor Ort geschockt. "Ich kann nur hoffen, dass Lewis nichts Schlimmes passiert ist", sagte der Ferrari-Berater.

Räikkönen vor Alonso

Hamiltons Unfall trübte auch Schumachers Freude über die Pole Position seines Nachfolgers Kimi Räikkönen. Der Finne, nach Siegen zuletzt in Magny-Cours und Silverstone der Mann der Stunde, verwies Weltmeister Fernando Alonso (Spanien) im zweiten "Silberpfeil" mit rund drei Zehntelsekunden Vorsprung auf den zweiten Platz.

Minutenlang war Hamilton von den Ärzten am Unfallort betreut worden, bevor er dann im Krankenwagen zunächst ins Medical Center gefahren wurde. Noch auf der Trage liegend winkte der Brite den Fans zu und streckte den rechten Daumen nach oben, um zu signalisieren, dass er keine ernsthaften Verletzungen erlitten habe.

Das drohende Unheil deuteten Live-Bilder aus der Inboard-Kamera aus Hamiltons Boliden fünf Minuten vor Ende des Qualifyings an. Plötzlich stieg Qualm vom rechten Vorderrad auf, dann ging alles blitzschnell: Der Reifen knickte weg, der Fahrer war nur noch Passagier. Auslöser war nach Teamangaben, dass wegen eines Problems mit dem Schlagschrauber die Radmutter nicht richtig festgezogen war. Die Zeitenjagd wurde sofort unterbrochen und nach 33 Minuten wieder fortgesetzt.

Heidfeld bester Deutscher auf Rang vier

Bester der insgesamt fünf deutschen Piloten, war Nick Heidfeld (Mönchengladbach), der am Samstag zum zweiten Mal Vater geworden war und im BMW-Sauber hinter dem Brasilianer Felipe Massa im Ferrari den vierten Rang belegte. Ralf Schumacher schaffte im Toyota auf Platz neun den Sprung in die Top Ten.

Nico Rosberg (Wiesbaden) verpasste die dritte und letzte Runde der Qualifikation um 12 Hundertstelsekunden und belegte im Williams-Toyota den 11. Platz. Einiges Lehrgeld musste Markus Winkelhock bei seiner Formel-1-Premiere zahlen. Der 27-Jährige, der bei Spyker-Ferrari für den gefeuerten Christijan Albers (Niederlande) am Start ist, belegte den 22. und damit letzten Platz. Dabei war er rund 1,4 Sekunden langsamer als sein deutscher Teamkollege Adrian Sutil (Gräfelfing) auf Rang 21.

Ralf Schumacher glaubt trotz sportlicher Talfahrt fest an eine Zukunft in der Formel 1. Es gäbe verschiedene Rennställe, die ihre Fahrersituation nicht geklärt hätten. Und mit diesen Teams stehe man in Kontakt, sagte der Toyota-Pilot im Interview mit der Stuttgarter Zeitung. Einen genauen Zeitplan habe er aber nicht, Priorität habe sein derzeitiger Arbeitgeber: "Ich glaube nach wie vor fest daran, dass man mit Toyota etwas erreichen kann."

Es gehe langsam bergauf mit Toyota, sagt "Schumi II", dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft. Die Japaner sind im sechsten Jahr in der Formel 1 - und warten noch immer auf den ersten Sieg. "Wir haben uns extrem unter Wert geschlagen und müssen jetzt sehr hart daran arbeiten, dass sich das ändert", meint der 32-Jährige.