2007.08.05 Neuss : Mercedes-Pilot Hamilton setzt sich in Ungarn durch

McLaren-Mercedes-Pilot Lewis Hamilton hat beim Großen Preis von Ungarn seine Führung verteidigt und den dritten Sieg seiner Karriere eingefahren. Zweiter wurde Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen vor Nick Heidfeld im BMW.

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Lewis Hamilton jubelt in Ungarn

Youngster Lewis Hamilton hat den Großen Preis von Ungarn gewonnen und durch seinen dritten Saisonsieg auch die Führung in der Gesamtwertung der Formel-1-WM 2007 ausgebaut. Zwei Wochen nach seiner ersten Nullnummer in der "Königsklasse" meldete sich das britische Wunderkind eindrucksvoll zurück, nachdem der McLaren-Mercedes-Pilot im Qualifying noch von Weltmeister Alonso behindert worden war.

Der Spanier, der vom ersten auf den sechsten Startplatz zurückversetzt worden war, belegte beim elften von 17 WM-Läufen den vierten Rang und hat im Gesamtklassement mit 73 Punkten wieder sieben Zähler Rückstand auf Hamilton (80). Der hatte in Budapest trotz aller teaminternen Aufregung die Nerven behalten und "Iceman" Kimi Räikkönen im Ferrari mit 0,7 Sekunden Vorsprung auf Platz zwei verwiesen. Der Finne ist mit 60 Punkten jetzt WM-Dritter vor seinem Teamkollegen Felipe Massa (Brasilien/59), der als 13. leer ausging.

"Das war ein ereignisreiches Wochenende mit vielen Emotionen und Aufregungen", sagte Hamilton: "Kimi war mir lange auf den Fersen, ich musste bis zum Ende dranbleiben. Nach dem letzten Rennen war es schön, wieder oben zu sein." Für McLaren-Teamchef Ron Dennis war es nach den ganzen Diskussionen trotz des Sieges "kein wirklich tolles Wochenende: Aber unsere Fahrer sind wirklich gut gefahren. Mit den meisten Dingen bin ich zufrieden." Alonso meinte: "Letztes Jahr hat es auch ein paar komische Entscheidungen gegeben, und am Ende ist der richtige Weltmeister geworden."

Räikkönen fand es dagegen fast schon langweilig, immer hinter Hamilton zu fahren und zu warten, dass der einen Fehler macht: "Ich habe versucht, ihn in einen Fehler zu treiben, aber das hat leider nicht geklappt."

Heidfeld als bester Deutscher auf dem Podest

Nick Heidfeld im BMW-Sauber kam nach einer Drei-Stopp-Strategie wie 2006 in Budapest als Dritter aufs Podest. Heidfeld kam nach einer Drei-Stopp-Strategie wie 2006 in Budapest als Dritter aufs Podest. "Fernando war am Ende eigentlich überall schneller als ich. Das Problem war aber nur die letzte Kurve. Da musste ich ihn hinter mir halten", sagte der 30-Jährige. Teamkollege Robert Kubica (Polen) rundete den BMW-Tag auf Platz sechs ab. Kein Wunder, dass BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen mehr als zufrieden war: "Das ist ein tolles Ergebnis für uns. Zehn Punkte für das Team, so viele haben wir noch nie geholt."

Gemeinsam mit dem Mönchengladbacher, der wohl in der dreiwöchigen Sommerpause bis zum Türkei-GP am 26. August seinen Vertrag verlängern wird, sorgten der Kerpener Ralf Schumacher im Toyota mit seinem besten Saisonresultat auf Rang sechs sowie der Wiesbadener Nico Rosberg im Williams-Toyota als Siebter für das beste deutsche "Mannschaftsergebnis" des Jahres. "Dieses Resultat haben wir gebraucht, das war ein Schritt in die richtige Richtung", sagte Ralf Schumacher.

Das rundete Sebastian Vettel (Heppenheim) mit Platz 16 bei seinem Debüt im Toro-Rosso-Ferrari ab, bei dem er sogar die Honda-Werkspiloten Jenson Button (Großbritannien) und Rubens Barrichello (Brasilien) in den Schatten stellte. Auch Adrian Sutil (Gräfelfing) landete im schwer zu fahrenden Spyker-Ferrari als 17. noch vor "Rubinho".

Räikkönen zieht an Heidfeld vorbei

Beim Start hatte Hamilton den ersten Platz behauptet, Räikkönen schlüpfte an Heidfeld vorbei auf Rang zwei. Hinter "Quick Nick" reihten sich Rosberg und Schumacher ein. Alonso verlor sogar noch zwei Plätze und musste sich danach mühsam wieder nach vorne kämpfen. Dabei war bis zu Alonsos erstem Stopp in Runde 17 hinter Schumacher auf Rang sechs zunächst Endstation. Der Kerpener kam nach seinem Reifenwechsel eine Runde später aber wieder vor Alonso auf die Strecke zurück. Hamilton blieb später beim Stopp auch vor Räikkönen.

Seinen zweiten Reifenwechsel absolvierte der Finne in Runde 46 vier Runden früher als Hamilton. Der 22-Jährige Brite wurde von seinem Team schneller abgefertigt als Räikkönen und behauptete seine Spitzenposition. Alonso schob sich unterdessen beim Boxenstopp an Schumacher vorbei und rettete zumindest Position vier. In der Schlussphase versuchte er noch, Heidfeld anzugreifen, kam aber an "Quick Nick" nicht mehr vorbei.

Für den größten Aufreger hatten die "Silberpfeile" aber bereits am Samstag im Qualifying gesorgt, als der Krieg der Sterne in eine neue Runde ging. Alonso zögerte seinen letzten Boxenstopp so lange hinaus, dass der hinter ihm wartende Hamilton seine letzte schnelle Runde nicht mehr rechtzeitig antreten konnte und Alonso ihm noch die Pole entriss. Danach mussten Dennis und Alonsos Physiotherapeut die beiden Hitzköpfe sogar vor einer handgreiflichen Auseinandersetzung bewahren.

Keine Punkte für McLaren-Mercedes in der Konstrukteurswertung

Zur Geisterstunde präsentierten die Renn-Kommissare dem Weltmeister und seinem Team die bittere Pille. Strafversetzung für den Spanier auf Rang sechs, keine Punkte für den Rennstall. Dem FIA-Urteil waren mehrstündige Beratungen vorausgegangen. "Die Stewards befinden, dass Alonso unnötig einen anderen Fahrer behindert hat", hieß es in der Begründung. Das Team wurde bestraft, weil die Kommissare "die Aktionen des Teams in den finalen Minuten der Qualifikation als schädlich für das Interesse des Wettbewerbs und des Motorsports" ansahen.

McLaren-Mercedes legte Einspruch ein. Die Verhandlung vor dem Berufungsgericht wird nach Angaben einer FIA-Sprecherin erst in den nächsten Wochen stattfinden. Ein Protest gegen den Rennausgang von Budapest sei nicht möglich, der Einspruch richte sich deshalb nur gegen den Punktabzug in der Marken-WM.

Laut Haug soll der Protest aber zurückgezogen werden: "Meine Position ist ganz klar, dass wir uns damit abfinden sollten", sagte der Mercedes-Sportchef nach dem Rennen bei Premiere: "Wir sollten stark genug sein, uns mit dem Vorsprung zum Titel durchzuhangeln."