2007.09.09 Neuss : Alonso führt McLaren-Mercedes zum Doppelsieg

McLaren-Mercedes hat beim Großen Preis von Italien in Monza einen Doppelsieg gefeiert. Fernando Alonso verwies seinen Teamkollegen Lewis Hamilton auf den zweiten Rang. Dritter wurde Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen.

jsor2
Fernando Alonso siegt in Monza

Titelverteidiger Fernando Alonso und Teamkollege Lewis Hamilton haben McLaren-Mercedes beim Großen Preis von Italien in Monza einen Doppelsieg beschert. Dritter wurde Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen aus Finnland vor dem Mönchengladbacher Nick Heidfeld im BMW-Sauber. Weltmeister Alonso feierte vor mehr als 120.000 Zuschauern seinen vierten Saisonerfolg und verkürzte damit den Rückstand auf seinen in der WM-Wertung weiterhin führenden McLaren-Mercedes-Teamkollegen Hamilton auf nur drei Punkte.

Der Triumph löste vor allem bei dem sonst immer so unterkühlt wirkenden McLaren-Teamchef Ron Dennis bislang ungekannte Emotionen aus. Der wegen der Spionage-Affäre in der Kritik stehende Engländer fiel seiner Frau mit Tränen in den Augen in die Arme.

Alonso: "Alles läuft in die richtige Richtung"

Für Alonso, der laut spanischer Medien vor einer Rückkehr zu Renault stehen soll, war es nach eigenen Angaben ein perfektes Wochenende. "Das ganze Team stand enorm unter Druck. Dann hier das erste Mal zu gewinnen - das ist für mich schon etwas ganz Besonderes", sagte der Spanier. Auf seine Titelchancen angesprochen, meinte Alonso selbstbewusst: "Alles läuft in die richtige Richtung."

Auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug war angesichts der vielen Skandale die Erleichterung deutlich anzumerken: "Die beste Antwort ist immer die auf der Strecke." Für Hamilton war der zweite Rang wie ein Sieg: "Das waren wichtige Punkte für mich, darüber bin ich sehr glücklich."

Ferrari stand bei der Silberpfeil-Gala auf verlorenem Posten. Der Finne Kimi Räikkönen schaffte zwar als Dritter den Sprungs aufs Treppchen, doch den Traum vom WM-Titel wird sich der "Iceman" in dieser Saison wohl kaum erfüllen können. Bei vier noch ausstehenden Rennen liegt Räikkönen bereits 18 Punkte hinter Hamilton zurück.

BMW-Sauber im Doppelpack auf vier und fünf

Freude dagegen bei BMW-Sauber: Der Mönchengladbacher Nick Heidfeld war als Vierter einmal mehr "Best of the Rest", Rang fünf eroberte sein Teamkollege Robert Kubica (Polen). Auch Nico Rosberg (Wiesbaden) war zufrieden, der Williams-Toyota-Pilot wurde für eine starke Vorstellung mit Platz sechs und drei WM-Punkten belohnt.

Für Ralf Schumacher gab es nichts zu holen, Position 15 war für den Toyota-Piloten wieder eine bittere Niederlage. Sebastian Vettel (Heppenheim) wurde im Toro Rosso 18., Adrian Sutil (Gräfelfing) landete im Spyker-Ferrari einen Platz dahinter.

Aus für Massa nach zehn Runden

Schon nach zehn Runden mussten die Tifosi einen herben Dämpfer hinnehmen. Der Brasilianer Felipe Massa stellte seinen roten Renner mit einem technischen Defekt in der Box ab. Zu diesem Zeitpunkt war Massa auf Platz drei fahrend der Hoffnungsträger der Ferrari-Fans. Das Rennende erlebten viele Zuschauer gar nicht mehr mit. Während die Silberpfeile in einer eigenen Liga fuhren, rollten die Tifosi ihre Fahnen enttäuscht ein und machten sich vorzeitig auf den Heimweg.

Auf der Rennstrecke rast McLaren-Mercedes den Rivalen auf und davon, dafür droht dem Team am grünen Tisch eine Vollbremsung. Der englisch-deutsche Rennstall muss sich wegen der Spionage-Affäre am Donnerstag in der Berufungsverhandlung vor dem World Council des Automobil-Weltverbandes FIA in Paris erneut verantworten.

In erster Instanz war McLaren-Mercedes freigesprochen worden - allerdings auf Bewährung. FIA-Präsident Max Mosley hatte mit ernsten Konsequenzen gedroht, falls dem Team ein Betrug nachgewiesen werden könne. Den Silberpfeilen droht schlimmstenfalls der WM-Ausschluss für diese Saison und für 2008.

Safety-Car-Phase bringt Ruhe ins Feld

Gleich nach dem Start musste Heidfeld seinen im Qualifying eroberten vierten Platz an Räikkönen abgeben. Der Finne schloss zu seinem Ferrari-Teamkollegen Massa auf, der Hamilton im Silberpfeil zunächst unter Druck setzte, aber nicht vorbeikam.

Eine Safety-Car-Phase nach einem Unfall von David Coulthard im Red Bull sorgte danach vorerst für Ruhe im Feld. Der Schotte hatte Renault-Pilot Giancarlo Fisichella berührt, dabei den Flügel seines Autos beschädigt und war über ein Kiesbett in die Streckenbegrenzung gerutscht. Coulthard stieg unverletzt aus dem Cockpit.

Vettel im Pech

Pech hatte zuvor der deutsche Youngster Vettel, der sich im Gedränge ebenfalls den Frontflügel abgefahren hatte und durch seinen unplanmäßigen Boxenstopp zunächst auf den letzten Rang zurückgefallen war.

Das nach Massas Ausfall verbliebene Spitzentrio Alonso, Hamilton und Räikkönen konnte planmäßig seine ersten Stopps absolvieren. Als erster kam Hamilton auch zu seinem zweiten Halt in der 40. Runde in die Box und reihte sich zunächst hinter seinem Teamrivalen Alonso und Räikkönen ein.

In der 42. Runde setzte Hamilton zu einem gewagten Überholmanöver gegen Räikkönen an und zog an dem Finnen vorbei. Unterdessen absolvierte Alonso gerade seinen zweiten Boxenstopp und kam vor dem WM-Führenden Hamilton wieder auf die Strecke. Danach fuhren die Silberpfeile den Doppelsieg locker nach Hause.