2007.09.14 Neuss : Klares Bekenntnis von Mercedes zur Formel 1

Glaubt man Mercedes-Sportchef Norbert Haug, sind der Rückzug aus der Formel 1 und eine Trennung von McLaren kein Thema. "Wir stehen nach wie vor zu unserem Partner McLaren und zur Formel 1", erklärte der 54-Jährige.

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Klares Bekenntnis von Mercedes-Sportchef Norbert Haug

Mercedes hält seinem Partner McLaren und der Formel 1 auch in schwierigen Stunden die Treue. "Wir stehen nach wie vor zu unserem Partner McLaren und zur Formel 1", bekannte Mercedes-Sportchef Norbert Haug am Tag nach dem Urteil des Automobil-Weltverbandes FIA in Spa dem Sport-Informations-Dienst (sid). Eine Trennung vom britischen Traditionsrennstall oder sogar ein Rückzug aus der Formel 1 ist bei Mercedes kein Thema.

Einen Imageschaden durch die Verurteilung in der Spionage-Affäre um geheime Daten des Erzrivalen Ferrari sieht Haug auch nicht: "Die Leute draußen differenzieren. Ich kann absolut nicht sehen, dass man uns als Kopierer fremden Gedankengutes wahrnimmt. Dass man uns in den Medien kritisiert, gehört aber dazu", meinte der Schwabe, der wie auch McLaren-Chef Ron Dennis keine Verfehlung erkennen kann. Deshalb steht die schwäbisch-britische Formel-1-Ehe in der Mercedes-Chefetage auch nicht zur Disposition. "Wären wir im Haus der Ansicht, dass etwas falsch gemacht wurde, dann würde das sicher auch entsprechende Schritte nach sich ziehen", sagte Haug.

Entscheidung über Berufung nach dem Rennwochenende

Das World Motor Sport Council der FIA war in Bezug auf die Nutzung der angeblich von Ex-Ferrari-Mitarbeiter Nigel Stepney an den früheren McLaren-Chefdesigner Mike Coughlan übermittelten Daten offenbar anderer Meinung und revidierte am Donnerstag den in einer ersten Sitzung am 26. Juli noch ausgesprochenen Freispruch auf Bewährung.

Mit der Urteilsbegründung ließ sich die FIA zunächst Zeit, was auch eine Entscheidung der Silberpfeile über einen möglichen Gang vor das Berufungsgericht verzögerte. Nach Erhalt der Begründung würde sich das Team bis Ende des Rennwochenendes dazu äußern, stellte Haug in Aussicht.

Nachdem die Erklärung am Freitagabend verteilt worden war, äußerte sich Dennis: "Ich weiß, dass die Erkenntnisse des World Council zeigen, dass wir kein geistiges Eigentum von Ferrari genutzt haben, um einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Wir haben sieben Tage Zeit, um Einspruch einzulegen."

Die letzten Monate, getrübt durch die Spionage-Affäre und den internen Zwist zwischen den Silberpfeil-Piloten Lewis Hamilton (Großbritannien) und Fernando Alonso (Spanien), die von der FIA aufgrund ihrer Aussagen verschont wurden und nun ihren Kampf um den WM-Titel weiter ausfechten dürfen, sei nicht nur eine schwierige Phase für den Rennstall, meinte Haug: "Sondern erstmal auch eine sehr erfolgreiche."

Haug: Mit Rückschlägen "können wir umgehen"

Damit spielte er auf die Überlegenheit der Silberpfeile in den letzten WM-Läufen an. "Wir haben große Rennen gezeigt und viele Erfolge gefeiert. Aber klar ist auch, dass man dem Spitzenreiter gerne mal Knüppel zwischen die Beine wirft. Aber wir können damit umgehen", sagte der Mercedes-Sportchef.

In der Geschichte der mehr als zwölfjährigen Zusammenarbeit zwischen McLaren und Mercedes haben beide Partner neben Höhen wie den WM-Titeln von Mika Häkkinen (1998, 1999) sowie dem Konstrukteurstitel 1998 auch zahlreiche sportliche Tiefen erlebt. 2004 stürzte das Renommier-Team mit nur einem Saisonsieg auf den fünften Platz der Konstrukteurswertung ab. In der vorigen Saison gab es erstmals nach zehn Jahren gar keinen McLaren-Sieg.

Doch in dieser Saison feierte das Team mit Weltmeister Alonso und Shooting-Star Hamilton ein grandioses Comeback. Vor dem Großen Preis von Belgien in Spa am Sonntag (14.00 Uhr/live bei Premiere und RTL) stehen in 13 Rennen sieben Siege zu Buche, davon vier Doppelsiege.

In der WM-Wertung haben Hamilton (92 Punkte) und Alonso (89) ein schönes Polster vor Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen (Finnland/74) und dessen Teamkollegen Felipe Massa(Brasilien/69).