2007.09.16 Neuss : McLaren-Boss Ron Dennis will Strafe akzeptieren

Um zur Formel-1-Normalität zurückzukehren wird McLaren-Mercedes die Rekord-Geldstrafe von 100 Millionen Dollar wohl akzeptieren. Das deutete McLaren-Boss Ron Dennis zwei Tage nach dem Urteil von Paris an.

tr
McLaren-Boss Ron Dennis will nicht in Berufung gehen

Der McLaren-Mercedes-Rennstall steht nach der Spionage-Affäre vor einem Scherbenhaufen und schlittert in die schlimmste Krise der Team-Historie. Um zur Formel-1-Normalität zurückzukehren, wird McLaren-Mercedes die Rekord-Geldstrafe von 100 Millionen Dollar wohl akzeptieren und auf eine Berufung verzichten. Das deutete McLaren-Boss Ron Dennis zwei Tage nach dem Schock-Urteil von Paris an. Eine Entscheidung muss das Team bis zum kommenden Freitag getroffen haben.

"Wenn ich mich entschließe, dieses Kapitel zu beenden, dann tue ich es im Interesse des Sports. Was nützt uns eine Schlammschlacht?", sagte der Engländer in Spa. Auch der Gang vor ein Zivilgericht komme wohl nicht in Frage. Das sei laut Dennis sehr mühsam: "Die Affäre würde dann die nächsten zwei Jahre über dem Sport hängen und uns von der eigentlichen Arbeit abhalten, Rennen zu gewinnen."

Den Silberpfeilen waren nach rund zehnstündiger Anhörung vom World Motor Sport Council des Automobil-Weltverbandes (FIA) neben der Geldstrafe zudem alle Punkte in der Konstrukteurs-WM 2007 aberkannt worden. Die in der WM-Wertung führenden McLaren-Piloten Lewis Hamilton (Großbritannien) und Fernando Alonso (Spanien) waren straffrei ausgegangen, weil sie laut FIA-Präsident Max Mosley "gut kooperiert haben".

Alonsos Rückkehr zu Renault scheint beschlossen

Ob Titelverteidiger Alonso, der seinem Arbeitgeber durch seine Aussagen massiv geschadet und letztlich auch die drakonische Strafe eingebrockt hat, eine Zukunft im Team hat, beantwortete Dennis nur ausweichend: "Er hat einen Vertrag, mehr gibt es dazu zurzeit nicht zu sagen." Diese Diskussion stelle sich für ihn deshalb nicht, jedenfalls nicht in diesen Tagen, sagte Dennis.

Auf bohrende Nachfragen, warum er das eigene Team bei der FIA derart schonungslos verpetzt habe, reagierte Alonso ungehalten: "Ich rede nur über Sport." Und für wen fährt er 2008? "McLaren ist ein Top-Team, auf Gerüchte gebe ich nichts", meinte der 26-jährige Spanier genervt.

Angeblich ist Alonsos Rückkehr zu Renault bereits beschlossen. Für die Silberpfeile dagegen sei er trotz eines noch bis 2009 laufenden Vertrages wegen des nicht loyalen Verhaltens in der Spionage-Affäre eigentlich nicht länger tragbar, hieß es in Spa im Fahrerlager.

Als Nachfolger wird Williams-Pilot Nico Rosberg (Wiesbaden) gehandelt. Der 22-Jährige sagte in Spa allerdings, dass er einen Wechsel zu McLaren ausschließe und er sich bei Williams wohlfühle. Teamchef Frank Williams hatte bereits erklärt, dass sein Fahrer unverkäuflich sei. Rosbergs Vertrag läuft bis Saisonende 2008.

Mit dem Verzicht auf die Berufung will Dennis vermutlich auch einer noch härteren Strafe entgehen. Mosley hatte nach dem Urteil mitgeteilt, dass im Dezember über eventuelle Sanktionen für die kommende Saison entschieden wird: "Sollten die Rennautos von McLaren-Mercedes für 2008 aber in Ordnung sein, wird es keine weitere Bestrafung geben."

Dennis: "Jeder soll wissen, dass wir nichts Unrechtes getan haben"

McLaren ließ verlauten, dass das Team keinen Wettbewerbsvorteil durch die Nutzung geheimer Dokumente des Erzrivalen Ferrari erlangt habe. Laut Dennis hat der Rennstall nach der Urteilsbegründung sieben Tage Zeit, um über einen Einspruch zu entscheiden. Er werde in den nächsten Tagen den Anteilseignern des Teams seine Empfehlung in dieser Angelegenheit aussprechen.

40 Prozent der McLaren-Anteile hält Motorenpartner Mercedes, 30 Prozent ein Konsortium aus Bahrain, und jeweils 15 Prozent sind im Besitz von Geschäftsmann Mansour Ojjeh und Dennis selbst.

Wenn er jetzt dem Sport zuliebe einen Preis von 100 Millionen Dollar zu zahlen habe, so Dennis, dann zahle er ihn: "Für mich ist nur eines wichtig: Jeder soll wissen, dass wir nichts Unrechtes getan haben."

Der McLaren-Teamchef musste zwar zugeben, dass "alles, was in der Urteilsbegründung steht, wahr ist", aber: "Ich kann nirgendwo einen eindeutigen Beweis dafür erkennen, dass wir irgendeine Information von Ferrari verwendet haben."