2007.10.06 Neuss : Jones tritt nach Dopinggeständnis zurück

US-Sprinterin Marion Jones hat sich vor einem Gericht des Dopings schuldig bekannt und ist anschließend zurückgetreten. "Als ich sagte, dass ich niemals gedopt habe, log ich, Euer Ehren", sagte Jones dem Richter.

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Trat nach Dopinggeständnis zurück: Marion Jones

Die Leichtathletik hat erneut einen prominenten Dopingfall zu beklagen. Vor einem Gericht in White Plains bekannte sich die dreimalige Leichtathletik-Olympiasiegerin Marion Jones am Freitag des zweifachen Meineids für schuldig und verkündete zugleich ihren Rücktritt vom Leistungssport. Der US-Sprintstar hatte vor einem Untersuchungsausschuss 2003 noch abgestritten, jahrelang gedopt zu haben.

"Als ich sagte, dass ich niemals gedopt habe, log ich, Euer Ehren", sagte Jones nun dem Richter. "Aufgrund meiner Aktionen nehme ich Abschied von der Leichtathletik, einem Sport, den ich über alles liebe. Ich schäme mich dafür, dass ich das Vertrauen meiner Fans in aller Welt betrogen habe", sagte die 31-Jährige, die am 11. Januar 2008 zum Urteilsspruch erneut vor Gericht erscheinen muss. Aufgrund ihres Geständnisses wird Jones der Lage nach mit einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe davonkommen.

Jones wohl auch finanziell am Ende

Das letzte Wort hierüber hat aber der Richter, ein Urteil soll am 11. Januar 2008 gefällt werden. Der Richter kann die Strafe zur Bewährung aussetzen oder Hausarrest anordnen. Auf beide Vergehen stehen nach US-Gesetz Haftstrafen von jeweils fünf Jahren. Um eine mögliche Geldstrafe von 500.000 Dollar kommt Jones wohl auch herum, sie gilt als bankrott.

In einem Brief an Freunde und Familienmitglieder soll Jones vor ihrem Auftritt am Freitag bereits die Einnahme der im Balco-Labor entstandenen Designerdroge Tetrahydrogestrinon (THG) in den Jahren 1999 bis 2002 zugegeben haben. Vor Gericht erklärte sie am Freitag nun, dass sie von September 2000 - also dem Zeitraum der Olympischen Spiele in Australien - bis Juli 2001 Dopingmittel benutzt habe.

Der Chef des umstrittenen Balco-Labors, Victor Conte, hatte Jones bereits Ende 2004 des Doping-Missbrauchs beschuldigt und war daraufhin von der Athletin aber auf 25 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt worden. Im Februar 2006 zog Jones die Klage zurück und einigte sich außergerichtlich mit Conte.

Die Tatsache, dass Jones angeblich nicht von ihrem Ex-Coach Trevor Graham über den Inhalt einer von ihm verabreichten ölartigen Flüssigkeit, im Fachjargon "The Clear" bezeichnet, informiert wurde, spielte vor Gericht keine Rolle. "Er sagte, ich solle ein paar Tropfen unter meine Zunge plazieren und sie nach ein paar Sekunden schlucken. Plötzlich konnte ich intensiver trainieren und mein Körper benötigte eine kürzere Regeneration", sagte Jones und gab zu erkennen, dass sie über das Doping informiert war.

"Dies ist ein trauriger Tag für den Sport"

"Dies ist ein trauriger Tag für den Sport. Das einzig Positive ist die Tatsache, dass ihr Geständnis hoffentlich den endgültigen Durchbruch in der BALCO-Affäre bedeutet", kommentierte IOC-Präsident Jacques Rogge. Das Internationale Olympische Komitee hatte die Doping-Vorwürfe gegen Jones bereits seit Dezember 2004 untersucht und wird ihr jetzt wohl die Olympiasiege von Sydney sowie die beiden dort errungenen Bronzemedaillen aberkennen.

Der Chef des amerikanischen olympischen Komitees (USOC), Peter Ueberroth, forderte Jones unterdessen unverhohlen zur freiwilligen Rückgabe ihrer Medaillen auf. "Ihr Geständnis war überfällig. Jetzt sollte sie die Sache vereinfachen und jene Medaillen zurückgeben, die sie gedopt errang."