2007.10.07 Neuss : Räikkönen gewinnt, Hamilton ausgeschieden

Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen hat den Großen Preis von China in Schanghai gewonnen. Der Finne profitierte vom Ausfall des WM-Spitzenreiters Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes. Fernando Alonso wurde Zweiter.

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Kimi Räikkönen siegt

Die Träume von der Krönung als Weltmeister platzten für Lewis Hamilton nach einem Anfängerfehler im Kiesbett, die Formel 1 erlebt beim letzten Rennen erstmals seit 21 Jahren einen Dreikampf um den WM-Titel. Kimi Räikkönen holte im Regen von Schanghai den 200. Sieg für Ferrari vor Fernando Alonso, der mit seinem Arbeitgeber McLaren-Mercedes nach beiderseitigen schweren Attacken weiter im Streit liegt. Hamilton 107 Punkte, Alonso 103, Räikkönen 100 - das Finale im Jahr eins nach Michael Schumacher am 21. Oktober in Sao Paulo wird ein Titel-Thriller.

Hamilton : "Ich bin sehr frustriert und enttäuscht"

"Das war mein erster Fehler im ganzen Jahr, sowas passiert mir normalerweise nicht. Ich bin sehr frustriert und enttäuscht", meinte Hamilton nach dem ersten Ausfall seiner Formel-1-Karriere beim Großen Preis von China. Statt der geplanten Feier als jüngster Champion der Geschichte flüchtete der 22 Jahre junge Brite vor Rennende ins Hotel und stieg noch am Abend in den Flieger nach Hause.

29 Runden hatte Hamilton im Silberpfeil das Rennen souverän angeführt, die Fahrer-Krone als erster Neuling schien ihm schon sicher. Doch dann kam er auf ruinierten Reifen ausgerechnet in der Boxengasse vom Titelkurs ab. Teamboss Ron Dennis schlug entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen.

"Ein Jammer, das war Künstlerpech. Man kann uns vorwerfen, dass wir ihn eher an die Box holen mussten", sagte Mercedes-Sportchef und nahm einen Teil der Schuld aufs Team: "Wir haben den Sack nicht zugemacht. Jetzt kämpfen drei Mann um die WM. Das ist nicht so gut für uns, aber gut für den Sport. Und wir haben immer noch einen Vorsprung."

Hamilton reicht in Brasilien ein zweiter Platz im jeden Fall zum Titelgewinn. Räikkönen, der bei der sensationellen Fahrt von Sebastian Vettel auf Platz vier mit 9,8 Sekunden vor Alonso siegte, hofft jedoch auf einen erneuten Patzer des Formel-1-Neulings: "Sein Fehler hat Fernando und mir geholfen. Vielleicht macht er ja noch einen."

In Grenzen halten sich dagegen Alonsos Titelhoffnungen, denn er unterstellt seinem Team eine Benachteiligung im WM-Endkampf gegen Hamilton. In der Qualifikation in Schanghai sei sein Reifendruck zu hoch gewesen, zudem sei Teamchef Dennis ein Lügner: "Es muss etwas Dramatisches passieren, damit ich noch Weltmeister werde. Unter normalen Bedingungen ist es nicht möglich." Diese These wurde von der Dennis-Aussage gestützt, dass man im Rennen "vor allem gegen Alonso und nicht gegen Räikkönen gefahren" sei.

Vettel jubelt: "Einer der schönsten Tage im Leben"

Weiter Streit im Silberpfeil-Team, dafür herrschte bei Supertalent Sebastian Vettel (Heppenheim) nach seiner schier unglaublichen Fahrt im unterlegenen Toro Rosso von Startplatz 17 zum besten Ergebnis der Karriere eitel Sonnenschein. "Fantastisch, das ist einer der schönsten Tage in meinem Leben. Als ich über die Ziellinie gefahren bin, habe immer wie ein Irrer Ja, Ja, Ja geschrien", meinte Vettel. Am vergangenen Sonntag war er nach seinem Unfall in Fuji noch der tragische Held gewesen, diesmal wurde der 20-Jährige gefeiert: "Ich darf aber nicht so viel trinken, ich bin noch zu jung."

BMW-Pilot Nick Heidfeld (Mönchengladbach) landete auf Platz sieben, Nico Rosberg (Wiesbaden) wurde im Williams 16. Ralf Schumacher (Kerpen) in seinem vorletzten Rennwochenende im Toyota und Adrian Sutil (Gräfelfing) im Spyker schieden nach Unfällen aus.

Pünktlich zum Beginn des vorletzten Saisonrennens hatte der aufziehende Taifun "Krosa" Sturm und die ersten Regenschauer geschickt, doch Hamilton verteidigte seine Spitzenposition zunächst souverän. Die Strecke trocknete ab, doch als die meisten Fahrer Trockenreifen aufzogen, begann es wieder zu regnen.

Räikkönen überholte den wild rutschenden WM-Spitzenreiter in Runde 29. Erst zwei Runden später versuchte sich der an die Box zu retten, doch er verpasste die Kurve und stieg mit Tränen in den Augen aus dem Auto: "Das war wie auf Eis, aber jetzt konzentriere ich mich halt auf Brasilien. Keine Angst - ich kann das noch schaffen."

Letztmals hat es einen derartigen Dreikampf um die WM 1986 gegeben. Damals sicherte sich im letzten Rennen allerdings der bis dahin zurückliegende Außenseiter Alain Prost (Frankreich) gegen Ayrton Senna (Brasilien) und Nigel Mansell (Großbritannien) den Titel.