2007.10.13 Neuss : Evander Holyfield greift nach dem fünften WM-Titel

Wenn die 44 Jahre alte Box-Legende Evander Holyfield heute in Moskau gegen WBO-Champion Sultan Ibragimow als erster Schwergewichtler zum fünften Mal Weltmeister werden will, geht es um mehr als den WM-Gürtel.

pk
Von Angesicht zu Angesicht: Sultan Ibragimow (l.) und Evander Holyfield

Die Box-Welt bangt um den "Warrior". Wenn die 44 Jahre alte Legende Evander Holyfield heute als Ersatzmann in Moskau gegen WBO-Champion Sultan Ibragimow als erster Schwergewichtler zum fünften Mal Weltmeister werden will, steht für Holyfield mehr auf dem Spiel als nur der WM-Gürtel. Viele Experten fürchten um seine Gesundheit. Promoter Wilfried Sauerland sagte dazu der Sport Bild: "Eigentlich dürfte er schon lange nicht mehr boxen."

Die Sorgen sind begründet, denn schon lange konnte Evander "The Real Deal" Holyfield, der letzte verbliebene "Dino" unter den Box-Größen von einst, nicht mehr überzeugen. Viermal war der elffache Vater nach seiner aus medizinischen Gründen ausgesprochenen Suspendierung im November 2004 gegen zweitklassige Gegner wieder in den Ring gestiegen, glänzen konnte er nicht.

Die Verbannung durch die nationale Box-Athleten-Kommission wurde nach einer weiteren klaren Niederlage gegen Larry Donald ausgesprochen. "Die Gesundheit des Boxers geht vor. Wir haben die Verantwortung, ihn vor sich selbst zu schützen", begründete damals der Kommissions-Vorsitzende Ron Stevens die Entscheidung. Um in den USA wieder in den Ring zu steigen, benötigte Holyfield das Einverständnis von Verbandsarzt Barry Jordan.

Holyfield gab nicht auf. In Tests musste er seine Fitness nachweisen, was er auch schaffte. 21 Monate nach seiner Zwangspause feierte er im August 2006 ein erfolgreiches Comeback. Doch die Zweifel blieben. Nur Holyfield selbst ließ sich nicht beeindrucken. Erklärungen hatte er parat: "Bei meinen Niederlagen war ich an der Schulter verletzt. Jetzt bin ich fit." Auch von Anschuldigungen eines US-Magazins, er stünde in Kontakt mit einem Vertriebsnetzwerk für Steroide, ließ er sich nicht irritieren.

Holyfield will den fünften Weltmeistertitel

Am Samstag, fünf Tage vor seinem 45. Geburtstag, will Holyfield seinen Weltrekord verbessern. "Viermal Weltmeister zu sein, hat schon niemand geschafft. Jetzt will ich noch einen drauflegen", sagte der "Krieger", der in seinen glanzvollen Karriere Box-Größen wie George Foreman, Mike Tyson und Larry Holmes bezwungen hatte und einen Kampfrekord von 42 gewonnen Fights und acht Niederlagen in 52 Kämpfen (27 K.o.-Siege) aufweist.

Holyfield hatte die Möglichkeit durch die Kampfabsage des russischen WBA-Weltmeisters Ruslan Tschagajew erhalten. Der Walujew-Bezwinger musste den für den gleichen Tag geplanten Vereinigungsfight mit Ibragimow verletzungsbedingt absagen und machte damit den Weg frei für Holyfield.

Für Ibragimow ein großer Moment. "Als Kind habe ich seine WM-Kämpfe gesehen, ich fand seinen Stil toll. Jetzt habe ich die Chance, gegen eine Legende zu boxen. Im Ring aber werde ich vergessen, dass er eine Legende ist", sagt der 32 Jahre alte Russe, der in seinen 21 Profikämpfen bei 20 Erfolgen noch unbesiegt ist und erstmals das Gefühl auskosten kann, als Weltmeister in seine Heimat zurückzukehren.

Box-Mutterland USA ohne Titelträger

Geholt hatte Ibragimow, der bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney erst im Finale dem kubanischen Superstar Felix Savon unterlegen war, den WM-Gürtel im Juli durch einen einstimmigen Punktsieg gegen Shannon Briggs. Damit hatten die USA auch ihren letzten Titelträger in der Königsklasse verloren. In der Chodynka Arena in Moskau hat Holyfield auch die Chance, zumindest einen wieder ins Box-Mutterland zurückzuholen.

Sollte er dieses Kunststück gegen den russischen Linkshänder schaffen, wäre Holyfield noch lange nicht am Ende seines Weges. "Danach will ich die WM-Titel vereinigen", sagt er. Die Freude der Box-Welt darüber dürfte sich in Grenzen halten.