2007.10.15 Neuss : Glock will Ersatzbank gegen F1-Cockpit tauschen

Zurzeit muss Timo Glock in der Formel 1 noch mit der Ersatzbank vorlieb nehmen. In der kommenden Saison hofft der GP2-Champion aber auf ein Cockpit in der "Königsklasse": "Es gab noch nie eine bessere Möglichkeit".

janat1
Timo Glocks Chancen auf ein Formel-1-Cockpit stehen gut

Beim heißen Formel-1-Finale zwischen Lewis Hamilton, Fernando Alonso und Kimi Räikkönen bleibt Timo Glock am Wochenende vorerst noch einmal nur der Platz auf der Ersatzbank bei BMW-Sauber. In der nächsten Saison will sich der GP2-Champion mit diesen drei Fahrern aber selbst auf der Rennstrecke messen. "Es gab noch nie eine bessere Möglichkeit als im Moment", sagte Glock vor dem Großen Preis von Brasilien in Sao Paulo (Sonntag, 18.00 Uhr MESZ/live bei Premiere und RTL) dem Sport-Informations-Dienst (sid). Vor allem bei Toyota wird der 25-Jährige aus Wersau für 2008 als heißester Kandidat für die Nachfolge von Ralf Schumacher gehandelt.

Nachdrückliche Empfehlung für die "Königsklasse"

Mit dem letztlich souveränen Gewinn des GP2-Titels, der nur durch zahlreiche technische Defekte und einige unverschuldete Kollisionen ein wenig erschwert wurde, hat sich Glock nachdrücklich für die Rückkehr in die "Königsklasse" empfohlen. Dort hatte er 2004 als Ersatzfahrer bei Jordan schon vier Rennen absolviert und dabei gleich in seinem ersten Grand Prix in Montreal sogar zwei WM-Punkte geholt. Da aber für 2005 kein Cockpit frei war, fuhr Glock ein Jahr in der US-Cart-Serie und wurde dort als bester Neuling Achter in der Gesamtwertung.

Der Hesse hätte danach zwar in Amerika bleiben können, wollte aber zurück in die Formel 1 und entschloss sich daher zum Wechsel in die GP2-Serie, aus der gerade Nico Rosberg als erster Meister den Sprung zu Williams geschafft hatte. Nach Startschwierigkeiten beim Team BCN wechselte Glock mitten in der Saison zum britischen iSport-Rennstall und machte damit den entscheidenden Schritt. Im weiteren Verlauf der Saison holte er mehr Punkte als der spätere Meister und heutige Formel-1-Star Hamilton, in diesem Jahr trat er als Champion in die Fußstapfen des englischen "Wunderkinds".

"Gleiche Liga wie Rosberg und Hamilton"

Glocks iSport-Teamchef Paul Jackson hält seinen Piloten unterdessen für ebenso gut wie Hamilton oder Rosberg. "Er wird für ein Formel-1-Team sehr wertvoll sein. Ich denke, dass er in derselben Liga spielen wird wie Rosberg und Hamilton. Wenn er ein ordentliches Cockpit bekommt, dann wird er sehr konkurrenzfähig sein", sagte der Brite, den Glock neben seinem Kampfgeist im Rennen vor allem mit seinem technischen Verständnis und der Fähigkeit, ein Auto abzustimmen, beeindruckt hat.

Deshalb genießt Glock auch bei BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen, der ihn gerne für 2008 als Testfahrer behalten würde, hohes Ansehen. Damit der frühere Formel-BMW-Champion den GP2-Titel holen konnte, hatten ihn die Münchner beim Finalwochenende in Valencia sogar freigestellt und beim Großen Preis von Japan in Fuji auf seine Dienste als Ersatzpilot verzichtet.

"Bei BMW habe ich in diesem Jahr viel Erfahrung gesammelt. Ich saß zwar nur wenige Kilometer im Auto, aber es hat mir viel gebracht, an der Weiterentwicklung des Autos mitzuarbeiten, zu sehen, wie so ein großes Team funktioniert und arbeitet", sagte Glock, der sich bei den Münchnern sehr wohl fühlt: "Ich komme mit allen Leuten sehr gut klar und habe viel Spaß." Da aber für 2008 die beiden Renn-Cockpits bei BMW-Sauber an Nick Heidfeld (Mönchengladbach) und Robert Kubica (Polen) vergeben sind, war Glock offen für andere Angebote.

"Die ersten Kontakte gab es schon Mitte des Jahres. Danach ist das dann immer intensiver geworden", verriet der Odenwälder, der sich nebenbei auch noch in der Speed Academy der Deutschen Post um die Nachwuchsförderung kümmert. Die besten Karten, Glock zu verpflichten, scheint jetzt Toyota zu besitzen. Als Alternative stünde auch noch Williams bereit, falls Rosberg als Nachfolger von Alonso zu McLaren-Mercedes wechseln sollte.

Laut seinem Manager Hans-Bernd Kamps ist Glocks Sprung in die Formel 1 völlig unabhängig davon, ob das Transferkarussel durch die erwartete Alonso-Rückkehr zu Renault noch einmal richtig Fahrt aufnimmt. "Wir haben schon seit längerer Zeit sachlich und konsequent verhandelt", sagte Kamps dem sid: "Das Interesse an Timo hat mit seinen in diesem Jahr gezeigten Leistungen zu tun."