2007.10.17 Neuss : Haug zieht Trennung von Alonso in Erwägung

Norbert Haug schließt eine Trennung von Fernando Alonso nach dem Saisonfinale der Formel 1 nicht mehr aus: "Man muss sich auch trennen können." Es seien aber noch keine Beschlüsse gefasst, betonte der Mercedes-Sportchef.

janat1
Mercedes-Sportchef Norbert Haug

Nun zieht auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug eine Trennung von Weltmeister Fernando Alonso nach dem Saisonfinale der Formel 1 am Wochenende in Sao Paulo in Erwägung. "So prosaisch es in diesem Zusammenhang klingen mag: Man muss sich auch trennen können, was ausdrücklich nicht bedeutet, dass hier Beschlüsse gefasst sind", sagte Haug in einem Interview mit dem am Donnerstag erscheinenden Magazin Stern.

Rückkehr zu Renault wahrscheinlich

Nach Alonsos Aussagen in der Spionage-Affäre und seiner versuchten Erpressung seines eigenen Teams sowie den ständigen Vorwürfen einer Ungleichbehandlung gegenüber dem Briten Lewis Hamilton gehen viele in der Formel 1 davon aus, dass der Spanier die "Silberpfeile" trotz eines laufenden Vertrages nach nur einem Jahr wieder verlässt und zu Renault zurückkehrt. Renault-Teamchef Flavio Briatore hat bereits offiziell sein Interesse angemeldet.

Bei McLaren-Mercedes ist man offenbar gesprächsbereit. "Wenn jemand seinen absoluten Willen ausdrückt, nicht zu können und nicht zu wollen, dann gäbe es Mittel und Wege der Trennung", sagte Haug: "Wir haben einen gültigen Vertrag, und nach dem letzten Rennen wird sich zeigen, was Sache ist." In diesem Rennen kämpfen die Silberpfeile mit Hamilton (107 Punkte) und Alonso (103) gegen Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen (100) um die Fahrer-WM, nachdem die Konstrukteurs-WM durch den Verlust aller Punkte nach der Spionage-Affäre bereits an Ferrari gegangen ist.

Dieses Herzschlagfinale ist für McLaren-Mercedes momentan das Einzige, womit sich das Team beschäftigt, und nicht die Zukunft von Alonso, sagte Haug: "Das diskutieren wir nach der Saison. Jetzt sind alle Kräfte erforderlich, um beim Finale alles richtig zu machen. Unter schwierigen Bedingungen besser zu sein, ist ein hoher Anspruch."

"Werden niemanden abstrafen"

Der Mercedes-Sportchef schloss allerdings kategorisch aus, Alonso zu behalten und als Retourkutsche kaltzustellen: "Es gibt ja auch die Mutmaßung, wir könnten Alonso nächstes Jahr auf Eis legen und einfach nicht fahren lassen. Das ist überhaupt nicht unser Stil. Wir werden niemanden abstrafen, auch wenn er sich falsch verhalten haben sollte."

Haug würde Alonso trotz aller Vorkommnisse in dieser Saison auch "von Herzen" gratulieren, wenn nicht Hamilton, sondern der Spanier am Sonntag den Titel holen würde: "Ich bin Sportsmann - ob er das in allen Äußerungen war, darüber können wir mal nach der Saison sprechen. Der Titel wäre eine große Leistung für unser Team. Und das in einem Jahr, in dem man es uns nicht leicht gemacht hat - und wir es uns selbst manchmal auch nicht leicht gemacht haben."

Spannungen zwischen dem Team und Fahrern habe es bei McLaren-Mercedes auch früher schon gegeben. "Ich bin großer Förderer der Fahrer, ich bin aber ein noch größerer Kritiker, wenn erforderlich", sagte Haug: "Gelegentlich muss man auch einen Strich drunter machen, das hat sich bei Nigel Mansell und Juan Pablo Montoya gezeigt."