2007.10.18 Neuss : "Pole Position" für Hamilton im Kampf um die WM

Im Kampf um die WM-Krone geht Lewis Hamilton am Sonntag sprichwörtlich von der "Pole Position" ins Rennen: Der Mercedes-Pilot hat derzeit vier Punkte Vorsprung auf Fernando Alonso und deren sieben auf Kimi Räikkönen.

are1
Dreikampf um die WM-Krone: Räikkönen, Hamilton und Alonso (v.l.)

Am Ende kann es doch nur einen Weltmeister geben: Lewis Hamilton, Fernando Alonso und Kimi Räikkönen bescheren der Formel 1 das spannendste Finale seit 21 Jahren. Nur sieben Punkte trennen die Rivalen der Rennbahn vor dem Showdown am Sonntag (18.00 Uhr MESZ/live bei Premiere und RTL) in Sao Paulo.

Hamilton auf der "Pole Position"

Die besten Chancen hat der 22-jährige Hamilton, dem bei vier Punkten Vorsprung vor seinem McLaren-Mercedes-Teamkollegen Fernando Alonso schon ein zweiter Platz reichen würde, um sich zum jüngsten Formel-1-Weltmeister aller Zeiten zu krönen. Dagegen muss die Ferrari-Hoffnung Kimi Räikkönen (Finnland) bei sieben Zählern Rückstand auf ein rotes Wunder oder einen Doppel-Ausfall der Silberpfeile hoffen.

Das Reifen-Desaster von Schanghai, wo er den ersten Matchball wie ein Anfänger im Kiesbett vergrub, ist abgehakt, sagt Hamilton: "Ich sehe die Dinge ganz cool und schlage jetzt zurück." Dabei verspüre er nicht mehr Druck als vor jedem anderen Rennen auch, meint der Silberpfeil-Pilot: "Ich habe mich schon zuvor in solchen Situationen befunden, ich kann damit umgehen."

Doch die Last ist enorm. Der Neuling ist die letzte Hoffnung des Weltkonzerns Mercedes. Nach dem Verlust der Konstrukteurs-WM, der Rekordgeldstrafe von 100 Millionen Dollar, dem Imageschaden durch die Spionage-Affäre und dem verpassten DTM-Titel muss der Brite nun die Kastanien aus dem Feuer holen.

Den größten Gegner sieht Hamilton allerdings nicht in Räikkönen, sondern im eigenen Teamkollegen. Sollte der Titelverteidiger seine Felle davonschwimmen sehen, rechnen viele damit, dass Alonso sogar einen Abschuss von Hamilton in Kauf nimmt, um so den Triumph von McLaren-Mercedes zu verhindern.

Alonso vor Rückkehr zu Renault

Alonso ist nach seinem Verhalten in der Spionage-Affäre für McLaren-Mercedes wohl nicht mehr tragbar und steht offenbar vor einer Rückkehr zu Renault. Der Spanier muss in Brasilien gewinnen und hoffen, dass Hamilton bestenfalls Dritter wird, wenn er den Traum vom Titel-Hattrick verwirklichen will. Gutes Omen: Seine ersten beiden WM-Titel eroberte er auf der Piste in Sao Paulo.

"Ich gebe nicht auf und kämpfe bis zur letzten Runde", meint Alonso. Angst, dass ihn sein Team benachteiligen könnte und alles auf die Karte Hamilton setzt, hat der Einzelgänger aus Asturien nicht. "Ich bin sicher, dass es eine Gleichberechtigung für uns beide geben wird. Was sie über mich sagen, ist eine ganz andere Sache als das, was sie für mich auf der Rennstrecke tun", sagt Alonso.

Auf Druck des spanischen Automobil-Verbandes soll nun sogar ein Aufpasser nach Brasilien eingeflogen werden, der darüber wacht, dass in der McLaren-Garage alles mit rechten Dingen zugeht. Doch das ist laut Mercedes-Sportchef Norbert Haug gar nicht nötig: "Beide Fahrer erhalten bei uns das gleiche Material. Der Punktestand verdeutlicht, dass es bei uns fair zugeht und keiner bevorteilt wird."

Letztmals hatte es 1986 einen Dreikampf um die Fahrer-Krone gegeben, und die Rollen waren damals ähnlich verteilt. Die beiden Williams-Piloten Nigel Mansell (Großbritannien) und Nelson Piquet (Brasilien), die wie das heutige Duo Hamilton/Alonso verfeindet waren, kämpften gegen Außenseiter Alain Prost (Frankreich). Der Ausgang ist bekannt: WM-Spitzenreiter Mansell, Nummer zwei bei Williams, platzte 19 Runden vor Schluss der Reifen. Weltmeister wurde schließlich der lachende Dritte, "Professor" Prost.

Räikkönen: "Plötzlich wieder im Geschäft"

Darauf baut auch Räikkönen. "Ich war ja schon weg vom Fenster, doch plötzlich bin ich wieder im Geschäft", sagt der "Iceman". Der Finne schnupperte bereits zweimal am WM-Titel, scheiterte aber an Michael Schumacher (2003) und Fernando Alonso (2005). "Das kann man nicht vergleichen, heute kämpfe ich gegen zwei Gegner", meint Räikkönen: "Ich muss gewinnen, alles andere liegt nicht in meiner Hand.