2007.11.02 Neuss : Alonso und Mercedes fahren getrennte Wege

Die Trennung zwischen dem zweimaligen Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso und McLaren-Mercedes ist perfekt. Als neuer Arbeitgeber des Spaniers ist unter anderem Red Bull im Gespräch.

ero1
Fernando Alonsos Abschied ist perfekt

Die Trennung zwischen dem zweimaligen Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso und McLaren-Mercedes ist perfekt. Der 26 Jahre alte Spanier, nach Eifersüchteleien, Erpressung und einer folgenschweren Aussage in der Spionage-Affäre bei den Silberpfeilen bereits seit Wochen isoliert, ist nach nur einem Jahr vorzeitig aus seinem Drei-Jahres-Vertrag ausgestiegen. Das bestätigte der schwäbisch-britische Rennstall am Freitagmittag. Wohin Alonso geht und wer seine Nachfolge als Teamkollege des Briten Lewis Hamilton antritt, ist derzeit noch offen.

"Die Trennung geschah einvernehmlich. Ich wünsche Fernando alles Gute für seine weitere Karriere", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Im offiziellen Statement des Teams hieß es: "Nach einem Treffen von Fernando Alonso und McLaren sind wir übereingekommen, dass es im Interesse beider Partein das Beste wäre, die Zusammenarbeit zu beenden."

Red Bull als erste Option?

Offen bleibt, für welches Team Alonso, der nach der turbulenten Saison ebenso wie Hamilton den WM-Titel um einen Punkt verpasste, 2008 in der Königsklasse fährt. Erste Option des Spaniers soll nicht mehr sein früheres Team Renault sein, das öffentlich Interesse an seiner Rückkehr bekundet hatte, sondern Red Bull. Das berichten Zeitungen aus Spanien und Österreich. Toyota, dessen 40-Millionen-Euro-Angebot Alonso eigentlich schon abgelehnt hatte, soll wie Williams ebenfalls noch im Rennen sein.

Alonso will erstmal Urlaub machen und sich dann in Ruhe entscheiden. Sein Manager Luis Garcia Abad erklärte, sein Schützling habe dem Team für die Vertragsauflösung keine Abfindung zahlen müssen und sei frei für einen neuen Arbeitgeber.

Alonso: "Manchmal funktionieren Dinge nicht"

"Seit ich ein kleiner Junge bin, wollte ich immer für McLaren fahren, aber manchmal funktionieren Dinge nicht", sagte Alonso in seinem letzten offiziellen Team-Statement: "Wir hatten unsere Aufs und Abs, die eine Extra-Herausforderung darstellten. Und es ist kein Geheimnis, dass ich mich nie heimisch gefühlt habe." Nach vielen Sepekulationen um eine Ungleichbehandlung gegenüber Hamilton erklärte der Spanier, dass er gleichwertiges Material zum Gewinnen erhalten habe.

McLaren-Chef Ron Dennis sagte über Alonso: "Er ist ein großartiger Fahrer, aber aus einigen Gründen hat unsere Verbindung nicht funktioniert. Am Ende waren wir an einem Punkt, an dem keiner von uns mehr einen Weg nach vorne gefunden hat."

Für McLaren-Mercedes ist damit pünktlich vor der großen Fan-Feier "Stars and Cars" am Samstag die drängendste Personalfrage vom Tisch. So muss man den erwarteten 50.000 Zuschauern in Stuttgart weder den "Verräter" präsentieren noch erklären, warum Alonso an der traditionellen Veranstaltung nicht teilnimmt.

Tauziehen um Rosberg

Als heißester Kandidat für das zweite Silberpfeil-Cockpit wird seit Wochen Nico Rosberg (Wiesbaden) gehandelt, den sein aktueller Teamchef Sir Frank Williams allerdings nicht ziehen lassen will - vielleicht aber im Tausch mit Alonso. Eine ebenfalls deutsche Alternative wäre neben Ralf Schumacher, der nach seinem Abschied von Toyota nach einem neuen Cockpit sucht, auch Adrian Sutil aus Gräfelfing.

Für den Bayern, der beim Spyker-Nachfolgerennstall Force India noch für die kommende Saison unter Vertrag steht, sich aber nach besseren Alternativen umsieht, soll sich Hamiltons Vater und Manager Anthony stark gemacht haben. Sutil war gemeinsam mit Hamilton für Mercedes in der Formel-3-Euroserie gefahren und ist mit dem Briten seitdem gut befreundet.

"Zu uns hat McLaren-Mercedes noch keinen Kontakt aufgenommen", sagte Sutils Manager Manfred Zimmermann am Freitag dem sid: "Für Adrian wäre das natürlich ein Traum. Dass Lewis Adrian sehr schätzt, kann ich mir gut vorstellen." Laut Zimmermann gäbe es für seinen Schützling mehrere Optionen, er erwartet eine Entscheidung in den nächsten zwei bis drei Wochen: "Wir sind nicht in Eile."

Glock sitzt zwischen den Stühlen

GP2-Champion Timo Glock steht dagegen im Moment zwischen BMW, das noch eine Option auf seinen aktuellen Testfahrer hat, und Toyota, wo er für rund fünf Millionen Euro Jahresgehalt Ralf Schumachers Nachfolger werden soll. Wie BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen der Bild-Zeitung erklärte, sei beim Automobil-Weltverband FIA ein Vertrag eingereicht worden, der mit dem eigenen in Konflikt stehe. "Wir kennen diesen Vertrag nicht", sagte Theissen.

Für die Münchner ist offenbar wichtig, wie Glocks Zukunftsplanung aussieht, um zu wissen, ob sie selbst in den nächsten Jahren noch einmal auf die Dienste des Hessen zurückgreifen können. "Wir haben Timo bis zum heutigen Tag gefördert und sind auch bereit, das weiter zu tun", sagte Theissen.