2007.11.02 Neuss : Deutsche Boxer gehen bei Amateur-WM leer aus

Nach dem Aus für Jack Culcay-Keth und Konstantin Buga reisen die deutschen Vertreter erstmals ohne Medaille von der Amateurbox-WM in Chicago ab. Als Trost bleibt zumindest dem Duo das Ticket für Peking 2008.

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Keine Medaillen für Deutschland

Zum ersten Mal bei einer WM keine Medaille gewonnen, die enttäuschenden Hoffnungsträger früh verloren und nur zwei Olympia-Tickets gesichert: Der Deutsche Boxsport-Verband (DBV) hat ausgerechnet bei den größten Amateurbox-Weltmeisterschaften aller Zeiten ein Debakel erlebt. Für alle zehn in Chicago gestarteten DBV-Faustkämpfer war spätestens im Viertelfinale die Endstation erreicht.

"Das ist schon sehr unerfreulich und enttäuscht mich", sagte DBV-Präsident Friedrich Schupp und kündigte sofort Konsequenzen an: "Jetzt gilt es, das aufzuarbeiten. Es wird ein ernsthaftes Gespräch mit Chef-Bundestrainer Helmut Ranze geben, bei dem wir alles genau analysieren werden." Die negative deutsche WM-Bilanz ist in Anbetracht des Fehlens der Box-Macht Kuba umso erstaunlicher. Der Inselstaat hatte das Turnier aus Angst vor der Flucht eigener Boxer boykottiert.

Trainerstuhl wackelt

Der langjährige Erfolgstrainer Ranze, dessen Athleten bei der vorletzten WM im Jahr 2003 noch fünfmal Edelmetall geholt hatten, muss nun möglicherweise sogar um seinen Job bangen. Auf die Frage, ob Ranzes Position unantastbar sei, antwortete Schupp mit einem "Jein".

Den Bundestrainer selbst frustrierte vor allem das frühe Aus von Rustam Rahimow (Bantamgewicht/Velbert), der vor zwei Jahren in China noch Silber gewonnen hatte, und des ehemaligen WM-Dritten Alexander Powernow (Schwer/Gifhorn), die damit beide die Olympia-Qualifikation verpassten. "Die Art und Weise des Ausscheidens von Powernow war für mich schon eine Enttäuschung", meinte Ranze. Der 29-jährige hatte bei der klaren 5:17-Punktniederlage im Achtelfinale gegen den Italiener Clemente Russo im gesamten Kampf keine Chance.

Der 32 Jahre alte Amateurbox-Oldie Rahimow verabschiedete sich sogar schon in der zweiten Runde gegen den Kasachen Mirschan Rachimschanow (12:19 nach Punkten). Dabei machte sich zu keiner Zeit bemerkbar, dass der Vize-Weltmeister vom Weltverband AIBA derzeit auf dem Weltranglistenplatz Nummer eins geführt wird.

Ranze fordert "Ursachenforschung"

Ranze zeigte sich ratlos: "In Sachen Rachimow müssen wir Ursachenforschung betreiben." Der Coach aus Worms kündigte an, bei den deutschen Meisterschaften in Wolfenbüttel (28. November bis 1. Dezember) alle Boxer des WM-Teams noch einmal auf den Prüfstand zu stellen.

Für einen kleinen Lichtblick sorgten Jack Culcay-Keth (Welter/Darmstadt) und Konstantin Buga (Mittel/Berlin). Die beiden 22-Jährigen kamen immerhin unter die besten 16 und sicherten sich damit ihr Ticket für die Olympia 2008. "Ihnen kann man noch die wenigsten Vorwürfe machen. Sie bringen immerhin die Qualifikation mit nach Hause", erklärte Ranze, der für die Zukunft dennoch schwarz sieht: "Gerne würde ich auch einmal auf Talente zurückgreifen, aber die besten von ihnen haben sich ja nicht einmal bei den Junioren-Europameisterschaften durchsetzen können."