2007.11.06 Neuss : Silberpfeile suchen "Talent und Speed"

Beim Formel-1-Rennstall McLaren-Mercedes läuft die Suche nach einem Nachfolger für Fernando Alonso auf Hochtouren. "Natürlich haben wir eine Liste mit ein paar Namen drauf, das sind aber nicht viele", sagte Norbert Haug.

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Fernando Alonso fährt davon

Fernando Alonso ist Vergangenheit, ab sofort beschäftigt sich das Formel-1-Team McLaren-Mercedes nur noch mit der Zukunft. Im Zentrum steht dabei die Suche nach einem Nachfolger für den Ex-Weltmeister. Als passenden Partner für den britischen Vize-Weltmeister Lewis Hamilton suchen die Silberpfeile ein neues Goldstück, wobei die Liste der öffentlich spekulierten Namen deutlich länger ist als die maßgebliche Liste des Teams.

"Natürlich haben wir eine Liste mit ein paar Namen drauf, das sind aber nicht viele. Da stehen auch einige nicht drauf, die vielleicht meinen, dass sie drin stehen", sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug: "Einige, über die jetzt spekuliert wird, werden es sicher nicht. Dagegen könnte es vielleicht auch jemand werden, über den noch nicht spekuliert wird."

Haug fordert "Talent und Speed"

Klar ist bislang nur das Anforderungsprofil. "Er muss Talent und Speed haben. Alles andere ergibt sich dann von selbst", sagte Haug dem Sport-Informations-Dienst (sid). Ein bisschen Erfahrung wäre zudem wohl auch nicht schlecht. Dass ein Alonso-Nachfolger deutlich pflegeleichter sein müsste als der Spanier, steht beim Team nicht auf der Agenda.

Der König im Kandidaten-Schach ist und bleibt Nico Rosberg, der in seinen ersten beiden Formel-1-Jahren seine Klasse und sein Potenzial schon eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Der in Wiesbaden geborene Sohn von Ex-Weltmeister Keke Rosberg steht aber noch für 2008 bei Williams unter Vertrag, und Teamchef Sir Frank Williams betonte zuletzt immer wieder, den 22-Jährigen nicht abgeben zu wollen.

Schumacher-Comeback "absurd"

Williams-Teilhaber Patrick Head legte den Silberpfeilen sogar als Alternative schon ans Herz, lieber Rekordweltmeister Michael Schumacher aus der Rente zu holen. Eine Idee, die Schumachers Manager Willi Weber beim sid als völlig absurd bezeichnete. Auch Schumachers Bruder Ralf, der nach seinem Abschied bei Toyota noch auf der Suche nach einem neuen Cockpit ist, steht bei den Silberpfeilen offenbar nicht zur Debatte.

Dazu kursierten zuletzt bereits die Namen von Renault-Pilot Heikki Kovalainen, der bei McLaren-Mercedes die finnische Tradition von Mika Häkkinen und Kimi Räikkönen fortsetzen könnte, und Spyker-Fahrer Adrian Sutil, der einst gemeinsam mit Hamilton für Mercedes in der Formel-3-Euroserie unterwegs war. Auch über eine "kleine" Lösung mit Testfahrer Pedro de la Rosa (Spanien) wurde spekuliert.

Wer aber könnten die Kandidaten sein, über die noch nicht geredet wurde? Beginnen kann man die Suche bei Red Bull, wo vielleicht ein Fahrer trotz laufenden Vertrages Platz für Alonso machen muss. Der Schotte David Coulthard fuhr bereits von 1996 bis 2004 für McLaren-Mercedes und holte in dieser Zeit 12 seiner 13 GP-Siege. Zuletzt hatte der 36-Jährige aber im Zuge der Streitereien um Alonso auch mal angemerkt, dass er selbst sich damals gegenüber Teamkollege Häkkinen ebenfalls zurückgesetzt gefühlt habe.

Webber darf sich Chancen ausrechnen

Mehr Chancen könnte daher Mark Webber haben. Der Australier, der als schneller Mann vor allem im Qualifying und eher besonnener Typ gilt, hat bei Mercedes aus seiner Zeit als Werksfahrer in der FIA-GT-Serie einen guten Ruf. 1999 saß er bei der "Flug-Show" in Le Mans im Auto.

Teaminterne Lösungen würden auch zwei aktuelle DTM-Piloten darstellen. Gary Paffett (Großbritannien) hat für das Formel-1-Team zumindest schon getestet, eine Erfahrung, die dem kanadischen Sonnyboy Bruno Spengler noch fehlt. Die hätte der gerade aus der DTM zurückgetretene Mika Häkkinen (Finnland) zwar zu bieten, doch ein Formel-1-Comeback nach sechs Jahren ist völlig unrealistisch. Da bestünde die Gefahr, dass ein zweimaliger Weltmeister sein positives Image ramponieren würde.

Ein deutscher Pilot - um GP2-Champion Timo Glock streiten sich momentan bereits BMW-Sauber und Toyota - würde Haug zwar gefallen, ist aber weiterhin nicht vorrangig.