2007.11.07 Neuss : Rogge warnt vor Gefahr des Gen-Dopings

Im Vorfeld der Welt-Antidoping-Konferenz in Madrid hat sich IOC-Präsident Jacques Rogge in einer internationalen Schaltkonferenz besorgt über mögliches Gen-Doping gezeigt.

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Jacques Rogge nahm an einer internationalen Schaltkonferenz teil

Das Thema Gen-Doping ist für IOC-Präsident Jacques Rogge eine ernstzunehmende Angelegenheit. Im Vorfeld der Welt-Antidoping-Konferenz von Madrid (15. bis 17. November) warnte der Belgier vor der Gefahr künftigen Gen-Dopings. "Noch haben wir keine Erkenntnisse, dass es bereits praktiziert wird, aber wir müssen darauf vorbereitet sein", sagte der Belgier in einer internationalen Schaltkonferenz aus Gent.

Im neuen Wada-Code sei deshalb ausdrücklich ein Passus vorgesehen, der schon bei Erstvergehen eine bis zu vierjährige Sperre bei Manipulationen vorsehe, "wenn die Substanzen oder Maßnahmen über einen langen Zeitraum wirken". Dies würde mit Sicherheit beim Gen-Doping der Fall sein, betonte der Mediziner.

Gegen freizügigen Kronzeugen-Bonus

Rogge begrüßte grundsätzlich die neue Kronzeugen-Regel, die eine Strafreduzierung um bis zu 75 Prozent ermöglichen soll, sprach sich aber gegen zu freizügige Bonus-Vergaben aus: "Die Regel sollte nur greifen, wenn ein Athlet substanzielle Informationen liefert, die zur Enttarnung des Doping-Systems und der Hintermänner führen."

Der IOC-Präsident bekräftigte, dass ab den Olympischen Spielen von Vancouver 2010 (Winter) und London 2012 (Sommer) kein Sportler mehr zugelassen werde, der innerhalb der vorangegangenen vier Jahre wegen Dopings für mehr als sechs Monate gesperrt wurde. Die entsprechende Neufassung der Charta solle von der nächsten IOC-Session 2008 in Peking beschlossen werden.

Rogge lobte ausdrücklich den Radsport-Weltverband UCI für die geplante Einführung des "Blutpasses" und rief die anderen Fachverbände dazu auf, diesem Beispiel zu folgen: "Wir können der UCI nur zu diesem Schritt gratulieren." Die jährlich vorgesehenen sechs Bluttests pro Athlet seien ein bedeutender Durchbruch im Kampf gegen Doping.

Erst 70 Länder erkennen Doping-Konvention an

Unterdessen wurde bekannt, dass erst 70 von 190 Mitgliedsländern der Vereinten Nationen die Unesco-Konvention gegen Doping verabschiedet und damit den Welt-Antidoping-Code offiziell anerkannt haben. Dagegen sei er von allen 205 Nationalen Olympischen Komitees und allen olympischen Fachverbänden (28 Sommer, 7 Winter) unterzeichnet worden. "Wir brauchen die Unterstützung der Staaten für den Kampf gegen Doping, den wir nur gemeinsam gewinnen können", sagte Rogge. Die fehlende Zahl von 120 Ländern zeige, dass es noch ein weiter Weg zu einem weltumfassenden Antidopingnetz sei. Der IOC-Präsident nannte rechtliche und finanzielle Probleme in vielen Ländern vor allem der Dritten Welt als Grund für die bisher ausgebliebene Ratifizierung.