2007.11.13 Neuss : Platini erlangt keine Reform-Mehrheit

UEFA-Chef Michel Platini hat offenbar keine Mehrheit für seine Champions-Leage-Reform gefunden. In Nyon hatte Platini seine Pläne, künftig vier nationale Pokalsieger in der "Königsklasse" zu integrieren, vorgestellt.

jsor2
UEFA-Boss Michel Platini

Michel Platini ist offenbar mit seinen Reform-Vorschlägen für die Champions League gescheitert. Der UEFA-Boss hatte geplant, vier der nationalen Pokalsieger ab der Saison 2009/2010 in der Champions League zu integrieren. Das Ausbleiben einer Mehrheit für die Pläne sickerte nach der Sitzung der Strategie-Kommission der Europäischen Fußball-Union (UEFA), in der auch UEFA-Vize und DFB-Ehrenpräsident Gerhard Mayer-Vorfelder vertreten ist, im schweizerischen Nyon durch.

"Alle an der Sitzung teilnehmenden Vertreter sind der Ansicht, dass es nicht angemessen wäre, über Details der Zusammenkunft zu sprechen. Es wurden große Fortschritte erzielt. Wir werden die Entscheidung der Öffentlichkeit nach der Sitzung des Exekutivkomitees am 30. November bekanntgeben", sagte indes UEFA-Generalsekretär David Taylor zurückhaltend. Die 16-köpfige Strategie-Kommission besteht aus je vier Vertretern der UEFA, der Ligen, der Vereine und der Spielervertreter.

DFB lehnt Teile der Reform ab

Die vom französischen Fußball-Idol Platini beabsichtigte Einbeziehung von Pokalsiegern in die Königsklasse war auch vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) abgelehnt worden. "Unser Pokal ist ein funktionierender Wettbewerb, da brauchen wir keinen Champions-League-Platz", hatte DFB-Präsident Theo Zwanziger erklärt. Auch Liga-Chef Reinhard Rauball hatte im persönlichen Gespräch mit Platini den Standpunkt der DFL erläutert: "Ich habe ihm erklärt, dass nicht der Pokalsieger, sondern der Meisterschaftsdritte an der Champions League teilnehmen soll. Das ist auch die Position einiger anderer Verbände."

Auf Zustimmung in der Strategie-Kommission ist allerdings augenscheinlich Platinis Ansinnen gestoßen, den Meistern aus Ländern, die nicht zu den Top 12 Europas gehören, ebenfalls den Zugang zur Champions League zu ermöglichen und so die Zahl der in der Königsklasse vertretenen Verbände auszuweiten.

Reform des UEFA-Cups so gut wie sicher

Dieses Versprechen war mitentscheidend für die Wahl Platinis im Januar dieses Jahres in Düsseldorf zum neuen UEFA-Präsidenten anstelle des bisherigen Amtsinhabers Lennart Johansson (Schweden). Wie allerdings die künftige Verteilung der Champions-League-Startplätze aussehen wird, wurde im Detail nicht bekannt.

Es zeichnen sich aber folgende Szenarien ab: Möglicherweise müssen die europäischen Topligen auf einen vierten Startplatz in der Königsklasse verzichten, oder der jeweilige vierte Ligavertreter muss mehr Qualifikationsrunden überstehen. Dafür könnte möglicherweise künftig der dritte Teilnehmer der Topligen automatisch in die lukrative Gruppenphase der Champions League integriert werden.

Zu erwarten ist, dass die UEFA-Exekutive auch eine Reform des UEFA-Cups ab 2009/2010 beschließen wird. Der UEFA-Pokal soll nach einigen Qualifikationsrunden demnächst in zwölf Gruppen a vier mit Hin- und Rückspiel ausgetragen werden. Die beiden Gruppensieger (24 Teams) qualifizieren sich für die K.o.-Runde, in der dann noch die acht Dritten aus der Champions League eingreifen würden.