2007.11.14 Neuss : Test-Gala lässt das "Schumi"-Fieber zurückkehren

Auch wenn er sein Comeback weiter ausschließt, lässt Michael Schumacher ganz Italien dank seiner Test-Gala träumen: "Er ist wie ein König auf die Rennstrecke zurückgekehrt", jubelte die Gazzetta dello Sport.

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Schnell wie eh und je: Michael Schumacher in Barcelona

Eigentlich war alles wie früher, als Michael Schumacher nach seinem sensationellen Kurz-Comeback entspannt und mit strahlendem Gesicht über seine Eindrücke plauderte. Kamera-Teams, Fotografen und Journalisten bildeten eine große Menschentraube in Barcelona, wo sich der Rekord-Weltmeister 387 Tage nach seinem letzten Formel-1-Rennen bei seinen ersten offiziellen Testfahrten für Ferrari standesgemäß mit Bestzeiten am Dienstag und Mittwoch zurückgemeldet hatte.

"Bevor ich ins Auto stieg, war ich wirklich etwas nervös", gab Schumacher nach seiner Rückkehr in die "rote Göttin" zu, mit der er am Dienstag 64 und am Mittwoch sogar 90 Runden fuhr: "Aber das hat sich dann schnell gelegt. Ich war neugierig, wie sehr ich eingerostet bin." Nicht sonderlich, wie die Rundenzeiten des 38-Jährigen zeigten. "Es hat super Spaß gemacht. Ein bisschen gefehlt hat mir das Fahren schon", räumte Schumacher ein, aber an die generelle Rückkehr in die "Königsklasse" denkt er nicht: "Das steht überhaupt nicht zur Diskussion. Wir haben doch genug gute deutsche Fahrer."

Lobeshymnen der italienischen Presse

In Italien hatten die Tifosi nach Schumachers Gala-Vorstellung am Dienstag bereits vom Comeback des siebenmaligen Weltmeisters geträumt. Die Gazetten im Ferrari-Land überschlugen sich mit Lobeshymnen für den schnellsten "Früh-Rentner" der Welt.

"Er ist wie ein König auf die Rennstrecke zurückgekehrt", titelte die Gazzetta dello Sport. "Er ist kein Rentner, er ist immer noch der alte Meister", schrieb Tuttosport: "Er ist immer noch Kaiser Schumi. Für ihn vergeht die Zeit nicht, weil er die Zeit besiegt." Und nicht nur die La Repubblica stellte die Frage nach einem "echten" Comeback: "Er hat nicht das Image eines Rentners, sondern eines Meisters, der der Formel 1 noch viel geben könnte."

Doch Schumacher selbst hatte schon vor dem ersten Kilometer am Dienstag in der "roten Göttin" klipp und klar erklärt, dass es für ihn kein Zurück gibt. "Meine Entscheidung ist unwiderruflich", hatte der 38-Jährige erklärt.

Spaß hatte er dennoch bei seiner "Amtshilfe" für Ferrari. Da er im Gegensatz zu Weltmeister Kimi Räikkönen (Finnland) und Felipe Massa (Brasilien) aus früheren Tagen Erfahrung mit Formel-1-Autos ohne Traktionskontrolle hat, stieg der heutige Ferrari-Berater wieder ins Cockpit. Ab der kommenden Saison sind solche elektronischen Hilfen in der "Königsklasse" wieder verboten, und nicht nur für Ferrari begann in Barcelona mit den ersten Tests die "neue alte Zeit". "Ich glaube, dass ich dem Team einen guten Input geben konnte. Insofern hat es gut zusammengepasst: meine Freude am Fahren und die Hilfe fürs Team", sagte der Kerpener.

Keine Überraschung für Haug

Wie konkurrenzfähig Schumacher dabei noch ist, erfreute und verblüffte alte Kollegen und Weggefährten. "Dass er es nach einem Jahr noch hundertprozentig kann, überrascht mich nicht", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. "Er ist immer noch der schnellste Fahrer der Welt. Es war, als wäre er einen Tag weg gewesen und nicht ein Jahr", sagte Ferrari-Testpilot Luca Badoer (Italien), seit Jahren ein guter Kumpel des Kerpeners.

Und selbst der schottische Red-Bull-Pilot David Coulthard - in früheren Jahren nicht gerade ein Freund Schumachers - hatte nur Lob parat. "Wer an Michaels Qualitäten auch nur eine Minute gezweifelt hatte, der ist nicht von dieser Welt. Er hat nichts verloren und würde in der Formel 1 sofort wieder ganz nach vorne fahren", sagte "DC" der Bild-Zeitung und verglich Schumacher sogar mit Ex-Beatle Paul McCartney. Der habe "auch nie verlernt, gute Musik zu machen. Michael wird nie verlernen, verdammt schnell Auto zu fahren."

Coulthard empfahl Schumacher sogar - wie zuvor schon einmal Williams-Mitbesitzer Patrick Head - seinem Ex-Team McLaren-Mercedes als Nachfolger von Fernando Alonso. Das hatte Schumachers Manager Willi Weber aber schon vor geraumer Zeit als "völlig absurd und abwegig" bezeichnet. Wenn es wirklich ein Comeback gäbe, wonach es nicht aussähe, sagte Weber dem sid, dann nur bei Ferrari.