2007.11.18 Neuss : "So ein Unsinn" - Lehmann bestreitet "Fingerzeig"

Nationaltorhüter Jens Lehmann hat bestritten, die Zuschauer beim EM-Qualifikationsspiel gegen Zypern in Hannover mit dem Mittelfinger beleidigt zu haben. "Ich habe so etwas noch nie gemacht", erklärte der Routinier.

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Jens Lehmann weist Vorwürfe energisch zurück

Der überzeugende Auftritt der deutschen Nationalmannschaft beim 4:0 (2:0) im EM-Qualifikationsspiel gegen Zypern wird von der Diskussion um eine mögliche Entgleisung von Jens Lehmann getrübt. "So ein Unsinn. Ich habe so etwas noch nie gemacht", bestritt die deutsche Nummers eins unmittelbar nach seinem 50. Länderspiel vor dem kurzen Nachtflug der DFB-Auswahl nach Frankfurt/Main vehement, dass er mit einer üblen Geste (Stinkefinger) die Zuschauer in Hannover beleidigt haben soll.

Provokative Rufe nach Lokalmatador Enke

Beim 50. Sieg der deutschen Mannschaft in der EM-Qualifikation soll der bei seinem Klub FC Arsenal zur Nummer zwei degradierte Schlussmann mit ausgestrecktem Mittelfinger auf die Rufe nach Lokalmatador Robert Enke reagiert haben, nachdem sich Lehmann zuvor einen verunglückten Ausflug aus seinem Strafraum geleistet hatte. Die Bilder dokumentieren allerdings nur, dass der 38-Jährige sich in dieser Handhaltung an den Kopf fasst.

DFB-Präsident Theo Zwanziger und Bundestrainer Joachim Löw nahmen die deutsche Nummer eins vehement in Schutz. "Ich weiß, dass er Respekt vor den Fans hat. Er weiß, dass es keinen Grund gibt, Gesten zu machen, die Fans verletzen können. Ich muss hier mal eine Lanze für Jens Lehmann brechen", sagte Zwanziger am Sonntag in der Sendung Doppelpass im DSF. Genauso äußerte sich Löw: "Jens würde so etwas nie tun. Es gibt ja auch keinen Grund dafür."

Bei der WM 1994 in den USA wurde Mittelfeldstar Stefan Effenberg nach seiner Stinkefinger-Aktion in Richtung der deutschen Fans in Dallas vom damaligen Bundestrainer Berti Vogts und in Absprache mit dem damaligen DFB-Präsident Egidius Braun aus dem WM-Kader verbannt.

Podolski sorgt für Glanzpunkte

Unabhängig von dieser strittigen Szene bereitete der WM-Dritte den 45.016 Zuschauern einen unterhaltsamen Abend, zu dem Clemens Fritz, der nach 72 Sekunden den bislang schnellsten Treffer in der Ära Löw erzielte, Miroslav Klose (20.), der überragende Lukas Podolski (53.) und Thomas Hitzlsperger (82.) mit ihren Toren maßgeblich beitrugen. "Wir wollten uns für das 0:3 gegen Tschechien rehablitieren. Das ist uns ganz gut gelungen", meinte denn auch ein zufriedener Löw, der aufgrund von insgesamt neun Ausfällen, darunter das komplette WM-Mittelfeld Torsten Frings, Bernd Schneider und Michael Ballack, einmal mehr eine neue Formation ins Rennen schicken musste.

Mann des Abends war Bayerns Edelreservist Lukas Podolski, der nicht nur an allen Treffern beteiligt war, sondern in seiner ungewohnten Rolle im linken Mittelfeld ungewohnte Qualitäten als Spielgestalter bewies. "Ich habe immer gesagt, ich weiß was ich kann. Ich kann diese Position spielen, das habe ich dem Bundestrainer gesagt, als er mich am Vortag beim Abendessen gefragt hat, ob ich mir diese Rolle zutraue", erklärte der 22-Jährige nach seinem Galaauftritt und fügte mit Gruß an seinen Klubtrainer Ottmar Hitzfeld vieldeutig hinzu: "Ich fühle mich immer wohl, wenn ich zur Nationalmannschaft komme. Ich spüre das Vertrauen des Trainerstabes, dann kann man auch eine gute Leistung finden."

Auch Löw war von der Leistung seines Ersatz-Linken, der nur durch die Verletzung seines Klubkollegen Bastian Schweinsteiger in die Startelf gerutscht war, begeistert. "Poldi hat wirklich ein klasse Spiel gemacht. Wie er die Tore vorbereitet hat, war schon sehenswert. Deshalb habe ich mich über sein Tor sehr gefreut, mit dem er seine starke Leistung gekrönt hat", urteilte der 47-Jährige.

"Haben wir uns wieder Nachlässigkeiten erlaubt"

Der Bundestrainer fand trotz des Sieges gegen die Zyprer, durch die der WM-Dritte in der Gruppe D vor dem abschließenden Spiel am Mittwoch gegen Wales in Frankfurt/Main (20.30 Uhr/live in der ARD) seine Chance auf den Gruppensieg gewahrt hat, ein Haar in der Suppe. "Ich hätte mir gewünscht, dass wir das hohe Tempo über die gesamte Spielzeit gehalten hätten. In einigen Phasen haben wir uns wieder Nachlässigkeiten erlaubt, die dann auch zu Chancen der Zyprer geführt haben", sagte der Bundestrainer, der im selben Atemzug zum Jahresabschluss gegen die Waliser eine Sieg forderte, um dann als Gruppenerster am 2. Dezember zur EM-Auslosung nach Luzern zu fahren.

Dass seine Mannschaft gegen Wales wieder einen Gang zurückschalten könnte, glaubt Löw nicht: "Diese Sorge muss ich nicht haben, dafür hat die Mannschaft in den vergangenen Tage zu hart gearbeitet. Jeder weiß, worauf es ankommt." Das bekräftigte auch Christoph Metzelder: "Wir sind eine sehr gehorsame Mannschaft und setzen das um, was der Trainer uns vorgibt."