2007.11.22 Neuss : America's Cup 2009 wird verschoben

Wegen des Rechtstreits zwischen Titelverteidiger Alinghi und BMW ORACLE Racing findet der America's Cup 2009 nicht wie geplant statt. Die Regatten vor der Küste Valencias wurden auf unbestimmte Zeit verschoben.

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Die Austragung der Regatten vor Valencia ist fraglich

Was sich seit Tagen bereits anbahnte, ist nun Gewissheit. Der Rechtstreit zwischen Titelverteidiger Alinghi (Schweiz) und dem US-Syndikat BMW ORACLE Racing hat der für 2009 geplanten Austragung des 33. America's Cup in Valencia endgültig allen Wind aus den Segeln genommen. Am Donnerstagnachmittag verschoben die Organisatoren die Veranstaltung aufgrund fehlender Planungssicherheit auf unbestimmte Zeit. Damit wird der Cup im Format der 32. Auflage mit Vorregatten und Herausforderer-Runde wohl frühestens wieder 2011 ausgetragen. 2010 war als mögliches Veranstaltungsjahr aufgrund terminlicher Kollisionen mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika zuletzt ausgeschlossen worden.

"Die Unsicherheit über den Ausgang des Rechtsstreits hat uns keine Wahl gelassen und uns zu diesem Schritt gezwungen. Viele Indikatoren zeigen uns, dass der Cup nicht unter den gleichen Standards wie bei der 32. Auflage hätte durchgeführt werden können", hieß es in einer Mitteilung der Organisatoren. Damit steht auch das deutsche Syndikat Team Germany, das Halbfinal-Ambitionen hegte, trotz der Verpflichtung des dreimaligen Olympiasieger Jochen Schümann (Penzberg) sowie der Zusammenstellung einer schlagkräftigen Mannschaft womöglich vor einer ungewissen Zukunft.

Alle Herausforderer in der Warteschleife

"Wir sind natürlich sehr enttäuscht", sagte Team-Germany-Skipper Karol Jablonski dem sid: "Wir waren sehr gut im Plan. Es war unsere Stärke, dass wir mit den Vorbereitungen früh angefangen haben. Jetzt ist die Situation ungewiss." Dass die deutsche Kampagne an der Verschiebung und den damit verbundenen höheren Kosten zerbrechen könnte, glaubt der Deutsch-Pole jedoch nicht: "Ich habe keine Angst davor. Wenn wir mehr Konkretes wissen, werden wir reagieren und den Sponsoren ein Konzept präsentieren."

"Wir sind extrem enttäuscht", meinte Schümann: "In den vergangenen Wochen haben wir im Rahmen unterschiedlichster Gespräche mit allen beteiligten Parteinen alles getan, um die angestrebte Austragung des 33. America's Cup in 2009 sicherzustellen. Leider sind wir hierbei erfolglos geblieben. In den kommenden Wochen werden wir unser Team in Valencia zusammenhalten, unsere Strategie überarbeiten und die Zeit für entsprechende Gespräche mit unseren Wirtschaftspartnern nutzen."

Neben den Deutschen hatten bisher das britische TeamOrigin, das Team Shosholoza (Südafrika), die Desafio Espanol (Spanien), das Team New Zealand sowie das spanische Team Ayre und die italienische Kampagne Mascalzone Latino die Alinghi herausgefordert. Die beiden letztgenannten Syndikate waren erst zu Wochenbeginn gemeldet worden und können ihre Bemühungen um Wettbewerbsfähigkeit nun erst einmal wieder einstellen.

Alinghis Team-Koordinator spricht von "Erpressung"

BMW ORACLE hatte Alinghi bereits im vergangenen Juli eine zu einseitige Gestaltung der Statuten für den 33. Cup vorgeworfen und vor dem Obersten Gerichtshof in New York Klage gegen das vorgelegte Protokoll eingelegt. Neben einer ersten Anhörung vor Richter Herman Cahn im Oktober überboten sich beide Parteien zuletzt mit gegenseitigen Kompromissangeboten und Ultimaten, die jedoch allesamt abgelehnt wurden oder verstrichen. Auch nach der Verschiebung zeigten sich beide Teams weiter wenig kompromissbereit.

"Es ist sehr enttäuschend, dass sich BMW ORACLE dazu entschieden hat, die gesamte Veranstaltung durch ihre Aktivitäten vor Gericht zu erpressen", meinte Alinghis Team-Koordinator Grant Simmer. Der die Amerikaner vertretende Golden Gate Yacht Club bezeichnete die Verschiebung in einer ersten Stellungnahme derweil als "unglücklich und unnötig". Es habe genug Möglichkeiten gegeben, das Protokoll umzugestalten.