2007.11.23 Neuss : America's-Cup-Absage wirft viele Fragen auf

Die Absage des 33. America's Cup hat das United Internet Team Germany schwer getroffen. Das deutsche Segel-Syndikat fürchtet erhebliche Mehrkosten, auch einen Rückzug hält der Kampagnen-Chef Michael Scheeren für möglich.

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Kampagnen-Chef Michael Scheeren

Was die Absage des 33. America's Cup vor der Küste Valencias für konkrete Folgen hat, bleibt noch abzuwarten. Beim deutschen Segel-Syndikat United Internet Team Germany werden schon verschiedene Zukunftszenarien gemalt - und auch ein vorzeitiges Ende der Kampagne scheint nicht ausgeschlossen. "Natürlich besteht die Gefahr, dass das Team zerbricht. Wir fangen nun praktisch wieder bei Null an", sagte Kampagnen-Chef Michael Scheeren im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Das Projekt war klar gefasst, alle Verträge waren unterschrieben. Jetzt ist alles ungewiss und man muss sich mit den Parteien wieder neu zusammensetzen. Unsere Enttäuschung ist sehr groß."

Am Donnerstagnachmittag hatten sich die Cup-Organisatoren entschieden, die Veranstaltung aufgrund des Rechtsstreits zwischen dem Schweizer Titelverteidiger Alinghi und dem US-Syndikat BMW ORACLE Racing sowie der dadurch fehlenden Planungssicherheit auf einen noch unbestimmten Zeitpunkt zu verlegen. 2010 kommt als Austragungsjahr wegen der terminlichen Kollision mit der Weltmeisterschaft in Südafrika wohl nicht in Frage. Somit könnte der nächste Cup erst 2011 steigen.

Team Germany fürchtet gewaltige Mehrkosten

Neben der Enttäuschung und der nervlichen Belastung für die bisher sieben gemeldeten Herausforderer ist die Verschiebung vor allem mit höheren Kosten verbunden. Bis zum Cup-Beginn kalkulierten die Deutschen bisher mit einem jährlichen Budget von rund 20 Millionen Euro. Sollte die Veranstaltung erst zwei Jahre später als bisher geplant wieder ausgetragen werden, könnten Mehrkosten von bis zu 40 Millionen Euro entstehen.

"Wir müssen jetzt sehen, dass wir das Team zusammenhalten und mit den Sponsoren reden. Aber wie soll man die Sponsoren von etwas überzeugen, ohne ihnen sagen zu können, wofür genau sie ihr Geld geben?", meinte Scheeren, gab sich aber kämpferisch: "Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass wir das Problem gemeinsam mit unseren Partnern lösen können. Schließlich wollten alle dieses Team."

Hauptsponsoren halten sich bedeckt

Bei den beiden Hauptsponsoren hielt man sich auf sid-Anfrage allerdings noch bedeckt. "Wir müssen uns gemeinsam mit den anderen Sponsoren beraten", sagte United-Internet-Sprecher Marcus Schaps: "Eine Austragung 2011 wäre aber schon sehr problematisch." Iris Altig, Sprecherin der Audi-Sportkommunikation, ergänzte: "Momentan gibt es ja nichts Konkretes. Wir müssen die Entwicklung abwarten und mit dem Team reden."

Positiver äußerte sich Technologie-Partner Porsche. "Wir haben weiterhin großes Interesse am America's Cup. Unsere Berater bleiben weiterhin in Valencia, denn wir gehen davon aus, dass die Verschiebung noch nicht endgültig ist", sagte Unternehmenssprecher Albrecht Bamler dem sid.

Während Scheeren eine "Kostenreduzierung" in Aussicht stellte, kündigte auch Teamchef Jochen Schümann weitere Unterredungen mit den Geldgebern an: "Wir werden unsere Strategie überarbeiten und die Zeit für entsprechende Gespräche mit unseren Wirtschaftspartnern nutzen." Der neue Steuermann Karol Jablonski sagte: "Ich habe keine Angst, dass das Team zerbricht. Wenn wir Konkreteres wissen, werden wir reagieren und den Sponsoren ein Konzept präsentieren."

Urteilsspruch im Streit lässt auf sich warten

Auslöser der scheinbar verfahrenen Situation sind die starren Positionen Alinghis und BMW ORACLES im Streit um die Statuten des 33. Cups. Die Amerikaner werfen den Schweizern eine zu einseitige Regelgestaltung; sie hatten bereits im Juli vor dem Obersten Gerichtshof von New York Klage gegen das Cup-Protokoll eingelegt.

Nach einer ersten Anhörung im letzten Monat vor Richter Herman Cahn, der mit seinem Urteilsspruch weiter auf sich warten lässt, überboten sich beide Parteien zuletzt mit Kompromissangeboten und Ultimaten, die jedoch allesamt abgelehnt wurden oder verstrichen.

Scheeren: "Kein Verständnis mehr für Oracle"

Sollte BMW ORACLE Recht bekommen, könnte es gemäß den Bestimmungen der Stiftungsurkunde im kommenden Jahr zu einem Duell zwischen den Amerikanern und Alinghi um den Cup kommen - ohne Beteiligung anderer Teams.

"Eine geringe Hoffnung, dass wir 2009 segeln können, habe ich aber noch. Wir machen erstmal weiter wie bisher und warten den Urteilsspruch in New York ab", sagte Scheeren: "Für das Verhalten von Oracle habe ich kein Verständnis mehr. Ich hoffe, dass sie wenigstens bei einer Niederlage vor Gericht so vernünftig sind und nicht in Berufung gehen. Das würde alles noch weiter verzögern."