2007.11.24 Neuss : Sinkewitz: "Der Bundestrainer wusste es ja"

Der ehemalige T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz hat durch sein Dopinggeständnis den ehemaligen Bundestrainer Peter Weibel und den BDR schwer belastet. Laut Sinkewitz wusste Weibel über das Doping Bescheid.

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Erhebt schwere Vorwürfe: Patrik Sinkewitz

Der ehemalige Radsport-Bundestrainer Peter Weibel und der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) sehen sich massiver Vorwürfe seitens des ehemaligen T-Mobile-Fahrers Patrik Sinkewitz ausgesetzt. Sinkewitz, der eine Woche zuvor als Kronzeuge vom Sportgericht des BDR mit einer Sperre von nur einem Jahr belegt worden war, erklärte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: "Ich habe mich 2000 erstmals mit EPO-Doping befasst."

Damals habe er sich vor der Weltmeisterschaft im französischen Plouay bei Weibel erkundigt. Dieser habe ihm das Blutdopingmittel, das er dann problemlos ohne Rezept in der Apotheke erhalten habe, zwar nicht direkt empfohlen, "aber er hat auch nicht abgeraten", sagte der 27-Jährige. Auch der BDR habe von der Sache gewusst und ihn "geschützt", so Sinkewitz.

Sinkewitz: "Er wusste es ja, und dass es nicht nur in Frankreich war"

Laut Sinkewitz habe Weibel gewusst, dass der Fahrer EPO genommen habe. "Ja, natürlich. Deshalb hat er ja selbst die Blutwerte nachgemessen." Wie der Bundestrainer darauf reagiert habe? "Gar nicht. Er wusste es ja, und dass es nicht nur in Frankreich war. Wir waren da ja schon zwei Wochen unterwegs, im Trainingslager, bei Rennen zuvor in Deutschland. Und ich hatte das EPO ja rechtzeitig vorher abgesetzt."

Peter Weibel, der im Mai suspendiert worden war, weil er Nachwuchssportler gedopt haben soll, war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Am Samstag bestätigte der BDR, dass sich die Vorwürfe von Sinkewitz gegen den Ex-Bundestrainer und den ehemaligen Verbandsarzt Georg Huber mit der Aussage in seinem Sportgerichtsverfahren decken.

Das Präsidium des BDR hatte in einer Reaktion auf das Zeitungs-Interview von Patrik Sinkewitz Unzufriedenheit mit dem Urteil des Bundessportgerichts gegen den Doping-Kronzeugen gezeigt. Man werde es "trotz erheblicher Bedenken akzeptieren", hieß es in einer am Samstag veröffentlichten Pressemitteilung, "allerdings nur dann, wenn Patrik Sinkewitz den schweren wirtschaftlichen Schaden, den er dem Radsport zugefügt hat, wenigstens symbolisch ausgleicht." Der für ein Jahr gesperrte Sinkewitz wurde zur Zahlung von 40.000 Euro verurteilt und sieht sich härter bestraft als Dopingsünder in der Vergangenheit.