2007.11.30 Neuss : Der Abschied von Box-Königin Halmich

Regina Halmich verabschiedet sich in ihrer Heimatstadt Karlsruhe heute vom aktiven Boxsport. In ihrem letzten Profikampf will die Weltmeisterin ihren Titel gegen Shmoulefeld Finer aus Israel noch einmal verteidigen.

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Regina Halmich will ein letztes Mal jubeln

Schier eine Ewigkeit steht Regina Halmich schon im Ring. Nun ist die Weltmeisterin im Fliegengewicht am Ende ihrer Karriere angekommen. Am heutigen Freitag (22.15 Uhr/live im ZDF) verabschiedet sich die Box-Königin in ihrer Heimatstadt Karlsruhe vom aktiven Profisport. Dabei will Halmich ihren Titel gegen Herausforderin Hagar Shmoulefeld Finer (Israel) ein letztes Mal verteidigen. Nach 13 Jahren, acht Monaten und 26 Tagen als Profiboxerin wird es ihr endgültiger Abschied aus dem Ring. Das letzte Hurra nach einer einmaligen Sportkarriere.

"Mit einer Niederlage trete ich nicht ab"

"Ich werde nicht verlieren und deutlich gewinnen", hat Halmich bereits angekündigt. 7500 Zuschauer in der Arena in Karlsruhe und Millionen an den TV-Geräten wollen bei der Abschiedsgala in ihrer badischen Heimat dabei sein. Verlieren ist dabei verboten, denn nur bei einem Erfolg, nur beim 54. Sieg im 56. Profikampf, könnte die 1,60 Meter kleine Blondine wirklich aufhören: "Mit einer Niederlage trete ich auf keinen Fall ab."

Regina Halmich hatte sich deshalb in den letzten sechs Wochen vor dem Fight nach Berlin zurückgezogen und im Gym der Universum Box-Promotion noch einmal mit Trainer Torsten Schmitz die harte Vorbereitung durchgezogen. Die Glamour- und PR-Termine hatte sie zuvor erledigt. Volle Konzentration auf diesen einen Abend. "Ich habe alles getan und gemacht, bin optimal vorbereitet und voll fixiert auf den Kampf", sagt Halmich.

Ihre 23 Jahre alte Gegnerin hat mit 14 Siegen aus 22 Kämpfen nicht annähernd die Erfolge aufzuweisen wie Halmich. Die Rolle als Opfer bei der großen Gala aber will Shmoulefeld nicht spielen. "Mein Respekt gilt Regina, die viel für das Frauenboxen getan hat", sagt die Normalauslegerin, die eigentlich eine Gewichtsklasse höher kämpft, "aber im Kampf will ich sie besiegen".

Eine Niederlage, ein Unentschieden

Das haben die anderen Gegnerinnen in ihren Kämpfen auch gesagt, aber nur der Amerikanerin Yvonne Trevino in Halmichs zehntem Kampf im April 1995 ist es gelungen, als die Karlsruherin in Las Vegas wegen eines Cuts an der Wange aufgeben musste. Daneben blieb das geschenkte Unentschieden gegen Elena Reid im November 2004 der einzige Makel in Halmichs Laufbahn.

"Eine großartige Karriere neigt sich dem Ende zu", erklärte Universum-Boss Klaus-Peter Kohl, der die gelernte Anwaltsgehilfin 1994 für ein Monatsgehalt von 3500 Mark unter Vertrag nahm. Mit Ehrgeiz, Disziplin und großer Willenskraft setzte sich Halmich gegen die Vorurteile der männlichen Sportler durch und etablierte mit ihren Erfolgen und durch ihre Persönlichkeit das Frauenboxen als anerkannte Sportart. "Wenn man vom Frauenboxen spricht, dann meint man Regina Halmich", sagt Schwergewichtler Luan Krasniqi.

Halmich hat alles dafür getan, die nötige Aufmerksamkeit für sich und ihren Sport zu schaffen. Erotische Fotos in diversen Herren-Magazinen gehörten ebenso dazu wie unzählige Auftritte in diversen Talk-, Rate- und sonstigen TV-Shows. Eindeutiger Höhepunkt und Durchbruch war der erste "Kampf" gegen TV-Clown Stefan Raab, dem sie 2001 die Nase brach. "Damals haben siebeneinhalb Millionen Leute zugeschaut", erinnert sich Halmich: "Das hat für meine Popularität eine große Rolle gespielt."