2007.12.02 Neuss : Kaka zu Europas Fußballer des Jahres gewählt

Der Brasilianer Kaka ist erstmals zu Europas Fußballer des Jahres gewählt worden. Der 25 Jahre alte Spielmacher des AC Mailand verwies Cristiano Ronaldo und Lionel Messi auf die Plätze zwei und drei.

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Kaka ist Europas Fußballer des Jahres

Europas Fußballer des Jahres kommt aus Brasilien und heißt Kaka. Der Offensivspieler von Champions-League-Sieger AC Mailand setzte sich bei der Wahl der französischen Zeitschrift France Football mit 444 Punkten klar vor dem Portugiesen Cristiano Ronaldo (Manchester United/277) und dem Argentinier Lionel Messi (FC Barcelona/255) durch und wurde mit dem goldenen Ball ausgezeichnet. Das Votum wurde von Journalisten aus 96 Ländern durchgeführt.

Als bester Bundesliga-Profi erreichte Franck Ribery von Rekordmeister Bayern München den 17. Platz (10 Punkte). Sein Klubkollege Miroslav Klose erhielt keinen Zähler und wurde mit 14 weiteren Profis auf Rang 36 platziert.

"Um ehrlich zu sein, habe ich ein wenig damit gerechnet. Ich habe die Champions League gewonnen, war der beste Torschütze, das hat den Unterschied zu den anderen gemacht. Das ist der Schlüssel: du musst in einem Gewinner-Team spielen", kommentierte der Südamerikaner die Wahl.

Kaka Favorit auf Titel des Welt-Fußballers

Der 25-jährige Kaka tritt die Nachfolge des italienischen Weltmeisters Fabio Cannavaro (Real Madrid) an und gilt auch als Favorit für die Wahl des Welt-Fußballers, der am 17. Dezember in Zürich gekürt wird. Kaka ist nach Ronaldo (1997, 2002), Rivaldo (1999) und Ronaldinho (2005) der vierte Brasilianer, der als bester Spieler in Europa ausgezeichnet wurde.

Nach einem herausragenden Jahr 2007 darf sich Kaka wohl endgültig als Weltbester seines Fachs fühlen. In einem Interview mit dem italienischen Lifestyle-Magazins GQ sieht sich der dribbelstarke Fußball-Ästhet jedoch noch nicht am Ziel. "Ich weiß, dass ich unter den besten der Welt bin, aber ich habe noch nicht mein Maximum erreicht. Fußballspielen ist eine Gabe, aber man muss hart dafür arbeiten", sagt einer, dessen Karriere keinen Klischees folgt.

Kein Aufstieg aus den Favelas, kein Spielen von früh bis spät auf Bolzplätzen. Ricardo Izecson Santos Leite, dessen jüngerer Brüder Rodrigo als Kind seinen Vornamen nur als Kaka aussprechen konnte, wuchs in relativ wohlhabenden Verhältnissen auf. Vater Bosco bezahlte für seinen Filius die Fußballschule beim FC Sao Paulo, ehe der Erstligist aus Kakas Wohnviertel Morumbi das Talent des damals Zwölfjährigen entdeckte und förderte.

Nach Profidebüt 2001 und Nationalmannschaftspremiere 2002 ging es im Sommer 2003 nach Europa. Der AC Mailand schnappte sich den antrittsschnellen Techniker mit Blick für Raum und Nebenmann für acht Millionen Euro. Jüngst soll Real Madrid das 7,5-fache plus zwei Spieler für den Milan-Star geboten haben. Doch dieser verlängerte bei den Lombarden bis 2012 und erhält laut Gazzetta dello Sport nun jährlich neun Millionen Euro.

Kaka will nach Karriereende in die Kanzel

Die Investition machte sich in diesem Jahr bezahlt. Mit zehn Toren führte Kaka den AC Mailand zum Triumph in der Champions League, dem größten Fußball-Festtag in einem Jahr ohne WM und EM. In der "Selecao" überstand Kaka Brasiliens WM-Debakel 2006 ohne größere Schrammen. Und selbst der Verzicht auf die Copa America im Sommer sorgte nur kurz für Verstimmung bei Nationaltrainer Dunga, in dessen Ära der neue Frontmann mit neun Treffern Top-Torjäger ist.

Auch wenn er elegantes Outfit schätzt, scheut Kaka öffentliche Auftritte. Da überrascht auch nicht der im GQ-Interview geäußerte Zukunftsblick. "Nach Karriereende würde ich gern evangelischer Pastor werden. Es handelt sich um einen anstrengenden Weg: Man muss Theologie studieren und die Bibel-Kenntnisse vertiefen", verkündete der Musterprofi.