2007.12.05 Neuss : McLaren relativiert Ausmaße der Spionage-Affäre

McLaren-Mercedes hat einige Spionage-Vorwürfe, die der Rennstall gegen Konkurrenten Renault erhebt, relativiert. Es seien weniger Personen und Daten in die Affäre verwickelt, als zunächst angenommen.

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McLaren-Mercedes relativiert Vorwürfe in der Spionageaffäre

Die Ausmaße des Spionage-Skandals zwischen McLaren-Mercedes und Renault sind wohl geringer als bisher angenommen. Der britisch-deutsche Formel-1-Rennstall hat einige gegen den französischen Konkurrenten erhobene Anschuldigungen, die über einen Journalisten an die Öffentlichkeit gelangt waren, relativiert. Damit kam McLaren-Mercedes, einen Tag vor der Anhörung Renaults durch den Automobil-Weltverband FIA, einem Wunsch der FIA nach. Die "Silberpfeile" räumten in einer Presseerklärung am Mittwochabend ein, dass nach ihren Informationen nicht wie zunächst verbreitet 18 Renault-Mitarbeiter die fraglichen McLaren-Daten gesehen hätten, und sie schränkten auch den Umfang der fraglichen Daten ein.

"Das war ungenau", hieß es in dem Statement zu der Zahl der 18 Mitarbeiter. Es hätten vielmehr 18 Zeugenaussagen von 13 Renault-Mitarbeitern vorgelegen. 9 davon hätten eingeräumt, dass sie vertrauliche McLaren-Daten angeschaut und darüber diskutiert hätten.

Geheime Daten auf elf Disketten

Die Aussage, dass sich die Daten auf elf Renault-Computern befunden hätten, wurde auch zurückgezogen. Die Daten, die der frühere McLaren-Mitarbeiter Phil Mackereth bei seinem Wechsel zu Renault mitgenommen hat, hätten sich auf elf Disketten befunden. Der Inhalt sei im September 2006 von Renault-Mitarbeitern ins Computersystem des Teams geladen und von dort von Mackereth in seinen persönlichen Bereich verschoben worden. Von diesem Bereich seien eine unbekannte Anzahl Kopien gemacht worden.

Die Interpretation durch die Medien, dass alle fraglichen Renault-Mitarbeiter die McLaren-Daten auf Computerschirmen gesehen hätte, wäre auch zu weit gegangen. Neben Mackereth habe lediglich ein weiterer Mitarbeiter die Daten auf dessen Computer gesehen, präzisierte das Team. Die sieben anderen Renault-Angestellten hätten zugegeben, dass sie die Daten als Ausdrucke oder Kopien gesehen hätten.

McLaren-Aussage "Irrtum"

Die McLaren-Aussage, auf den elf Disketten seinen 780 Zeichnungen gewesen, war "ein Irrtum". Es seien lediglich 18 technische Zeichnungen gewesen, alle Daten im Ausdruck würden aber 762 Seiten füllen. Mackereth habe aber zugegeben, dass er Zeichnungen von Stoßdämpfern kopiert habe.

Schließlich erläuterte das Team noch die Annahme, dass die Informationen die kompletten Entwürfe der McLaren-Autos für 2006 und 2007 enthalten hätten. Die Zeichnungen in Kombination mit einem weiteren technischen Dokument stellten "die technische Definition des fundamentalen Aufbaus der 2007er McLaren-Autos und die technischen Details seiner innovativen und leistungssteigernden Systeme" dar.