2007.12.06 Neuss : "König Schumi" im Duell mit "Kronprinz Hamilton"

In Jerez saßen sich Michael Schumacher und Lewis Hamilton am Donnerstag erstmals im Cockpit auf der Rennstrecke gegenüber. Die Nase vorn hatte zunächst "Kronprinz" Hamilton, der um 9.07 Uhr auf die Strecke ging.

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Lewis Hamilton bei Trainingsfahrten in Jerez

Der "König" bat zur Audienz: Auf der Rennstrecke im südspanischen Jerez kam es am Donnerstag zu einem einmaligen Treffen der Formel-1-Generationen zwischen Michael Schumacher und Lewis Hamilton. Der aktuelle Vize-Weltmeister Hamilton fuhr in seinem McLaren-Mercedes erstmals gegen den vor einem Jahr zurückgetretenen Rekord-Champion Schumacher, der bei Ferrari zum zweiten Mal nach seinem Abschied als "Entwicklungshelfer" im Einsatz ist. Zudem kämpft Schumachers jüngerer Bruder Ralf beim Hinterbänkler-Team Force India um seine vielleicht letzte Chance, für 2008 noch ein Cockpit zu erhalten.

Hamilton hat zunächst die Nase vorn

Während der Brite Hamilton in seinem Silberpfeil nach seiner Bestzeit vom Mittwoch diesmal hinter BMW-Sauber-Pilot Robert Kubica (Polen) die zweitbeste Zeit erzielte, gab sich der Kerpener im Ferrari diesmal mit eine halben Sekunden Rückstand auf Hamilton mit Rang acht zufrieden. Schumacher absolvierte ein umfangreiches Programm und testete vor allem die Elektronik. Erst gegen Ende des Tages ließ er einmal die schnelleren profillosen Slicks aufziehen, die Reifenhersteller Bridgestone bereits für 2009 testet.

Am 13. und 14. November in Barcelona war Schumacher, als er 387 Tage nach seinem letzten Rennen erstmals wieder Testfahrten für Ferrari bestritt, jeweils der Schnellste gewesen. Schon am Morgen war jedoch Hamilton ein bisschen fixer gewesen, als er um 9.07 Uhr als erster von beiden auf die Strecke rollte. Schumacher folgte um 9.32 Uhr.

Für Hamilton war das erste Aufeinandertreffen mit Schumacher etwas Besonderes, da er es nicht mehr geschafft hatte, sich noch während der aktiven Karriere des Kerpeners mit ihm zu messen. "Ich war enttäuscht, dass er gerade dann aufhörte, als ich in die Formel 1 kam", sagte Hamilton, der Schumacher "so viele Jahre in der Formel 1 beobachtet" hatte und ihn für einen "phänomenalen Fahrer" hält.

Schumachers jüngerer Bruder Ralf war unterdessen am Donnerstag erstmals nach seinem Abschied von Toyota wieder im Formel-1-Auto unterwegs. Der 32 Jahre alte Kerpener, der noch ein Cockpit für 2008 sucht, testete für das Spyker-Nachfolgeteam Force India, das noch einen Platz neben Stammpilot Adrian Sutil (Gräfelfing) zu besetzen hat.

Letzte Chance für "Schumi II"

Entstanden war Schumachers Einsatz aus Freundschaft zum neuen Teambesitzer, dem indischen Milliardär Vijay Mallya. Aufgrund mangelnder Alternativen ist Force India aber für "Schumi II" inzwischen wohl die letzte Chance, noch in der Königsklasse zu bleiben.

Neben Schumacher, den der Aufbau eines neuen Teams wohl noch einmal reizen würde, standen bei Force India aber auch noch sechs andere Piloten auf dem Testplan für die insgesamt vier Tage in Jerez. Auch Giancarlo Fisichella, Vitantonio Liuzzi (beide Italien), Christian Klien (Österreich), Franck Montagny (Frankreich), Roldan Rodriguez (Spanien) und Giedo van der Garde (Niederlande) hoffen auf einen Vertrag bei den Hinterbänklern. `Schumi II' war in Jerez der langsamste Fahrer und lag sieben Zehntelsekunden hinter Liuzzi im anderen Force India.

Auf eine Verpflichtung als Testfahrer bei Williams spekuliert unterdessen Nico Hülkenberg, der nach seinen überzeugenden ersten beiden Tagen in einem Formel-1-Auto von der Königsklasse schwer beeindruckt war. "Unheimlich, wie schnell das vorwärts geht. Jetzt weiß ich, warum für die Formel 1 eine lange Lehrzeit in den kleineren Klassen notwendig ist", sagte er der Online-Ausgabe des Fachmagazins auto, motor und sport.

Es sei unglaublich, was in so einem Auto alles zu beachten sei. "Die Schalter, die Lichter im Cockpit, die Daten. Und dann diese Verantwortung. Da kommen vier LKWs und 50 Leute nur für die zwei Fahrer an die Strecke, und dieses Auto ist so unheimlich teuer. Das ist kein Kinderspiel mehr", sagte Hülkenberg.