2007.12.06 Neuss : Spionage-Prozess: Renault kommt straffrei davon

In der Spionage-Affäre der Formel 1 ist Renault um eine Strafe herumgekommen. Das World Motor Sport Council der FIA sah zwar einen Verstoß, verzichtete aber auf Sanktionen gegen den Rennstall.

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Aufatmen bei Teamchef Flavio Briatiore

Erleichterung bei Renault: Der Formel-1-Rennstall ist in der Spionage-Affäre um geheime Daten des Konkurrenten McLaren-Mercedes straffrei geblieben. Das teilte der Automobil-Weltverband FIA am Donnerstagabend mit. Renault-Vertreter hatten sich in Monte Carlo vor dem World Motor Sport Council der FIA zu den Vorwürfen geäußert, im Besitz fremden geistigen Eigentums gewesen zu sein. Das World Council befand zwar, dass Renault gegen den Artikel 151c des International Sporting Code verstoßen habe, verhängte aber keine Strafe. Eine Urteilsbegründung will die FIA erst am Freitag veröffentlichen. Der Artikel 151c verbietet "Handlungen gegen den Geist des Sports".

Renault begrüßte in einer Pressemitteilung die Entscheidung. "Ich danke Renault, unserem Sponsor und allen Partner für ihre rückhaltlose Unterstützung in dieser empfindlichen Periode", sagte Teamchef Flavio Briatore. Das Team habe die "Angelegenheit mit Integrität und Würde" behandelt und könne sich nun auf die Vorbereitung der WM 2008 konzentrieren.

Erinnerungen an erstes McLaren-Urteil

Eine ähnliche Entscheidung hatte die FIA am 26. Juli zunächst auch gegen McLaren-Mercedes wegen des Besitzes geheimer Ferrari-Daten getroffen. Weil dem Team damals zwar der Besitz der Daten, aber nicht die Nutzung und Erlangung eines Wettbewerbsvorteil nachgewiesen wurde, blieben die Silberpfeile trotz des Bruchs von 151c straffrei. In einer zweiten Sitzung am 13. September hatte das World Council die Silberpfeile dann aber zu der Rekordgeldstrafe von 100 Millionen Dollar (damals 72 Millionen Euro) und dem Verlust aller Konstrukteurspunkte für 2007 verurteilt, obwohl immer noch keine Beweis für die Nutzung der Daten vorgelegen hatte. Für das neue Urteil hatte gesorgt, dass auch Testfahrer Pedro de la Rosa und der damalige Weltmeister Fernando Alonso (beide Spanien) Ferrari-Informationen erhalten haben sollen.

In der Renault-Affäre soll der frühere McLaren-Mitarbeiter Phil Mackereth bei seinem Wechsel zu den Franzosen auf 11 Computer-Disketten Informationen und Material mitgenommen und ins Computersystem des Rennstalls eingespeist haben. Mindestens neun hochrangige Renault-Mitarbeiter sollen die Daten auch gesichtet und darüber diskutiert haben. Entsprechende Hinweise und Zeugenaussagen hatte McLaren-Mercedes der FIA vorgelegt.

Weitere Entscheidung am Freitag

Die Silberpfeile selbst müssen am Freitag noch einmal eine Entscheidung der FIA abwarten. Dann will der Weltverband über die Ergebnisse einer Untersuchung des McLaren-Mercedes für 2008 beraten, den unabhängige Experten untersucht hatten. Für den Fall, dass die FIA meint, an dem künftigen Auto Ideengut von Ferrari zu entdecken, wäre eine weitere Strafe für 2008 wie beispielsweise ein Vorab-Punktabzug möglich.

Für Renault könnte die Strafverschonung bedeuten, dass sich Alonso zur Rückkehr zu den Franzosen entschließt. Der Spanier hatte sich nach Saisonende vorzeitig bereits nach dem ersten seiner drei Vertragsjahre von McLaren-Mercedes getrennt, weil beide Seiten keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit mehr gesehen hatten. Der Ex-Weltmeister hatte ein von Teamchef Flavio Briatore vorgelegtes Angebot bislang aber nicht akzeptiert.