2007.12.07 Neuss : Kronprinzessin Kentikian will Halmichs-Gürtel

Lange musste "Susi" Kentikian auf ihre Chance warten, heute ist es soweit. Eine Woche nach dem Rücktritt von Regina Halmich will sich die Hamburgerin den WIBF-Titel im Fliegengewicht gegen die Französin Hockmi holen.

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Susi Kentikian will den WIBF-Titel holen

Über zwei Jahre lang wurde Susianna "Susi" Kentikian von ihrem Management auf diesen Augenblick vorbereitet. Am heutigen Freitag (22.45 Uhr/live bei ProSieben) ist es nun soweit: Nur eine Woche nach dem Rücktritt von Box-Queen Regina Halmich soll die Kronprinzessin den WM-Gürtel der Karlsruherin übernehmen. Gegen die Französin Nadia Hockmi boxt die Hamburgerin in ihrer Heimatstadt um den WIBF-Titel im Fliegengewicht, den Halmich unmittelbar nach ihrer letzten Titelverteidigung nach zwölf Jahren niedergelegt hat.

Die 20 Jahre alte Armenierin ist zwar bereits Weltmeisterin des Verbandes WBA, aber der WIBF-Titel zählt für sie emotional viel mehr: "Das ist etwas ganz Besonderes, das ist der Gürtel von Regina", sagt die in 18 Profikämpfen ungeschlagene "Killer-Queen": "Ich habe viele Jahre lang davon geträumt, diesen Gürtel zu haben."

Bislang sind noch alle Träume der nur 1,56 Meter kleinen Boxerin wahr geworden. Mit ihrer Geschichte bedient die lebenslustige und fröhliche Susi schließlich alle Klischees eines märchenhaften Aufstiegs von unten nach ganz oben. Die Familie floh aus dem vom Bürgerkrieg geschüttelten Armenien, als die Tochter fünf Jahre alt war. Über Berlin, Moldawien und Russland führte der Weg schließlich nach Hamburg, wo die Kentikians seit 1996 leben.

Mit 12 Jahren begann die Boxkarriere

Stets aber drohte die Abschiebung. Auf einem Wohnschiff waren sie untergebracht. Der Vater litt an Depressionen, die Mutter war krank. Susi Kentikian trug mit Putzen zum Lebensunterhalt bei. Mit 12 Jahren begann sie mit dem Boxen und entdeckte bald ihr Talent. "Ich konnte beim Sport alles rauslassen", sagte sie, "wenn man so viele Probleme hat wie wir, dann braucht man das."

Anfang 2005 unterschrieb sie ihren ersten Profivertrag bei Spotlight Box-Promotion, der Tochterfirma des großen Universum-Stalls. Kurz zuvor hatte sich auch die Lage der Familie entspannt. "Die große Erleichterung war, dass jeder Arbeit hatte und wir nicht mehr von der Sozialhilfe abhängig waren", erinnert sie sich. Das Bleiberecht war gesichert, die Eltern sind wieder gesund.

Inzwischen hat Kentikian wie ihr armenischer Landsmann Arthur Abraham einen deutschen Pass beantragt. "Den Einbürgerungstest habe ich schon vor vier Monaten bestanden und auf den Sprachtest hat der Beamte mal gleich verzichtet", erzählt sie fröhlich lachend in natürlich fließendem und perfektem Deutsch.

"Das ist kein Märchen, sondern alles harte Arbeit"

Ein Märchen, das am Freitag ein vorläufiges Happyend erlebt? "Nein", sagt Susi Kentikian und ist dabei für einen Moment mal ganz ernst, "das ist kein Märchen, sondern alles harte Arbeit." In Märchen werden schließlich Geschenke verteilt und das Glück fällt vom Himmel. Und außerdem ist die junge Hamburgerin ja noch lange nicht am Ende. "Es geht immer weiter. Wenn ich Reginas Gürtel habe, dann will ich ihn lange verteidigen".