2007.12.14 Neuss : US-Baseball von Dopingkeule getroffen

Spieler von allen 30 Vereinen der US-amerikanischen Major League Baseball stehen laut eines Reports von Ex-Senator George Mitchell unter Dopingverdacht. Präsident George W. Bush verurteilte den Missbrauch.

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MLB-Chef Bud Selig

Die Dopingprobleme im US-amerikanischen Baseball haben jetzt sogar US-Präsident George W. Bush zu einer persönlichen Stellungnahme veranlasst. Bei der Veröffentlichung des seit Monaten mit Spannung erwarteten Reports des früheren US-Senators George Mitchell wurde eine schwarze Liste mit 85 Spielern präsentiert, denen nun die Aberkennung von Rekorden oder eine Sperre droht. Unter ihnen befinden sich auch Superstars wie Homerun-König Barry Bonds oder der schon zu Lebzeiten legendäre Werfer Roger Clemens. Die Major League Baseball (MLB) will in den nächsten Tagen über entsprechende Konsequenzen entscheiden.

Präsident Bush ließ über einen Sprecher verlauten, dass "Dopingmissbrauch ein falsches Signal für unsere Kinder" sei. "Der Präsident glaubt, dass es sehr wichtig ist, dass sich die Major League Baseball dieses Themas annimmt," erklärte Scott Stanzel, ein Sprecher des Weißen Hauses. Bush war früher Mitbesitzer der Texas Rangers.

16 Stars der Yankees unter Verdacht

Dabei sollte am Donnerstag eigentlich der 275 Millionen Dollar schwere Rekordvertrag zelebriert werden, den Alex "A-Rod" Rodriguez bei den New York Yankees unterzeichnete. Doch gerade dem Rekordmeister dürfte kaum nach Feiern zumute sein, nachdem gleich 16 ehemalige und aktuelle Stars der "Bronx Bombers" der Einnahme illegaler Substanzen bezichtigt wurden. "Doping ist eine echte Bedrohung der Integrität des Baseballs. Viele Rekorde müssen nun auf ihre Wertigkeit überprüft werden", resümierte Mitchell, der vor 20 Monaten von der MLB auf Druck der Regierung als unabhängiger Gutachter mit der Untersuchung beauftragt worden war.

Bis dahin galt die Liga als Paradies für Doper, die selbst nach der Einführung von Tests im Jahre 2003 kaum mit ernsthaften Konsequenzen rechnen mussten. Erst bei der fünften Überführung durfte die MLB nach Ermessen eine längere Sperre aussprechen. Dementsprechend harsch fiel Mitchells Kritik aus. Es könne sich niemand aus der Verantwortung stehlen, weder Spieler, Liga noch die Klubbesitzer, die dem Treiben jahrelang im Kollektiv tatenlos zusahen.

Während MLB-Chef Bud Selig in einer ersten Stellungnahme versprach, schnell zu reagieren, ging die mächtige Spielergewerkschaft trotz drückender Beweise auf Distanz. "Der Ruf vieler Spieler könnte für immer ruiniert werden. Deshalb werden wir sicherstellen, dass alle von ihnen im Falle einer Bestrafung von uns verteidigt werden", so Gewerkschafts-Boss Donald Fehr.

Die Organisation wird voraussichtlich die Integrität jener Informanten (ehemalige Spieler, Klubärzte) anzweifeln, die Mitchell über Dopingpraktiken berichteten. "Eine Schande und eine Ungeheuerlichkeit" nannte Dick Pound, Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), die Haltung der Gewerkschaft.

Barry Bonds auch bei Nennungen im Dopingbericht der Rekordhalter

Wie erwartet tauchte der Name Barry Bonds regelmäßig in dem 409-seitigen Dokument auf. Gleich 103-mal ist der in diesem Sommer zum Homerun-Rekordhalter avancierte Superstar genannt, Clemens schaffte es derweil "nur" auf 82 Nennungen. Doch es war der wegen seiner harten Würfe als "Rocket Man" verehrte Pitcher, der dem Baseball den wohl schmerzendsten Tiefschlag verpasste. Der Publikumsliebling - in seiner Karriere siebenmal mit dem Cy Young Award für den besten Werfer ausgezeichnet - wies zwar über seinen Anwalt jegliche Schuld von sich, doch die immer noch imponierende Wurfstärke des immerhin 45-Jährigen war in diesem Sommer vielen verdächtig.

Bis Dienstag haben alle Seiten nun Zeit, über die nächsten Schritte zu beraten. Dann müssen Mitchell, Selig und Fehr vor einem Untersuchungsausschuss der Regierung erscheinen, um die weitere Vorgehensweise abzustimmen. Ob Rekorde gelöscht oder mit einem Sternchen für Dopingsünder versehen werden, wollte Selig zunächst noch nicht diskutieren. Eventuelle Sperren dürften derweil die sportliche Ausgeglichenheit der Liga nicht beeinträchtigen - alle 30 Klubs haben Sünder in ihren Reihen.