2007.12.19 Neuss : Schiedsrichter Fandel pfeift bei EM-Endrunde 2008

FIFA-Schiedsrichter Herbert Fandel aus Kyllburg vertritt wie erwartet die deutschen Farben bei der EM-Endrunde 2008 in Österreich und der Schweiz (7. bis 29. Juni). Das gab die Schiedsrichter-Kommission der UEFA bekannt.

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Schiedsrichter Herbert Fandel

FIFA-Referee Herbert Fandel ist für die EM-Endrunde 2008 in Österreich und der Schweiz (7. bis 29. Juni) nominiert worden. Gemeinsam mit seinen beiden Assistenten Carsten Kadach aus Suderburg und Volker Wezel aus Tübingen wurde der Kyllburger am Donnerstag von der Schiedsrichter-Kommission der Europäischen Fußball-Union UEFA offiziell benannt. Neben Fandel wurden noch elf weitere Referees bekanntgegeben, die die insgesamt 31 Spiele der Euro leiten werden.

"Natürlich bin ich froh, dass ich dabei bin. Aber ehrlich gesagt, habe ich damit gerechnet", gestand Fandel dem Sport-Informations-Dienst (sid). "Das ist noch mal ein Highlight meiner Karriere und ein schönes Ziel", sagte der zweifache Familienvater, der bei der EURO 2004 und der WM 2006 im eigenen Land Deutschlands langjährigen Vorzeige-Referee Markus Merk aus Otterbach den Vortritt lassen musste.

Fandel, seit 1989 DFB-Schiedsrichter für die DJK Utscheid im Fußballverband Rheinland und hauptberuflich Leiter der Kreismusikschule Bitburg-Prüm, träumt zwar davon ähnlich wie Merk bei der EURO 2004 ein Finale zu leiten, soweit ist es aber noch nicht. "Es ist viel zu früh, darüber zu spekulieren. Zudem hoffen wir ja alle, dass die deutsche Mannschaft ins Endspiel kommt, und dann würde ich gerne verzichten", meinte der 43-Jährige, der sich nun gewissenhaft auf das Turnier vorbereiten will. Dazu gehört auch das Schiedsrichter-Seminar im Vorfeld der EURO vom 14. bis 17. April in einem Nobelhotel im schweizerischen Regensdorf, wo die Unparteiischen auch während des Turniers zumindest bis zum Halbfinale (26. Juni 2008) stationiert sein werden.

"Es ist nie leicht, die Schiedsrichter für ein solches Turnier auszusuchen. Wir sind aber der Überzeugung, dass die von uns ausgewählten Referees die derzeit Besten ihres Fachs in Europa sind", begründete UEFA-Schiedsrichter-Chef Angel Maria Villas Liona (Spanien) die Nominierung der Spielleiter.

Für Fandel, der bei der WM 2010 in Südafrika die Altersgrenze bereits überschritten hat, ist die EM-Endrunde die Krönung einer glänzenden Karriere, die ihren vorläufigen Höhepunkt im vergangenen Sommer hatte, als er nach dem Champions-League-Finale zwischen dem AC Mailand und dem FC Liverpool (2:1) glänzende Kritiken erhielt. Ein Jahr zuvor hatte er bereits das UEFA-Cup-Finale zwischen dem FC Sevilla und dem FC Middlesbrough (4:0) geleitet.

Der negative Höhepunkt aus Sicht des dreimaligen deutschen Schiedsrichter des Jahres, der bislang in 24 Länderspielen, 47 Europacupspielen sowie in 59 Zweitligamatches und 223 Bundesligabegegnungen im Einsatz war, war am 2. Juni 2007 die EM-Qualifikationspartie zwischen Dänemark und Schweden in Kopenhagen.

Nachdem er auf Hinweis seines Assistenten in der 89. Minute regelkonform den dänischen Spieler Christian Poulsen nach dessen Schlag im eigenen Strafraum gegen einen schwedischen Spieler mit der Roten Karte des Feldes verwiesen und auf Strafstoß entschieden hatte, wurde er von einem dänischen Fan körperlich angegriffen und am Hals getroffen. Daraufhin brach Fandel das Spiel beim Stand von 3:3 ab. Die UEFA annullierte später das Ergebnis und sprach gemäß der Regularien den Sieg der schwedischen Mannschaft zu. Der Übeltäter wurde vor einer Woche zu einer Haftstrafe von 20 Tagen verurteilt worden.

"Ich hoffe natürlich, dass so etwas in Zukunft nicht mehr passiert. Denn nach solchen Gewaltausbrüchen von Spielern oder kranken Menschen überlegt man schon, ob das alles noch Sinn macht", hatte Fandel nach diesem Vorfall erklärt. Mittlerweile hat er aber wieder Spaß an seinem Job, erst Recht nach der Nachricht vom Donnerstag.