2008.01.07 Neuss : Erfolg bei Olympia, aber nicht um jeden Preis

Sauberer Sport steht für DOSB-Präsident Thomas Bach im Hinblick auf Olympia 2008 in Peking im Mittelpunkt. Trotzdem soll die deutsche Equipe laut Bach "den Vergleich mit der Weltspitze möglichst erfolgreich bestreiten".

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DOSB-Präsident Thomas Bach blickt optimistisch auf Peking 2008

Die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking sollen für die deutsche Mannschaft ein erfolgreiches Kapitel werden, allerdings nicht um jeden Preis. Die Equipe Deutschlands soll ganz im Gegenteil zum Markenzeichen für sauberen Sport werden. "Wir wollen den Vergleich mit der Weltspitze möglichst erfolgreich bestreiten, aber nicht um den Preis von schmutzigem Lorbeer, sondern mit glaubwürdigen Leistungen", bekräftigte Thomas Bach im sid-Gespräch. Deshalb werde man nicht mit übersteigerten Prognosen nach China fahren.

Er sei zuversichtlich, dass diese realistische Einstellung von Gesellschaft und Politik mitgetragen werde, sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) im Ausblick auf die Spiele, die in sieben Monaten (8. August) eröffnet werden. Die Verabschiedung des Peking-Aufgebotes am 26. Juli in Berlin solle zum Aufruf an Fans und Öffentlichkeit werden, sich nicht nur über Medaillen mit dem "Team Deutschland" zu identifizieren.

Platz sechs keine Selbstverständlichkeit

Bach verwies darauf, dass selbst die erfolgreiche Verteidigung des sechsten Platzes von 2004 keine Selbstverständlichkeit sei. Die Konkurrenz habe seit Athen finanziell zum Großteil in einem Umfang investiert, "von dem wir nur träumen können". Dies gelte nicht nur für China, die USA oder Russland, sondern auch für Australien, Südkorea, Japan oder die Briten im Hinblick auf London 2012.

Allerdings sei auch in Deutschland die Förderung für den Leistungssport durch den Bund erstmals seit zehn Jahren wieder gestiegen. Man werde die Mittel sehr gezielt einsetzen, "um für die eine oder andere Überraschung zu sorgen, soweit das kurzfristig möglich ist". Über allem aber stehe die Null-Toleranz-Politik gegen Doping.

"Wir werden bei der Nominierung die härtesten Maßstäbe anlegen, die es weltweit gibt. Das ist auch unseren Fachverbänden bekannt", betonte der DOSB-Präsident. Dies könnte ein Warnsignal zum Beispiel in Richtung Radsport sein, umstrittene Fahrer erst gar nicht anmelden zu wollen.

Fortschritte im nationalen Antidopingkampf

Man sei im nationalen Antidopingkampf im letzten Jahr ein gutes Stück vorangekommen, sagte Bach im Rückblick auf das verschärfte Arzneimittelgesetz, die Neustrukturierung der NADA und das Umdenken in den meisten Fachverbänden. Aber auch viele andere Länder hätten ihre Anstrengungen verstärkt, China sei nur eines der positiven Beispiele dafür: "Wir stehen also nicht allein und haben keinen Grund, auf andere herabzusehen."

Das Internationale Olympische Komitee habe das Netz für Peking noch enger geknüpft. Dies gelte nicht nur für die Zahl von 4500 Tests, sondern auch für noch mehr Zielkontrollen und das Einfrieren der Proben. "Das alles sollte schon im Vorfeld seine Wirkung nicht verfehlen", glaubt der IOC-Vize, der nach der Serie spektakulärer Doping-Geständnisse im Jahr 2007 (Radsport, Marion Jones) zudem auf einen "heilsamen Schock" hofft.

Bach erwartet "Spiele von neuer Dimension"

Im bevölkerungsreichsten Land der Erde erwartet Bach "Spiele von neuer Dimension", die auch die olympische Bewegung nachhaltig beeinflussen würden: "Man muss sich nur verdeutlichen, was es heißt, dass 400 Millionen Schulkinder seit Jahren mit der olympischen Idee vertraut gemacht werden."

Schon jetzt sei spürbar, dass das Großereignis zur Öffnung der chinesischen Gesellschaft beitrage, meinte der Fecht-Olympiasieger von 1976. Das IOC habe dies seit der Vergabe der Spiele 2001 beständig angemahnt und sehe sich durch die Entwicklung bestätigt. China habe sich den enormen Herausforderungen bislang "durchaus beeindruckend" gestellt.