2008.01.31 Neuss : Die Bundesliga vor dem Start der Rückrunde

Neben dem Kampf um Meisterschaft und Klassenerhalt wird die Liga von Abschieden geprägt sein. Ottmar Hitzfeld und Huub Stevens sind nur einige Namen, die die Liga verlassen werden.

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Ottmar Hitzfeld steht vor seinen letzten 17 BL-Spielen

Am Freitag hebt sich endlich der Vorhang für die Rückrunde der Bundesliga. Für einige Protagonisten steht dabei während der dreieinhalb Monate bis zum Ende der 45. Saison nicht nur das Rennen um die Meisterschaft und der Kampf gegen den Abstieg im Mittelpunkt.

Gleichzeitig beginnt für Ottmar Hitzfeld sowie Huub Stevens die Abschiedstour durch die Stadien - und den Titel als letztes Präsent würde weder der Trainer von Bayern München noch der Coach des Hamburger SV ausschlagen. Allerdings hält Werder Bremen als dritter Titelanwärter nichts vom Geschenkeverteilen.

Hitzfeld will Klinsmann schweres Erbe hinterlassen

Die höchsten Ansprüche nach der Winterpause, in der sich die Topklubs kaum neue Stars an Land gezogen haben, stellt wie immer der Rekordmeister aus München. Hitzfeld, dessen zukünftiges Engagement als Nationaltrainer der Schweiz immer wahrscheinlicher wird, will seinem Nachfolger Jürgen Klinsmann im Sommer ein möglichst schweres Erbe hinterlassen und peilt mit dem Tabellenführer nicht nur die Meisterschaft an.

"Ich will jedes Spiel genießen. Und natürlich ist es ein Traum, alle drei Titel zu gewinnen", sagte Hitzfeld, der mit seinem Team die Tabelle vor den punktgleichen Bremern (beide 36 Zähler) und dem HSV (32) anführt. Der 59-Jährige fühlt sich für die Herausforderung bereit. "Ich bin topmotiviert und werde bis zum letzten Tag Vollgas geben, um mich von Bayern erfolgreich zu verabschieden", betonte Hitzfeld, der "eine intakte und erfolgreiche Mannschaft" übergeben will.

HSV will noch "etwas" erreichen

Ähnliche Ziele verfolgt auch Stevens beim Hamburger SV. Zwar fürchtet der Coach, der in seine niederländische Heimat zum PSV Einhoven zurückkehrt, den Begriff Meisterschaft wie der Teufel das Weihwasser - dennoch haben die Hanseaten große Ziele. "Wir sind noch in drei Wettbewerben vertreten und wollen in diesem halben Jahr etwas erreichen", erklärte Vorstandsboss Bernd Hoffmann, der einen Stevens-Nachfolger bis Ende März präsentieren will.

Allerdings braucht der HSV nicht nur einen Ersatz für den Trainer. Auch der Abschied von Mittelfeldstar Rafael van der Vaart scheint sicher. Schließlich verhandelt der HSV bereits mit Italiens Rekordmeister Juventus Turin. Van der Vaart steht zwar noch bis 2010 unter Vertrag, könnte den HSV jedoch schon 2009 für eine Ablösesumme in Höhe von 1,5 Millionen Euro verlassen. Um einen marktgerechten Preis für den Star zu erzielen, müssten die Hamburger van der Vaart also schon im Sommer ziehen lassen. Während van der Vaart immer wieder laut über seinen Abschied nachdenkt, hat ein anderer Star der Liga vorerst nur den Titel im Visier. "Wir wollen deutscher Meister werden. Wir können am Ende vor den Bayern stehen", sagte Bremens brasilianischer Spielmacher Diego, der rechzeitig zum Rückrundenauftakt seine Leisten- und Schambein-Probleme überwunden hat.

"Stuttgart und Schalke können noch nach oben kommen"

Trotz permanenter Verletzungssorgen, wie zuletzt erneut bei Nationalspieler Torsten Frings, sieht Diego seinen Klub für das Titelrennen gerüstet. "Unser Vorteil ist, dass wir eingespielt sind. Alle haben Spielfreude, wir funktionieren als Mannschaft", meinte der 22-Jährige, der neben Bayern und dem HSV noch andere Rivalen auf der Rechnung hat: "Stuttgart und Schalke können noch nach oben kommen."

Im Gegensatz zu Diego hat VfB-Trainer Armin Veh angesichts von elf Punkten Rückstand auf die Bayern die Titelverteidigung aber bereits abgehakt: "Mit der Meisterschaft haben wir in diesem Jahr nichts mehr zu tun."

Während sich also nur noch drei Kandidaten ernsthaft um den Titel bemühen, steckt die halbe Liga wieder einmal im Abstiegskampf. Schließlich trennen den Tabellenzehnten Borussia Dortmund und den Drittletzten 1. FC Nürnberg nur sechs Zähler. Nicht umsonst waren die "Kellerkinder" auf dem Transfermarkt aktiver als die Topklubs. Die Angst vor dem Absturz in die 2. Liga hat so manche Geldbörse geöffnet.